Ich interessiere mich schon immer für die Tierwelt, daher haben mich das gelungene Cover, der verlockende Titel und vielmehr noch die super vielversprechende Buchbeschreibung sofort angesprochen. Mario Ludwig hat mich nicht enttäuscht. Mit seinen wirklich allesamt verblüffend und faszinierenden Geschichten aus der Tierwelt hat er mich nicht nur bestens unterhalten, sondern mir auf fesselnde Art auch ganz viel neues Wissen verschafft.Einem Vorwort, in dem der Autor schon deutlich macht, dass verständlicherweise bei der Vielzahl der teilweise überaus komplexen Themen kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden haben kann, schließen sich 49 unterhaltsame Kapitel über tierische Helfer an, die vielfältiger nicht sein könnten. Jedem Kapitel ist eine Zeichnung der Tierart bzw. Tiergattung vorangestellt. Die meisten Kapitel erstecken sich über drei, vier Seiten, die eine Mischung aus Informationen zu heutigem und historischem Einsatz, aktuellsten Entwicklungen und, wenn nötig, auch Kritik und Warnungen bieten.Der Autor ist Wissenschaftler und hat hier ein Sachbuch geschrieben, bei dem der Funke an Begeisterung für Biologie und die Tierwelt auch auf den Laien überspringen muss. Mit locker, leichtem Plauderton schildert er auf unterhaltsame und humorvolle Art und Weise. Das wird sicher nicht mein letztes Buch von Mario Ludwig bleiben, so begeistert bin ich.Tiere im Dienst der Menschen, klar da fallen einem spontan sofort Blinden-, Hüte- oder Drogensuchhunde, Bienen als Honigproduzenten, Delfine für Verhaltenstherapien oder auch Labortiere im Dienst der Wissenschaft ein. Da ich interessiert bin, habe ich auch bereits von Katzenkaffee, Milbenkäse, Putzerfischchen zur Fußpflege oder Blutwurmtherapie gehört, habe einen Bericht darüber im Fernsehen gesehen oder schon davon gelesen. Elefantenpapier habe ich schon zum Zeichnen benutzt, habe vor vielen Jahren eine Naturschwammfabrik in Griechenland besichtigt und auch Hündin Leila im Weltall war mir ein Begriff. Einige der Kapitel widmen sich auch Themen wie diesen, aber in einem jeden habe ich noch unheimlich viele neue Details erfahren, sodass ich keines missen möchte. Ein Schwein im Weltall, Elefantenkaffee, 100-120 Blutwürmer können einen Menschen leersaugen und warum nagen Rote Saugbarben überhaupt so gern die Hornhaut weg, all diese Details wusste ich bisher z.B. nicht.Einige Kapitel entführen in Richtung Medizin, Gesundheit und Körperpflege. Besonders skurril für mich in diesem Bereich sicher der Traum vom Idealgewicht mittels Bandwurmtherapie oder auch die horrenden Preise für Himalaya-Viagra. 40.000€ sind mehr als ein stolzer Preis für ein Kilo des faszinierenden Doppelwesens mit dem Namen Sommergras Winterwurm. Dinge, bei denen ich mir dachte, muss ich nicht haben, aber davon zu wissen ist auf jeden Fall nicht spannend und super interessant. Zahlt die Krankenkasse Diabetikerhunde und was muss ein solcher können, auch das erfährt man unter anderem hier.„Sehr herb, mit leichten Bitternoten am Gaumen. Die Ausscheidungen der Milben verleihen der Rinde eine an verdünnten Honig erinnernde Süße, die dazu einen schönen Kontrast bildet.“ Auch im Bereich der Lebensmittel gibt es unheimlich viel Spannendes und Interessantes. Wie viel Affen sind bei der Kokosnussernte beteiligt, was kostet ein Kilo Elchkäse, wie lange und wann überhaupt will die Elchkuh gemolken werden, kann den Preis Eselskäse noch toppen und wenn ja warum, wo gibt es eine Trüffelhundeuniversität und wird die Zukunft der Pudding mit Vanillinextrakt aus dem Kuhfladen gepanscht oder gar mit Hilfe der Soldatenfliege, die sogar menschlichen Kot zu Protein macht, gegen den Hunger gekämpft? Ich habe ein jedes Kapitel wirklich verschlungen.Farben- bzw. Textilherstellung, auch hier waren und sind Tiere gefragt. Deshalb beantworten auch einige Kapitel aus diesem Bereich spannende Fragen. Wann wurde Purpur zum ersten Mal erwähnt, wie der Farbstoff gewonnen, welche Preise lassen sich für Muschelseide erzielen und was hat es mit der Madagaskar Seidenspinne auf sich, spinnt die wirklich Gold?Auch im Dienste der Wissenschaft tut sich in der Tierwelt einiges. Drohnenabwehr mit Adlern, was ist nach welchen Pleiten in der tierischen Spionage für die Zukunft geplant, werden Archäologiehunde uns in Zukunft noch so manchen Knochen aus dem Altertum ans Tageslicht zerren? Auch diesen Dingen widmet sich der Autor mit einigen Kapiteln.Labortieren wird in diesem Buch zum Glück kein Platz eingeräumt, Nichtsdestotrotz erfährt man als Leser auch von Tieren, die leiden, was das Herz des Tierliebhabers bluten lässt. Wo der Kommerz die Menschen lockt, lässt sich das wohl nie ganz ausmerzen. Schlechte Haltungsbedingungen, Ausbeutung der Tiere, wenn die Aussicht lockt, den Gewinn maximieren zu können, steht das Tierwohl leider viel zu oft hinten an.Ganz anders in den Golfstaaten, da wird fürs Tier eine Spa Welt geschaffen, die einen neidisch auf Adler, die neuen Statussymbole und auch Kamele, die wenn sie gut rennen, schon mal 5 Millionen wert werden können, blicken lässt. Ob sie auch silberne Särge wie die Kampfgrillen in China bekommen?Vom Elefantenkrieger in der Antike, über Mordaufklärung mithilfe von Insekten im 13. Jahrhundert oder neuen Entdeckungen wie den Archäologiehund, der erst seit sieben Jahren schnüffelt, bis hin zu Ideen für die Zukunft. Gelungen fand ich auch die stets gute Verknüpfung von Geschichte und Gegenwart in den einzelnen Abschnitten.Wer nun mehr über den Mythos vom Wetterfrosch, Angeln mit lebenden Saughaken, Tauben als Drogenkurieren und Krötenlecker, oder auch warum es ohne Habicht und Uhu im Kremel nicht geht, wissen will und spannend, fesselnd in die faszinierende Tierwelt entführt werden will, der muss unbedingt zu diesem Buch greifen. Völlig begeisterte fünf Sterne.