Mathias Kruse hat hier eine sorgfältige Übersetzung einer der vielen Vorzeitsagas mitsamt einem profunden Kommentar vorgelegt. Diese Literaturgattung wird in deutschen Sprachraum viel zu selten zugänglich gemacht. Ihre Entstehung wird auf die Zeit um 1300 datiert, die überlieferte Niederschrift auf die Zeit um 1500. Damit befindet sie sich in der Nähe der klassischen Sagas. Der Kommentar ist aufgeteilt in die Anmerkungen zu einzelnen Stellen im Text und dann ausführlicheren Erläuterungen zu den verwendeten Motiven, alles in allem eine sehr verdienstvolle Arbeit, der man viele Nachfolger im gleichen Genre wünscht.Ärgerlich allerdings ist, dass der Verfasser – immerhin ein Philologe – den deutschen Konjunktiv nicht beherrscht. Ein Beispiel von vielen (S. 40): „Hild sagt, dass er Halfdan hieße und der Sohn von König Hring aus Dänemark wäre.“ Das geht gar nicht. Eine indirekte Rede im Isländischen muss als indirekte Rede im Deutschen mit dem Konjunktiv I wiedergegeben werden und nicht mit der Möglichkeitsform, auch wenn die isländische Syntax das anders handhabt. Weder die Universität noch das Lektorat ist hier korrigierend eingeschritten, was ein schlechtes Zeichen ist. Aber da befindet sich der Verfasser in guter – oder besser schlechter Gesellschaft: Die meisten Übersetzungen der klassischen Sagas leiden unter dem gleichen Mangel.