Klimawandel, Tierschutz, Umweltverschmutzung… kein Tag vergeht, ohne dass es neue Schreckensmeldungen aus diesen Bereichen gibt, und viele fragen sich, ob und was man tun dagegen tun kann. Kann man überhaupt etwas tun oder sollte man es nicht lieber den Fachleuten/Politikern überlassen, die Welt zu verbessern? Zeina Mourtada und Paul Svensson sagen ja, jede einzelne kann etwas zur Rettung der Erde beitragen. Die Möglichkeiten sind nicht sogleich sichtbar, aber wenn viele etwas tun, passiert auch im Großen mehr. Ihre Antwort findet sich in ihrem Buch „Nachhaltig mit Genuss – Umweltbewusst kochen mit Gemüse, Fisch und Fleisch“.80 klimafreundliche und nachhaltige Rezepte bieten kulinarische Leckereien aus der ganzen Welt und das mit regionalem Gemüse und irgendwie auch nicht nur für Veganer. Ein Kochbuch, das die leckersten Alternativen zu Fleischgerichten bietet, aber eben auch nicht nur vegane Gerichte, und dabei noch durch die regionalen Angebote nachhaltig ist. In der Einleitung beschreiben die Autoren nicht nur ihre Reise durch die Essensangebote der Welt, sie erläutert auch, was ihre Rezepte so außergewöhnlich macht. Es ist die Idee, das „normale“, regionale Gemüse einfach mal auf völlig ungewohnte Weise zuzubereiten. Die Idee hat mich sofort zum ersten Rezept gebracht. Hackfleischsauce zu Nudeln ist ein Favorit unserer Kinder, doch warum nicht einfach mal eine griechische Variante mit anderen Gewürzen probieren? Genial! Klar, kamen auch die Mac Cheese im Bhutan-Stil gut an.Aber zu dem Buch selbst: Nach der Vorstellung der Autoren gibt es einen längeren theoretischen Teil, was man denn nun unter nachhaltigem Kochen versteht. Es geht um Themen wie „Was sollten wird essen?“, „Können Fleisch- oder Fischgerichte möglicherweise auch nachhaltig sein?“ bis hin zu „Verbrauchen, was wir kaufen!“ Wer Abkürzungen liebt, findet am Ende dieses Theorieteils eine Zusammenfassung unter dem Punkt „Kurz gesagt“. Aus meiner Sicht waren jetzt nicht wirklich neue Argumente für mehr Nachhaltigkeit beim Essen dabei, aber ich beschäftige mich nun auch schon eine längere Zeit damit und fühle mich durch die Ausführungen bestätigt, schon auf einem guten Weg zu sein. Für andere, die sich neu mit diesem Thema beschäftigen, kann ich nur empfehlen, diesen Teil nicht zu überspringen, denn er zeigt in einfachen Worten auf, wie wichtig Nachhaltigkeit ist und gibt einen guten Überblick zu dem Thema.Danach folgt der Rezeptteil beginnend mit Alltagsretter, über perfekt kombiniert, Ofenkreationen und Schmorgerichte sowie einige spannende Nachspeisen. Den Abschluss bilden Ideen zur Resteverwertung von über 40 Lebensmitteln. Jedes Rezept ist doppelseitig abgedruckt und beginnt oder endet mit einem großen, einseitigen Foto des Essens, einer kurzen Einleitung zum Beispiel, woraus sich die Idee für das Rezept entwickelt hat, danach folgt die Zutatenliste und die Zubereitung. Es ist eine Reise um die Welt und für jeden Geschmack etwas dabei. Wir haben erst angefangen die ersten Rezepte auszuprobieren, doch unsere Liste mit Neuentdeckungen wird immer länger. Mich hat besonders die Abwechslung der Rezepte angesprochen, die wirklich leicht nachzukochen sind und die Einfachheit der Zutaten, die man in der Regel auch vor Ort kaufen kann. Grundsätzlich sind alle Rezepte familiengerecht. Der vielleicht einzige Kritikpunkt ist, dass eine Aufteilung oder Markierung nach den Saisonzeiten fehlt, obwohl in der Einleitung extra darauf hingewiesen wird, nicht nur regional, sondern auch saisonal zu kochen. Und eine Ergänzung der Gesamtzeit, also Vorbereitung- plus Kochzeit, wäre gut. Ansonsten kann ich dieses Buch absolut empfehlen, da es für jeden geeignet ist. Der Kochanfänger findet genauso einfache Rezepte, wie der Profi, der gerne neue internationale Gerichte ausprobieren möchte. Man wird schnell merken, dass nicht jedes Gericht Tierprodukte enthalten muss, aber es ist halt für alle etwas dabei ganz nach dem persönlichen Geschmack, einfach, gut und lecker und bewusst nachhaltig!
«Heute sind die Produktion und die Nutzung von Kunstdünger für über ein Fünftel sämtlicher Treibhausgase weltweit verantwortlich.»Nachhaltig kochen – was das bedeutet, wird über die ersten 53 Seiten erklärt. Weniger Fleisch und Fisch essen, weniger Milchprodukte und Eier verwenden, regional einkaufen, Bioware auswählen. So weit, so gut. Aber ist denn in allem «bio» drin, wo es draufsteht. Genau das ist die große Frage. Denn auch nicht alles aus dem Biobereich ist nachhaltig. Man weiß es nicht, so die Feststellung in diesem Buch. Dazu hätte ich mir eine bessere Aufklärung gewünscht, denn genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Man weiß es recht genau. Aber gut, das führt hier zu weit. Die Autor:innen führen auch an, was Pestizide, die Düngung von Böden und Monokultur für eine Auswirkung auf Lebensmittel haben – das hat mir gefallen, ebenso der Hinweis auf die Aquakultur von Fisch und Meerestieren, deren Qualität nicht die beste ist. Besser planen und nichts wegwerfen! Nun zu den leckeren Rezepten aus der Weltküche.Im ersten Kapitel werden Gerichte vorgestellt, die ziemlich schnell angerichtet sind, so der Titel. Es beginnt mit einem Shakshuka mit Paprika, Zwiebeln und Wurzelgemüse, bei dem man zunächst Buchweizen im Backofen rösten muss – das ist ein leckeres Rezept, doch es nimmt ca. 80 Min in Anspruch, was bei mir nicht unter schneller Küche läuft. Das europäische Bibimbap ist in kürzerer Zeit gemacht, aber auch recht aufwendig. Thailändischer Hackeintopf; indischer Linseneintopf mit Grillkäse; Beinah Falaffel; Hot Pot express mit Pekingeiern; Schottische Lauchsuppe; vietnamesische Summerrolls; schneller Gemüsewok; Sobannudelsalat usw. – wir sehen, hier wird sich durch die Welt gekocht … Das alles ist geschmackvoll.Weiter geht es mit «Perfekt kombiniert, Gerichte aus der Vorratsküche: Tortellini in brodo; Spaghetti arrabiata mit ‹Unkraut›, die mit Löwenzahn, Rauke, Bärlauch usw. gewürzt werden; Südafrikanischer Gemüseeintopf mit Bohnen; Suppe mit frischen Erbsen und Petersile; Chakalaka, ein südafrikanischer Gemüsetopf mit Bohnen; Borschtsch; Fischcurry mit Tomatensoße von den Salomoninseln; irakischer Linseneintopf usw. Es folgen Ofenkreationen – aromatische Wohlfühlgerichte: Shish Kebab mit veganem Hack, Knoblauchjoghurt und Kartoffeln; Griechische Spanakopita; Kung Pao vom Blech; Blumenkohlkebab; Auberginenrouladen mit Pimiento und Dijonsenf usw. Das nächste Kapitel zeigt Schmorgerichte – geschmacksintensive Sattmacher: Syrische Sommerhackbällchen in Kirschsoße; Rote-Beete-Bourguignon mit Kartoffelpüree; Türkischer Fleischeintopf vom Blech; Blumenkohleintopf im indischen Stil; kubanische Ropa vieja; Brasilianische Linsensuppe mit Kohl (Grünkohl) usw. Am Ende gibt es Süßes: Vegane Brownies; Doppelte Crème Caramel mit Topinambur; Orientalischer Käsekuchen; Apfelstrudel usw.Am Ende gibt es Tipps zur Rettung von Lebensmitteln und ein alphabetisches Rezeptregister. Leider nur das eine Register nach Rezeptnamen. Wie hieß das Rezept? Da die Menüs kreuz und quer gehen, wäre es hilfreich gewesen, ein weiteres Register nach Zutaten anzulegen. So sucht man sich später einen Wolf. Tipp: Rezepte, die ich demnächst ausprobieren möchte, markiere ich mit Post-its, die oben aus dem Buch herauslugen. Die Mengenangaben sind in hellgrau gedruckt, das ist kaum zu lesen beim Kochen – sehr ärgerlich. Zu jedem Rezept gibt es am Anfang des Rezepts einen Kommentar der Köch:innen – so etwas wie ein Tipp. Um zu wissen, wie lange ein Gericht in Anspruch nimmt, benötigt man Kopfrechnen und Kocherfahrung. Es wird keine Gesamtzeit festgelegt. Vorbereitungszeiten selbst errechnen und anderes ebenfalls. Schmoren / kochen bis … das braucht Erfahrung. 30 Min, dann 10 Min usw. Am Ende Kopfrechnen. Soweit hier Mich Sahne, Hackfleisch verwendet wird, ist die vegane Alternative angegeben. Die Gerichte sind aus der Weltküche gegriffen, sehr leckere Variationen. Etwas fehlt mir: Den arabischen Gerichten fehlen die arabischen Gewürze! Koriander, Safran, Nelken, Muskat, Kurkuma, Harissa, Ras el Hanout, Kurkuma, Zimt, Muskat, ordentlich frische Koriander und Minze usw. fehlen gänzlich. Hier gibt es lediglich ein bisschen Paprikapulver und Chilipulver, vielleicht noch Petersilie, selten Koriandersamen, Kreuzkümmel. Das reicht leider nicht für den aromatischen Geschmack – überhaupt, mit Gewürzen wird hier allgemein nicht viel hantiert: Pfeffer, Salz, Paprika, Chili in verschiedener Form. Da muss man selbst nachwürzen. Die asiatischen Gerichte haben in diesem Band mehr Power. Insgesamt ein gutes Kochbuch! Die meisten Speisen verlangen Erfahrung, schon bei der Berechnung der Zeitangaben, die teils recht ungefähr sind. Es braucht ein bisschen Routine mit dem Kochen – somit nichts für Anfänger. Die Menüs sind nicht in 30 Minuten auf den Tisch gebracht und benötigen viele einzelne Zubereitungsschritte. Die Zutaten sind nachhaltig und in jedem gut sortierten Supermarkt zu erhalten.Paul Svensson, schwedischer Gourmet-Chef, Fernsehkoch und Dozent, hat sich schon lange der nachhaltigen Küche verpflichtet. Seit 2014 betreibt er mit Christofer Ekman das Restaurant im Fotografiska in Stockholm, das 2017 zum besten Museumsrestaurant der Welt gekürt wurde. Im Jahr 2019 eröffnete er außerdem zusammen mit Tareq Taylor das komplett nachhaltig operierende Restaurant Paul Taylor in Sundbyberg, dessen Herzstück ein Hofladen ist.Zeina Mourtada, Schwedin mit libanesischen Wurzeln, betreibt den beliebten Blog zeinaskitchen.se, den Instagram-Account Zeinaskitchen mit fast 300.000 Followern und ist häufig im schwedischen Fernsehen zu sehen. Seit 2015 hat sie zahlreiche renommierte Kochpreise gewonnen. Ihre Leidenschaft gilt den unterschiedlichen Aromen der Welt und den Menschen, die das Kochen und Genießen zusammenbringt.