★★★★★
k.A.
29.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist eine interessante Geschichte, aber der Ablauf wirkt etwas unlogisch und die Darstellung des Unfalls ist etwas überzogen. Es ist eine mittelmäßige Lektüre, die man mit etwas Geduld lesen sollte.
Salisbury (Old Sarum) ist der Ort, an dem auf einer bewaldeten Ebene fünf Flüsse in den Avon fließen. Stonehenge ist nur wenige Kilometer von hier entfernt. Als in der Stadt ein Unfall zwischen einem PKw und einem Motorrad passiert, treffen die Lebenslinien der Beteiligten ähnlich aufeinander wie die Zuflüsse des Avon. Außer den Beteiligten des Unfalls gibt es Zeugen und Familienangehörige, aus deren Sicht auf die Ereignisse wie in einem Puzzle mit verdeckten Teilen erst am Ende der Geschichte ein Bild entsteht. Die Personen, die sich früher bereits in diversen Paarungen getroffen haben, erzählen in der Ichform. Nicht immer war mir sofort die Zeitebene klar, ob z. B. „der Junge“ einen heute Jugendlichen meinte oder aus der Jugend einer heute alten Figur erzählte.Betroffen von den Ereignissen sind George, der alte Farmer, der nicht mehr allein leben kann, Rita, die Blumenhändlerin, die früher mit Drogen dealte, Sam, der vom nahenden Krebstod seines Vaters überrascht wird, Alison, deren Mann in irgendeinem Auslandseinsatz der Britischen Armee ist und von dem noch nicht klar ist, ob er die Tagebuch-Aufzeichnungen seiner Frau je zu sehen bekommen wird. Den Rahmen liefert die Erzählerstimme des Romans, ein Mann, der seine Heimatstadt verließ, als Journalist in London nie Fuß fasste und gerade wieder nach Salisbury zurückgekehrt ist. Die Berichte der Figuren sind unterschiedlich gewichtet, abhängig davon, wie viel der Einzelne schon erlebt hat oder was die Person für erzählenswert hält. Subjektiv fand ich, dass Alisons Gedanken sehr viel Raum eingeräumt wurde, denkbar ist jedoch auch, dass die Größe der Puzzlesteine für das Gesamtbild unerheblich ist. Von den Beziehungen zwischen den Erzählenden bewegt sich der Roman in jedem Kapitel zur Betrachtung des Lebens an sich. Es geht um Einsamkeit, die erst auf den zweiten Blick sichtbar wird, um Versäumtes, das nicht mehr veränderbar ist, und immer wieder um die Stadt Salisbury als Bühne für Einzelne, Paare und Familien. Im letzten Kapitel kann man als Leser förmlich mit dem zurückgekehrten Journalisten vom Hügel aus über die Stadt blicken und eigenen Gedanken nachhängen.Durch zwei Todesfälle, die unmittelbar um den Unfall herum stattfinden, habe ich die Handlung zunächst als sehr düster erlebt, Norris‘ Sprachmacht und die Stadt als Kulisse verknüpfter Einzelschicksale konnte mich dennoch überraschend fesseln.
★★★★★
Vanessas Bücherecke
25.06.2024
amazon.de
Klappentext:Eine Floristin, die nebenbei ein bisschen dealt, ein Junge, der sich das erste Mal verliebt, während sein Vater im Sterben liegt, ein verwitweter Farmer, eine Laienschauspielerin und ein Nachtwächter: fünf Menschen, deren Schicksale kollidieren, als es in Salisbury, einer Kleinstadt südwestlich von London, zu einem Autounfall kommt. Angesichts dieses Ereignisses stellen sie sich den großen und kleinen Tragödien ihres Lebens. Barney Norris versammelt hier Figuren, die einem mit ihrer Trauer und ihren Ängsten gefährlich nahe kommen, und verwebt ihre Stimmen zu einem bewegenden Roman, der lange nachwirkt.Meinung:Episodengeschichten faszinieren mich. Man lernt unterschiedliche Menschen und Leben kennen, die durch unterschiedlichste Ereignisse und Konstelationen miteinander verknüpft sind, was sich dem Leser nach und nach entfaltet. Hier sind es 5 Menschen, die jeder für sich unterschiedlich sind und auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Da wäre Rita, die Floristin, die ein unstetes Leben geführt hat und nebenbei dealt. Da ist der 15-jährige Sam, der sich zum ersten Mal verliebt, gerade als sein Vater schwer erkrankt. Da trauert der alte Landwirt um den Verlust seiner Frau und die Soldatengattin verliert sich in ihrer Einsamkeit. Und da ist der Nachtwächter, der an den Ort seiner Kindheit zurück gekehrt ist, um zu sehen, ob das Leben hier noch etwas für ihn bereit hält. All diese Figuren verbindet ein tragischer Unfall, dessen Hintergründe sich nach und nach aufklären.Ich muss zugeben, die ersten paar Seiten waren ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn man darf als Leser direkt die Floristin Rita kennen lernen. Da Rita in der Ich-Perspektive erzählt und einen sehr verrohten Wortschatz hat, fühlte ich mich erst etwas überrumpelt. Doch schnell entfaltete sich eine Faszination für Rita und ihre Geschichte. Und der Roman nahm mich mehr und mehr in seinen Bann. Denn nicht nur Ritas Geschichte berührte mich, auch die Geschichten der anderen Protagonisten gingen mir Nahe. Einzig der Nachtwächter Liam konnte mich nicht ganz so packen, hat er doch nicht ganz so viel zu erzählen und darf den Abschluss des Romans einläuten. Hier hat man dann leider ein wenig den Eindruck, dass der Autor versucht hat, möglichst alle offenen Fragen auf möglichst wenigen Seiten zu beantworten. So bekommt das Ende des Romans leider etwas Gehetztes und wirkt dadurch nicht mehr ganz so rund, wie die ersten 300 Seiten dieses Werks.Trotzdem hat mir dieser Roman mit seiner Vielzahl an Themen, wie Verlust, Trauer und Angst, sowie der berührende und fesselnde Schreibstil, übersetzt von Johann Christoph Maass, sehr gut gefallen. Barney Norris zeichnet ein schönes Bild über die Stadt Salisbury, seine Figuren und Szenen. Die einzelnen Schicksale sind schön und gekonnt miteinander verknüpft, so das gerade das Zusammensetzen der einzelnen Ereignisse und Schicksale mit dafür sorgt, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.Fazit:Hier treffen sich fünf Flüsse wäre fast zu einem Lesehighlight für mich geworden, wäre das Ende und vor allem der letzte Protagonist etwas anders ausgearbeitet gewesen. Doch nichtsdestotrotz hat das Buch eine tolle, einfühlsame Geschichte mit Charakteren, die mich tief bewegt haben.Von mir gibt es 4,5 von 5 Punkten.Vielen Dank an den DuMont Buchverlag für das Rezensionsexemplar.
Barney Norris, 1987 in Sussex geboren, ist ein gefeierter englischer Theaterautor. „Hier treffen sich fünf Flüsse“ ist sein Debütroman. Fünf Flüsse kreuzen sich in Salisbury, einer Kleinstadt in der Nähe von London. In Barney Norris Roman sind es fünf Lebensläufe, die hier aufeinandertreffen. Bei einem Autounfall, ein Mann fährt eine Frau auf einem Motorrad an und drei Menschen schauen zu, kollidieren fünf Schicksale. Ein Schuljunge, eine Floristin, ein Nachtwächter, ein verwitweter Farmer und die Frau eines Offiziers im Auslandeinsatz erzählen aus ihrem Leben. Sie schildern ihre Ängste und Nöte, erzählen von ihren großen und kleinen Tragödien, berichten von ihren Hoffnungen, Träumen und Sehnsüchten. Das ist alles literarisch ordentlich umgesetzt. Ein ganz großer Wurf ist dieser Roman nicht. Mitunter schrammt der Text gefährlich nah am Kitsch. Das Buch ist zudem etwas arg konstruiert. Ein bisschen weniger Theatralik hätte dem Roman gut getan. Auch ist die Handlung von „Hier treffen sich fünf Flüsse“ nicht wirklich neu. Der Autor hat Talent, keine Frage. Aber so richtig Freude macht sein Debüt nicht.