Das Hörbuch zu „ewig her und gar nicht wahr“ von Marina Frenk gesprochen von der Autorin.Kira ist Künstlerin und lebt mit Marc und ihrem gemeinsamen Sohn Karl in Berlin. Sie erzählt uns eine Geschichte, ihre Geschichte, aber auch die ihrer russisch-jüdischen Verwandten. Denn alle Generationen verbindet etwas-die Flucht. Seit dem zweiten Weltkrieg würde die Familie heimatlos hin und her getrieben. Immer auf der Suche nach einem friedlichen Ort zum Leben. Kira hat ihre Heimat in Berlin gefunden. Dennoch fühlt sie sich nicht richtig real in dieser Welt. Ihre Erzählungen driften immer wieder ab in surreale Bilder, von denen man erst auf dem Höhepunkt begreift, dass sie nicht real sind. Fiktion und Wirklichkeit vermischen sich, wie bei einem Kunstwerk und schaffen so beim Hörer ein sagenhaftes Kopfkino. Kira versucht sich an realen Personen festzuhalten, wie ihrer beste Freundin oder ihren kleinen Sohn Karl. Sie dienen ihr als Anker. Dazwischen reisen wir mit ihr zwischen den Zeiten und den Wirklichkeiten hin und her. Marina Frenk schafft es plastische Kunstwerke so in Worten auszudrücken, dass sie beim Hörer ganz reale und überraschende Emotionen ausdrücken. Die können zwischendurch auch wirklich unangenehm sein, aber wenn diese Szene dann vorüber ist, weckt sie einfach nur Faszination für diese hohe Kunst des Ausdrucks. Besonders erwähnenswert bei diesem Hörbuch ist unbedingt die warme und sympathische Stimme der Autorin. Ihr melodischer Klang trägt einen hoffnungsvoll durch die schwermütige Geschichte. Sie hat die Geschichte für mich zu einer Erinnerung werden lassen, die ich immer mit ihrer Stimme verbinden werde und noch 100te Male hören könnte.
Zu Beginn fiel es mir schwer, die Hör-CD "ewig her und gar nicht wahr" von Marina Frenk anzuhören. Lange lamentierende innere Monologe und Zeitsprünge machten den Einstieg zäh. Ich hielt durch und wurde belohnt. Die Ich-Erzählerin Kira, eine Malerin, nimmt Fotos ihrer Familie zum Anlass, von deren Leben und vor allem ihrer Vertreibung zu erzählen. Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit ziehen sich als Hauptmotive durch den ganzen Roman und gerade die Verschränkung der zeitlichen Erzählebenen macht deutlich, dass die Erfahrung von Vertreibung und das Gefühl der Heimatlosigkeit sich auch in der heutigen Generation bis in Beziehungen und in die Ausübung eines Berufs hinein auswirken kann.„Kunst ist auch ein Beruf, wenn man Künstler ist.“ Sätze wie dieser machen das Hörbuch hörenswert. Wenn die Autorin den Satz mit ihrer kindlichen und sehr unschuldig klingenden Stimme liest, muss man zweimal hinhören, um die Wucht der Aussagen zu erkennen. Und das schafft Marina Frenk ganz großartig: Sie beschert einem viele neue Blickwinkel, indem sie Dinge einfach auf den Punkt bringt und auch, indem sie gängige Bilder und Vergleiche ein wenig gegen den Strich bürstet. Starke Dialoge, vor allem mit der Mutter und ein feiner poetischer Erzählstil, der mit der Stimme der Autorin wunderbar korrespondiert. Manche sehr körperlichen Szenen fand ich teilweise abstoßend. Und es ist auch nicht immer leicht, dem Gedankenstrom zu folgen. Wie die Erzählerin jedoch die Szene schildert, als eine ihrer Liebesbeziehungen beendet wird, und wie sie den Mann und seine Aussagen zergliedert und entlarvt, ist gleichzeitig belustigend und aufwühlend. Insgesamt ist der Roman ein sehr beeindruckendes sprachliches Gemälde!