★★★★★
k.A.
16.07.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist eine wunderbare Reise in die Nachkriegszeit auf dem Land und fesselte mich sofort mit seinen lebendigen Erzählungen. Ich empfehle es jedem, der sich für diese besondere Epoche interessiert.
Die Handlung dieses ganz ausgezeichent geschriebenen Heimatromans spielt in einem kleinen Dorf im Schwäbischen. Den Anfang machen die Nachkriegsjahre. Das dörliche Leben hat sich gewandelt. Nur wenige Jahre zuvor war es üblich gewesen, daß jeder größere Hof einen Knecht hatte. Gerade kurz nach dem Krieg gab es bedingt durch Flüchtlinge genug sich anbietende Arbeitskräfte. Doch mit dem Wiederaufbau und dem Wiederbeleben der Wirtschaft, wanderten die günstigen Arbeitskräfte in die Fabriken oder auf den Bau ab. Die Landwirte entschlossen sich fortan, ihre Betriebe mit ihren Frauen und den Kindern allein zu führen. Die Betriebe waren für die heutigen Verhältnisse relativ klein, die Technisierung der Landwirtschaft kam nur schleppend. Es wurde mit Pferden auf dem Feld geabeitet, vieles bleib beschwerliche Handarbeit.So sah es auch in jenem schwäbischen Dorf auf, wo sich die Jugend allabendlich bei der Schusterstaffel, einer steinernen Treppe mitten im Dorf traf und zusammen trank und sich unterhielt. Hier fanden sich auch die vier Freunde Herbert, Herrmann, Berward und Karl ein. Alle Vier waren Bauernsöhne, die den Hof der Familie weiterführten. Jeder der vier Freunde hat einen ganz anderen Charakter und auch einen anderen persönlichen Hintergrund. Der eine hatte keinen Vater mehr und musste den nicht allzu großen und nicht so prunkvollen Hof alleine mit der Mutter und einem Onkel führen, während all sein Ehrgeiz und Geltungsdrang nach einem modernen und großen Hof stebte. Ein anderer hingegen konnte als zweitgeborener Sohn nicht den elterlichen Hof übernehmen, führte diesen aber dennoch selbständig und in bester Harmonie mit seinen Geschwistern und der Schwägerin weiter. Wiederum ein anderer musste sich noch jahrelang dem strengen Regiment des Vaters beugen, der keine technische und arbeitserleichternde Anschaffung erlaubte. Im Laufe der Jahren entfremden sich die vier Freunde, sie heiraten, sie bekommen Kinder. Sie erweitern ihre Betriebe, sie spezialiseren sich oder betreiben einen ganz neuen Betriebszweig. Sie konkurrieren auch teilweise und streiten sich um mögliche Pachtflächen oder spotten über verschiedene Arbeitsweisen. Flurbereinigung und persönlicher Neid tun ein Übriges um die einstmals harmonische Freundschaft zu trüben. Jeder geht zeitweise seinen eigenen und oft beschwerlichen Weg. Auch die Kinder der Freunde werde größer und wieder steht eine Hofnachfolge an. Doch die Kinder haben ihre eigenen Wünsche und Träume und Differenzen sind vorgrommiert, zumal sich die Landwirtschaft in den Jahren immer mehr wandelt. Die schwere, körperliche Arbeit durch Maschinen zwar erleichtert wird, aber viele neue Herausforderungen auf die Landwirte zugekommen sind und sie teils in finanzielle Nöte geraten.Dieser Roman hat mir sehr gefallen. Die Entwicklung der Landwirtschaft von kurz nach dem 2. Weltkrieg bis fast in unsere heutige Zeit wird wirklich ganz authentisch beschrieben. Das damalige beschwerliche und arbeitsreiche Leben kannte ich so nur aus Erzählungen. Traditonen und dörfliche Kultur und deren Wandel werden treffend aufgezeigt. Die Familiengeschichten um die vier Freunde bilden dabei in diese Roman ein lebensnahes, sehr lesenswertes und spannendes Beiwerk, das mich bis zum Ende des Buches gefesselt hat. Für mich ein wirklich meisterhaft geschriebenes und absolut empfehlenswertes Buch!
Das Thema Dorfleben ist gerade schwer angesagt, meist handelt es von sturköpfigen Bauern und naiven Städtern, die gar keine Ahnung haben, was Landwirtschaft bedeutet.Heinrich Maurer weiß genau, wie Landwirtschaft in seiner Heimat funktioniert, er ist vom Fach. Doch ist sein Buch "Die Vier von der Schusterstaffel" ein Heimat-Roman? Ja und Nein.Es ist kein klassischer Roman, auch wenn es alle Elemente enthält: Familiengeschichten, Liebe, Streit, Erfolg und Misserfolg, Veränderungen. Das Buch liest sich eher wie eine Biografie, oder wie vier Biografien, die Lebensgeschichten der Freunde Berwald, Hermann, Herbert und Karl, vier Bauernbuben der Nachkriegsgeneration, die in jungen Jahren die Felder noch mit Pferden bestellen.Heinrich Maurer erzählt unaufgeregt und ruhig, wie das Leben im Dorfverbund damals funktionierte, wie verschieden die Konzepte der einzelnen Höfe aussahen, so vielfältig wie die Charaktere der einzelnen Protagonisten.Dabei erzählt er lebendig, bildhaft und interessant. Ich hatte die Höfe direkt vor Augen, ebenso die einzelnen Personen. Er schildert unprätentiös, welche Effekte die Entscheidungen der Landwirte auf deren Eigentum hatten, welche Zwänge von außen sie zu Veränderungen zwangen, Flurbereinigung, fallende Milchpreise, neue Gesetze, der Kampf um die wenigen Hektar Land, die zur Verfügung standen.Wie wichtig damals die Mitgift der Bräute für den Fortbestand der Höfe war, wieviel wichtiger als romantische Liebe ein harmonisches Miteinander und mit anpacken können war. Uneins zu sein, Streit und undurchsichtige Finanzierungspläne ruinieren den Hof von Hermann und seine Ehe, der bescheidene Junggeselle Karl hat Glück, dass er und seine Geschwister zusammenhalten und gemeinsam wirtschaften, und dem ehrgeizige Berwald gehen nie die Ideen und die Kraft aus. Herbert hat die klügste Frau, mit deren Hilfe er frühzeitig in strohlose Schweinemast investiert. Alle sind ständig gefordert, und mit der nächsten Generation ziehen immer mehr Kinder in die Stadt, der Kampf ums Erbe und die eigene Existenz hat kein Ende.Dieser Lebenskampf, dieses sich Einstellen auf Veränderungen, liest sich wunderbar, und nebenbei erfährt man noch jede Menge. Wer hat nicht selbst Verwandte, Oma, Oma, die auf dem Dorf groß geworden sind? Dieses Buch gibt einen Einblick in das Leben dieser Menschen, ohne voyeuristisch zu sein, ohne überzogene Dramatik. Sehr realistisch.Ich vergebe sehr gerne 4 Sterne und meine Leseempfehlung an all jene, die erfahren wollen, wie das Leben auf dem Land wirklich abläuft. (Alias Buchstabenliebhaberin, Lovelybooks)