Zugegeben – Literatur über Richard Wagner und seine Familie gibt es zuhauf. Warum also sollte man den unzähligen Werken noch eins hinzugesellen? Ganz einfach – weil diese Monographie noch gefehlt hat. Auf knappen 135 Seiten zeichnet der Autor in aller Kürze die Geschichte der Wagners nach: von Richard über seine Witwe Cosima („Die Hohe Frau“), den „Erbprinzen“ Siegfried über die Verstrickungen während der Nazizeit unter Winifred und das „Neubayreuth“ der Nachkriegsjahre bis hin zu Eva und Katharina, die seit 2008 die Leitung der Festspiele innehaben. Viel Stoff auf wenig Raum zwar, und dennoch fabelhaft aufbereitet!Stilistisch elegant, unterhaltsam, nicht ohne Witz und mit großem inhaltlichem Know-How zeichnet Dominik Tomenendal die Entwicklungslinien bis in die Gegenwart nach. Vieles wird gerade in dieser verknappten Darstellung plausibel: der Antisemitismus des Komponisten beispielsweise, der sich in verblüffender Stringenz bis ins Dritte Reich hindurch zieht – und sich dennoch von Generation zu Generation verändert. Gerade die Einbettung der Geschehnisse in Bayreuth in einen zeitgeschichtlichen Kontext gelingt dem Historiker und Politikwissenschaftler ausgezeichnet.Insofern: dringende Empfehlung für Wagner-Enthusiasten und auch Anfänger, die sich dem Mythos Bayreuth und seiner Geschichte nähern wollen!