eigentlich heißt es ja dass Bücher ihre Zeit haben. Und was soll ein Leser im Jahre 2024 mit Spiegel Reportagen anfangen, die vor 2009 gedruckt wurden. Aber schon bei der ersten über den Tod Che Guevaras erkennt man, dass diese Texte zeitlos sind. Es sind fantastisch Gute dabei: Etwa "Das Hemd des toten Weißen", in der Alexander Smoltczyk sich auf die Reise macht und verfolgt, welche überraschenden Folgen es nach sich zieht, wenn man in Hamburg eine alte Damenbluse in einen Altkleider-Sammelcontainer wirft. "Ich bin das Volk" - über die letzten Monate des Politbüros der DDR, als habe Cordt Schnibben in den Sitzungen dabei gesessen. Oder wenn in zwei aufeinanderfolgenden Texten der Terrorangriff auf das World Trade Center und die Verhältnisse in Guantanamo gegeneinander gestellt werden. Vielleic ht liegt der Reiz der Storys auch darin, dass man inzwischen weiß, wie es weitergegangen ist, z.B. mit dem Prozess gegen Michael Jackson oder mit der CDU Landesvorsitzenden aus Mecklenburg-Vorpommern (Angela Merkel heißt sie).