Das Buch habe ich mir gekauft, da Frau Kulessa meine Dozentin/Professorin in Makroökonomie ist und dieses Buch voraussetzt.In Begleitung zu ihrer Vorlesung ist es durchaus hilfreich, da man alle Inhalte noch einmal nachlesen kann, wie sie auch in der Vorlesung besprochen wurden.Das erste Problem mit diesem Buch sehe ich leider in den Aufgaben, welche nach und nach im Buch gestellt werden. Denn es gibt keine Lösungen. Lediglich die Multiplechoicefragen werden aufgelöst, über eine PDF auf der Verlagswebsite. So kann man sich zwar Gedanken machen, aber bekommt kein Feedback ob es wirklich richtig war und man es verstanden hat. Andere vergleichbare Bücher bieten hier direkt Lösungen im Buch an.Ein weiterer Punkt der mir auffällt ist, das dieses Lehrbuch in seinen Themen eher sehr eng, dafür aber sehr vertieft vorgeht. Zusammenhänge und Wirkungsketten werden sehr intensiv betrachtet. Zudem geht es hier mehr um das Verständnis und das Detail. Andere Makroökonomiebücher sind in ihren Themen weiter gefächert und überfliegen Themen, die in diesem Buch intensiver besprochen werden.Kaufempfehlung oder nicht? Auch wenn ich mitbekommen habe wie stolz die Autoren auf das Buch ist und wie wichtig es ihr ist, das hängt wohl davon ab was jeder einzelne sich von diesem Buch erhofft oder wofür er es braucht. Man sollte sich die Inhalte des Buches auf jeden Fall vor dem Kauf erstmal genauer anschauen.
Nicht zu empfehlenEin Kommilitone hatte mir das Buch empfohlen. Leider kann ich seinen Eindruck nicht teilen. Ich wollte mir kurz vor dem Examen noch einen richtigen Push verschaffen, was leider nicht funktioniert hat. Das Layout ist zwar "modern", manchmal aber auch übertrieben gestaltet. Ob man sich von den Aufforderungen wie "Überlegen Sie", "Erklären Sie", "Recherchieren Sie" usw. animieren lässt, wird jeder Leser für sich entscheiden.Ehrgeizig ja, aber die Anfangsversprechen (z.B. einfache Sprache) werden nicht konsequent eingehalten. Denn wie in jeder Wissenschaft sind Fachbegriffe auch in der VWL nicht zu vermeiden (S. 20). Wenn man Fremdwörter verwendet, sollte man sie auch "übersetzen". Das kommt aber nicht durchweg. Was ist methodologischer Individualismus" (S. 20)?Das Buch ist in drei Teile gegliedert: "Grundlagen", "Leitbild und Ziele" und "Einfaches makroökonomisches Totalmodell". Die Teile sind sehr unterschiedlich lang. Einzelne Abschnitte - auch wenn sie nur eine halbe Seite ausmachen - werden durchweg als Kapitel bezeichnet. Das ist für den Leser ungewöhnlich. Absolut störend sind die unendlich vielen Verweise, die das Lesen erschweren. Auf Seite 22 gibt es davon 8, die auf ganz verschiedene Seiten abzielen, also ein ständiges Herumblättern.Das Buch ist bemüht "flott" geschrieben, aber dadurch leidet an etlichen Stellen die Präzision. Da helfen auch nicht simple Beispiele wie das des Eiscrememarkts (S. 22): Es gibt auch einen gesamtwirtschaftlichen Markt für Eiscreme, dominiert von Italienern.Andere Ungenauigkeiten: S. 288 werden externe Effekte erwähnt. Was man darunter versteht, wird nicht gesagt. Im Stichwortverzeichnis taucht der Begriff nicht auf. S. 43: "Da eine Volkswirtschaft ein dynamischer Prozess ist, müsste im Kontext des ge-samtwirtschaftlichen Gleichgewichts…" eine bemerkenswerte Feststellung, wenn die Volks-wirtschaft auf einen dynamischen Prozess reduziert wird. S. 82 Bei der "unfreiwilligen Teil-zeitbeschäftigung" gibt es keine Hinweise auf deren statistische Erfassung. S. 147: Was ist die "Produktionselastizität des Kapitals"?? Ein weiteres Beispiel: S. 183 wird "Geldpolitik" definiert: "Geldpolitik ist die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld." Das ist schlicht formuliert, aber nicht richtig, denn durch Geldpolitik werden viele wichtige volkswirtschaftliche und außenwirtschaftliche Prozesse beeinflusst. Ihr Ziel ist die Preisniveaustabilität. Auch hier tut sich die Verfasserin schwer. Richtig begründet wird das z.B. von der EZB gewählte Ziel von "unter, aber nahe 2%" nicht. Ein Blick zurück auf die Geldpolitik der Bundesbank zeigt, dass sie ihr Ziel mit wettbewerblichen Prozessen in der deutschen Volkswirtschaft begründet hat: Innovationen lohnen sich nur, wenn man als Innovator auf dem Markt zunächst überdurchschnittliche hohe Preise verlangen kann. Durch den Wettbewerb werden sie im Zeitablauf durch Imitation wieder tendenziell fallen. Dem wird durch das Preisniveauziel Rechnung getragen. Und S. 185: Zu den Aufgaben der Zentralbank: Sie ist Trägerin der Geldpolitik, aber: sie kann nur deshalb autonom agieren, weil sie von den zuständigen staatlichen Organen als "unabhängig" von staatlicher Einflussnahme rechtlich ausgestattet ist. Ihre Unabhängigkeit ist nicht vom Himmel gefallen.Absonderlich sind einige Feststellungen zum Begriff des gesamtwirtschaftlichen Gleichge-wichts. S. 279 in Kapitel 38.1 werden die tragfähigen Staatsfinanzen als weiterer Bestandteil des Gleichgewichts genannt, so dass die Verfasserin nun vom magischen Fünfeck der Stabilitätspolitik schreibt. Stabilen Staatsfinanzen wird also der gleiche Rang gegeben wie der Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung usw. Ganz offenbar wird übersehen, dass die staatlichen Haushalte Instrument für die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik sind, aber selbst nicht einen eigenen Zielwert darstellen. Ein Kritikpunkt bezieht sich auf einige Abbil-dungen. Z.B. Abb. 11.4 (S. 78). Es geht um die Entwicklung der Erwerbslosenquoten in OECD-Staaten. Die Grafik zeigt ein absolut diffuses Bild. Gleich darunter kommt die gleiche Abb., die sich aber auf 3 Länder beschränkt (Abb. 11.5). Das ist in Ordnung und verstehbar. Noch einmal taucht dieser Effekt, den die Verf. dann belustigt "Spaghetti"-Abb. 12.2 (S. 93) nennt, wo die Vergleichsabbildung 12.1 klar ist. Die Spaghetti-Abbildungen können unbesorgt vergessen werden.Dies sind nur einige Anmerkungen. Sie begründen aber das Urteil: keine Empfehlung.