★★★★★
k.A.
21.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein furioses Plädoyer, das wirklich zum Nachdenken anregt und mir hilft, die Komplexität unserer Welt besser zu verstehen. Die Argumentation ist brillant und sehr inspirierend.
★★★★★
k.A.
21.08.2026
ean-shopping.de
Ich lese dieses Buch regelmäßig, um neue Perspektiven auf die Art und Weise zu gewinnen, wie ich mit komplexen Sachverhalten umgehe. Die Gestaltung wirkt solide und ich denke darüber nach, wie reparierbar die Drucktechnik ist. Die Art und Weise, wie die Seiten angeordnet sind, erleichtert das Lesen bei intensiver Beschäftigung.
Gut: der allgemeine Ansatz der Idee der "Selbstentfaltung" und seine Anwendung auf aktuelle politische Probleme.Weniger gut:a) Die UNGLAUBLICH HOHE REDUNDANZ innerhalb der ersten vier Kapitel (>50% des Textvolumens)! Für mein Verständnis werden da im wesentlichen nur zwei Ideengruppen entfaltet: die explizite Fokussierung auf den Gegenwartspunkt bei der philosophischen Betrachtung des Zeitbegriffs sowie die Kompression der Darstellung von zu übermittelnder komplexer gedanklicher Inhalte mithilfe der Methode der grafischen Visualisierung.b)
Sprach-basiertes, linear-kausales, bewusstes Denkens erklärt als Philosophie die Welt in erster Näherung, damit Menschen in der Lebenswelt zurechtzukommen. Natürlich steigert die Erweiterung von der sequentiellen Sprache bzw. Zeit auf die flächenhafte oder räumliche Darstellung die mögliche Komplexität vernetzter Zusammenhänge, deren Einzelschritte aber sprachlich beschrieben, weil kommuniziert werden (müssen).Dies sind erste Iterationsschritte zum n-dimensionalen Raum als Vorstellungsform echt komplexer Zusammenhänge (Systeme), in dem durch Differenzen von Differenzen Bedeutungsebenen und Sinn als Zuschreibung von Bedeutung im semantischen Netz - quasi „Spielfeld“ für langsame, bewusste Kommunikation (Kahneman) – erfolgen; sie bilden die Grenzen von „Verstehen“! So weit ist von Müller zuzustimmen.Damit verlässt man aber noch lange nicht die Möglichkeiten naturwissenschaftlicher Modelle, denn man ist noch weit entfernt von der Simulation neuronaler Prozesse, wie sie im menschlichen Gehirn im schnellen, vorbewussten neuronalen System (Kahneman) ablaufen und im Wechselspiel mit den Sensoren und Aktoren des Körpers Bewusstsein, Denken, Sprechen, Simulation von Welt, Empfinden, Planen und Handeln ermöglichen. Der Verstand versucht nur zu erklären, was er phänomenal vorfindet.Wer bereits an dieser Stelle zu Spiritualität und Esoterik abbiegen will, sollte es m. E. zunächst mit Systemtheorie, radikalem Konstruktivismus oder Zeitbegriffen wie bei Julian Barbour versuchen, um bikamerale (Jaynes), gekoppelte Hirnhälften, mit rückgekoppelten, funktional gegliederten Teilsystemen zu verstehen, die zu stabilen Eigenzuständen führen, denen über die „Verkörperung“ eine bewusste Bedeutung zugewiesen wird und die auf höherer Ebene Organismen mit Selbstbewusstsein bilden.In einem solchen Weltmodell „lebt“ der Mensch; es dient als Erklärungsmodell, das zunächst nur dem eigenen System – mehr oder weniger bewusst – zugänglich ist und als Basis für die Kommunikation mit anderen Menschen dient.So versteht sich der Mensch selbst; was aber ist das Neue – oder korrigiert von Müller nur eigene Vorstellungen bzw. Modelle?Der Autor spricht vieles - wie die Relation zwischen Quanten- und Relativitätstheorie – an, springt dabei aber - oft kaum nachvollziehbar - vom Hölzchen zum Stöckchen. Hoch gesteckte Erwartungen werden nicht eingelöst; von Müller bleibt auf der Ebene visuell dargestellter, sprachlich beschriebener Zusammenhänge (VRAs).Er versucht, philosophische Konzepte und naturwissenschaftliche Vorstellungen zu verbinden; das führt aber nicht zu „höheren“, allenfalls didaktischen Einsichten.Stichworte wie „Systemtheorie“ habe ich vermisst; nicht nur hier ist „Luft nach oben“!Ein Buch, das plausibel machen will, wie evolutionäre Systeme durch Anpassung und Überleben „Realität“ – im Sinne des Systems, nicht absolut - zu erfassen versuchen, dabei aber von Voraussetzungen ausgehen (müssen), die in die Irre führen (können) oder methodisch zu eng interpretiert werden: ex falso quodlibet...Allein dies nachzuvollziehen, fordert vom Leser erhebliches Durchhaltevermögen.Die Fragestellung interessiert, das Ergebnis enttäuscht!
Dieses Buch ist ein Beispiel dafür, wie sich ein Autor an seiner eigenen Idee so berauschen kann, dass er gar nicht merkt, dass sie völlig substanzlos ist. Die Bedeutung der grundlegenden Idee wird auch dadurch nicht größer, dass sie fast auf jeder der endlosen 500 Seiten ausgebreitet und wiederholt wird. Die Idee, von der der Autor behauptet, dass sie ein völlig neues Denken ermöglichen und den Menschen auf eine neue Entwicklungsstufe heben wird, besteht in Folgendem:- der neuen Zeitstruktur des Gegenwart-Zeitraums, der die angeblich so überholte lineare Zeit ablösen soll,- der Selbstentfaltung der Welt als grundsätzliches Wirklichkeitsgeschehen- der Konstellativität mit der gegenseitigen Rückwirkung von Teil und Ganzem.Alle 3 Aspekte gehören in den Wissenschaften zu den Grundlagen und sind als „Ereignis, Prozess“, „Evolution, Autopoiese“ und „Umwelt, System“ Stand des Wissens. Dem Autor gelingt es auch mit der hundertsten Wiederholung nicht, darzulegen, was denn jetzt das Neue an seiner Idee sein soll. So ist auch die pathetisch beschworene Vereinheitlichung von Quantenmechanik und Relativitätstheorie völlig substanzlos, da sie nur auf je einem Effekt der beiden Theorien beruht (der Dekohärenz und der Gravitationssingularität), die zufälligerweise in das Gedankengebäude des Autors passen (und dies auch nur, weil der Effekt einer Singularität missinterpretiert wird). Und die als Allheilmittel für alle Denkprobleme gepriesene Komplexitätsbewältigung durch Visualisierung beschert eher Unübersichtlichkeit als Erkenntnisse und ist in den 1970er-Jahren von Frederic Vester schon anschaulicher vorgestellt worden. In den Naturwissenschaften ist der Autor nicht auf der Höhe der Zeit und die politischen Ratschläge sind wirklichkeitsfremd. Dazu fehlen noch das Stichwort- und das Literaturverzeichnis.