Inhalt:Ben trennt sich von Pauline und will die Scheidung. Das haut sie völlig aus der Bahn, hat sie das ja nicht kommen sehen. Aktuell wohnt sie mit ihrem Sohn Jules wieder bei den Eltern und will das Ende nicht wahrhaben. Es wird doch sicher alles wieder in Ordnung kommen. Sie klammert sich an die schönen Erinnerungen und schreibt diese in Briefen für Ben auf. Vielleicht hat er das einfach vergessen und muss nur daran erinnert werden, wie glücklich sie waren und was für schöne Momente sie teilen. Schließlich sagte selbst Ben einmal zu, wenn er vorhabe sie zu verlassen, soll sie ihn wachrütteln und nicht aufgeben. Und genau das will sie versuchen. Nebenher kommt sie auch endlich selbst zur Ruhe in einem schönen Ferienhaus, gemeinsam mit der gesamten Familie an der Atlantikküste.Die Reaktion von Ben hat sie allerdings nicht erwartet. Denn auch er bringt Erinnerungen zu Papier, die sie allerdings verdrängt hatte und an die sie eigentlich nie wieder denken wollte. Doch ihr scheint nichts Anderes übrig zu bleiben…Schreibstil:Die Erzählung erfolgt aus der Ich-Perspektive von Pauline. Man kann förmlich ihre Verzweiflung und Trauer um die verlorene Liebe spüren. Kursiv gedruckt sind die Briefe, die sie für Ben verfasst und ebenso die Briefe, die sie von Ben erhält. Der Schreibstil ist nicht zu kompliziert, man kann das Buch entspannt lesen und der Handlung folgen.Meine Einschätzung:Ich habe selten französische Romane gelesen und war daher etwas verhalten an das Buch herangegangen. Ehrlich gesagt hat mich vorrangig der Titel und das Cover angesprochen, der Klappentext nur ein wenig. Man stürzt sich hier mitten in eine Ehekrise und ist neugierig, ob sie es nochmal schaffen und alles wieder in Ordnung kommt.Die Niedergeschlagenheit von Pauline zieht ein wenig runter. Ebenso stellt man schnell fest, dass in ihrer Familie einige Geheimnisse existieren, die einen harmonischen Urlaub eher an ein Theaterstück erinnern. Für Pauline ist es also auch wichtig, dass die Familie mal etwas Klartext spricht und da einige Baustellen verarbeitet werden.Ihre Briefe an Ben fand ich rührend. Ich denke, dass man nach vielen Jahren doch den ein oder anderen Augenblick vergisst. Da gibt es für mich nichts Schöneres als diese Details noch einmal gedanklich zu erleben. Ich glaube auch Ben hat öfter mit einem Lächeln die Briefe in den Händen gehalten. Umso mehr schockierten mich seine Briefe. Während Pauline nur die schönen Erinnerungen gespeichert hat, versucht Ben sie auch an die schlimmen Dinge zu erinnern. Denn diese gehören ebenfalls dazu. Und letztlich führte die schlechte Verarbeitung und Verdrängung dieser Geschehnisse zu Bens Entschluss, der so betrachtet mutig und wichtig war. Pauline hat das alles nicht sehen wollen und für sie lief es perfekt. Doch ab einem bestimmten Punkt hat sie sich ein Scheinbild erschaffen.Das Buch war rührend und manchmal witzig, aber auch traurig und ernst. Die Familie von Pauline ist nicht perfekt, aber wer ist das schon. Den Titel konnte ich mir dennoch lange nicht erklären, doch das schafft der Psychiater im letzten Drittel sehr gut mit seinem Vergleich. Erst wenn es man richtig schlecht läuft, man vielleicht sogar gerade ganz unten zu sein schein, dann weiß man erst die scheinbar alltäglichen Glücksmomente als solche zu sehen. Erst dann realisiert man auch was eigentlich alles zum Glück gehört. Erst wenn es in einem regnet, sieht man die Sonnenmomente deutlicher…
"Das Glück ist stärker, wenn es regnet" ist die Geschichte einer Trennung, die recht oberflächlich beginnt, um zum Ende hin an Tiefe zuzunehmen. Ich fand das Zusammenspiel von schönen Momenten der Vergangenheit und Gegenwart sehr gelungen und konnte mich relativ rasch an Paulines Sicht der Dinge einlassen. Eine Trennung ist immer mit Schmerz verbunden und dieses wird relativ schnell deutlich, da Pauline sich nicht bewusst ist, was zur Trennung führt. Vieles wurde verdrängt und die schönen und harmonischen Begebenheiten innerhalb ihrer Ehe werden hervorgehoben. Das, was letztendlich ausschlaggebend ist, wird lange verschleiert. Ich habe tatsächlich ganz viel Mitgefühl empfunden und tat mich nicht sehr schwer damit, mich in Paulines Handeln und Denken hineinzuversetzen.Das Cover gaukelt einen Roman vor, der voller Lebensfreude steckt, durch die Farben und die tanzende Frau. Letztendlich ist es ein Roman, der die Vergangenheit und Erlebtes lange verdrängt, um letztendlich doch einen Neuanfang zu wagen, wenn dieses auch erst einmal nur heißt, eine neue Wohnung zu mieten und erneut aus dem Elternhaus auszuziehen. Dieses ist der Ort an den Pauline sich geflüchtet hat, als die Trennung unausweichlich ist. Es ist letztendlich ein Festklammern an Altem und Sicherheiten, die dieses bietet, wobei Pauline ihrem Sohn dadurch wenig Freiräume zusteht. Auch er ist von der Trennung sehr getroffen und seine Mutter schwebt wie ein Helikopter über ihm, um ihn zu beschützen und zu bewachen. Er bekommt meiner Meinung nach wenig Freiräume, die aber verständlich werden, sobald zum Ende des Romans Wahrheiten und auch Traumata angesprochen werden, die ich als äußerst schmerzlich empfand, daher verwirrte mich im Nachhinein das Cover sehr, da Paulines Leben nicht so lebensfroh war, wie sie es und zu Beginn weis machen wollte.Ich tauchte in eine Story ein, die wenig Harmonie verströmt, da auch innerhalb der Familie Paulines einige Dinge im Argen liegen. Eine heile Welt hatte ich nicht erwartet, aber vieles tritt dennoch zu geballt auf, sodass ich mich oftmals fragen musste, welches Ziel die Autorin verfolgt. Irgendwann wird dann doch ein roter Faden sichtbar und der Verdrängungsprozess Paulines offensichtlich. Durch ihr Abkapseln und ihren Rückzug, der mir völlig verständlich ist, trägt sie eine Mitschuld am Scheitern ihrer Ehe. Deutlich wird, das Reden unerlässlich erscheint, denn niemand sollte Trauer und Schmerz alleine tragen müssen. Der Partner sollte einbezogen werden, denn auch er ist involviert, was sich letztendlich so ausdehnt, dass Ben sich von seiner Frau entfremdet und sich seinen Gefühlen nicht mehr sicher ist.Wenn ich ein Fazit über das Gelesene ziehen müsste, müsste ich bekennen, dass mich am meisten der Brief von Paulines Mutter berührt hat, denn auch diese Beziehung hat Ecken und Kanten. "Das Glück ist stärker, wenn es regnet" ist definitiv kein Wohlfühlbuch und das Grauen, welches sich in den letzten Seiten widerspiegelt, ist echtes Drama und der erlittene Schmerz greifbar. Ich litt letztendlich mit und hätte den Umschwung der Story, mit all seiner Tiefe so niemals erwartet. Ich kann ein leichtes Gefühl der Überforderung nicht abstreiten.Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an "Das Glück ist stärker, wenn es regnet", wobei ich auch eine Warnung aussprechen muss, da das Ende so unvorhersehbar ist, könnte es betroffene Frauen mitsamt der Traurigkeiten und dem empfundenen Schmerz komplett überfordern. Mich, die es nicht betrifft hat es schon emotional mitgenommen, wer weiß, wie jemand reagiert, der ähnliches wie Pauline erlebt hat? Definitiv ein Roman, der nicht jeden begeistern wird und eben auch nicht für alle geeignet ist, aber ein Bild davon sollte sich jede/r selbst machen müssen.