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Dr. Klaus Schwarzfischer
17.06.2023
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Vorneweg: Die Kritik an diesem Buch ist keine Kritik an der Semiotik und ihrer Rolle für den Designer. Als Kommunikations-Designer weiß ich, wie produktiv das Wissen über Semiotik im Alltag sein kann. Das betrifft sowohl das Verständnis der kommunikativen Praxis der Zielgruppen (Wer benutzt welche Codes, um was in welchem Kontext wie auszudrücken? Wer versteht also welche Text-/Bild-Formulierungen und welche eher nicht?) Auch als Kreativitäts-Technik (Heuristik) ist Semiotik sehr gut einsetzbar: Denn wer den Möglichkeits-Raum kennt, kann diesen systematisch als Entwurfs-Matrix nutzen. Das bedeutet, schneller mehr und bessere Entwürfe zu liefern - ohne dabei auf seine persönlichen Marotten und Vorlieben beschränkt zu bleiben. Semiotik macht den Designer-Alltag also besser und analysiert auch nicht alles tot (wie manche fürchten).Das vorliegende Buch von David Crow ist leider für diese Hilfestellungen recht ungeeignet. Denn es ist nur ein Sammelsurium von Zitaten und Bildern, ohne dass sich beides sinnvoll und nachvollziehbar aufeinander beziehen würde. Daher ist es als „Einführung in die Semiotik für Grafik-Designer“ (so der Untertitel) nicht geeignet. Wer vorher nicht weiß, was Semiotik ist und was sie für den Designer an Nützlichem tun kann, wird es hier nicht erfahren. Denn die in loser Folge erscheinenden Text-Schnippsel bilden keine Hinführung. Es ist eher ein freies Assoziieren von intellektuell klingenden Satz-Fragmenten auf Vernissagen-Niveau. Und auch wer sich bereits mit Semiotik beschäftigt hat, wird hier kaum bereichert werden können. Denn es werden keine Kontexte und keine Anregungen zu Querverbindungen oder Vertiefungen gegeben. Zwischenfazit: Weder für Einsteiger noch für fortgeschrittene Leser dürfte das Buch einen Gewinn darstellen.Die Aufmachung des Buches (im A4-Format) kommt erst mal recht opulent daher, so dass man auf einen guten Gegenwert für den Preis spekuliert. Jedoch ist der Brocken nicht so inhaltsreich wie die kiloschwere Ausführung suggeriert: Denn das Papier ist für ein Buch ungewöhnlich dick, so dass es trotzdem nur 191 Seiten hat. Und davon sind einige einfach leer, oder mit nur mit einem einzigen kurzen Absatz bedruckt bzw. einfach nur Bildseiten. Man kann das freie Gestaltung nennen oder man kann auch freches Seitenschinden dazu sagen (zu deutsch: Mogelpackung). Denn auch die ganzseitigen Bilder müssten keineswegs so groß sein, da sie (siehe oben) nicht wirklich informativ sind und auch nicht so detail-lastig, dass man kleiner etwas nicht erkennen würde. Quantitativ ist das Buch, wenn man den tatsächlichen Inhalt in ein normales Layout gießen und auf üblichem Papier drucken, würde die Schwarte zu einem Heft(chen) schrumpfen.Fazit: Weder der Inhalt noch dessen Aufbereitung rechtfertigen den Preis.