Wer sich von Hermann Hesses Leselust hat inspirieren lassen ("Eine kleine Bibliothek der Weltliteratur") oder zu den "100 besten Büchern" (Hg. Fritz J. Raddatz) gegriffen hat, wird Turgenjews "Väter und Söhne" gelesen haben. Und wer sich mit Hemingway beschäftigt, wird sich hoffentlich von dessen Begeisterung für "Aufzeichnungen eines Jägers" anstecken lassen.Thomas Mann schrieb 1914: "Auch träume ich davon, über kurz oder lang, einmal einen größeren Aufsatz über ihn (Turgenjew) zu schreiben, hauptsächlich weil mir scheint, dass er augenblicklich zu Gunsten Dostojewskijs in der undankbarsten und ungehörigsten Weise unterschätzt, ja missachtet wird. Ich freue mich darauf, für ihn einzutreten."Geträumte Taten - denn Thomas Mann hat zwar große Essays über Tolstoi, Dostojewskij und Cechov vorgelegt, aber seinen Vorsatz, Turgenjew eine eigenständige Arbeit zu widmen, leider nicht in die Tat umgesetzt. Doch hat er seine Liebe zu Turgenjews Werk in 89 anderen Arbeiten formuliert. Das hat ein Spezialist 1983 nachgezählt.Eine aktuelle Würdigung erfährt Turgenjew im soeben erschienenen Buch Horst-Jürgen Gerigks.Im ersten Teil seines Buches führt er "den Leser von heute" kenntnisreich und anregend durch Turgenjews Werk, welches - unter anderem - sechs Romane und neunundfünfzig Erzählungen umfasst.Daneben besucht Gerigk mit uns die Schauplätze von Turgenjews Leben, inspiziert sein Briefwerk, erläutert seine Feindschaft zu Dostojewskij und schildert sein Verhältnis zu Pauline Viardot, der Schwester Maria Malibrans.Im zweiten Teil seines Buches verfolgt Gerigk die Spuren, die Turgenjew in den Werken anderer Schriftsteller hinterlassen hat, und präsentiert erstaunliche Erkenntnisse.Im ausführlichen Anhang findet man vielfache Anregung zu vertiefender Beschäftigung.Wer sich Horst-Jürgen Gerigks jüngstem Buch und Führung anvertraut, ist aber für das erste Turgenjew-Staatsexamen schon bestens gerüstet.Ihm, dem Meister aus Heidelberg, sei dafür Dank!