Möchte nicht auf den Inhalt näher eingehen, Mariana Leky besticht in all ihren Büchern durch Sprachgewalt und Bildreichtum, die den Leser, so dieser sich darauf einlassen kann, von der ersten Seite bis zur letzten mitnimmt. Schön, dass man unter all den vielen miesen Muscheln im Meer der Neuerscheinungen noch solche Perlen finden kann
Die Heldin dieses eigenartigen Romans ist eine eigenartige, eigenwillige Frau. Die allgemein eher etwas unschlüssige Übersetzerin Katja Wiesberg trifft Jakob, der ihr neuer Zahnarzt ist, aber ein so ganz anderer Zahnarzt als die anderen vorher. Wenn man sich nach dem ungewöhnlich sensiblen Vorgespräch mit dem sympathischen und attraktiven Mann auf seinem Zahnarztstuhl niedergelassen hat und den Kopf anlehnt, kann man ein Schild lesen, das an der Decke des Behandlungsraums hängt: „Alles wird gut“ steht da.Wird es aber nicht. Jakob und Katja werden zwar bald ein ziemlich glückliches Paar und heiraten sogar, aber das Zusammenwohnen ist Jakobs Sache nicht (er zeltet lieber im Garten). Und auch die Treue, wie sich bald herausstellt. Er trifft die hübsche und etwas jüngere Alina, aber bevor dann noch Scheidung und ähnliche Katastrophen folgen, beendet ein Verkehrsunfallverursacher Jakobs Leben. Und Katjas Ehe. Und eigentlich alles andere auch.Bis dahin liest sich „Die Herrenausstatterin“ einfach genial, folgt ein brillanter, unglaublich humorvoller, nachgerade weiser Satz dem anderen, ist es ein unfassbarer Spaß, ein fulminantes Vergnügen, diese eigentlich unspektakuläre Geschichte zu lesen. Dann ist Jakob tot und Katja kommt nicht mehr so recht aus den Puschen. Evylin, die Kollegin und beste Freundin, geht mit ihrem Psychiater auf Weltreise, und Bengt, der gemeinsame Chef, gibt Katja Langzeiturlaub. Dann tauchen erst Blank und später Armin in ihrer Wohnung auf. Blank war Anfang sechzig, ist seit kurzer Zeit tot und kann nur von Katja gesehen werden, aber Armin ist jung und lebendig - und behauptet, Feuerwehrmann zu sein, was Katja aber nicht ganz glauben kann. Die beiden Männer werden jedenfalls ihre ständigen Begleiter auf dem Weg zurück ins Leben, und während Blank langsam schwindet, entsteht unerwartet Neues.Dieser zweite Teil ist ebenfalls sehr originell und sprachlich mehr als überzeugend, aber auch etwas gedehnt und überbemüht. Nicht jede Idee scheint der Geschichte zu dienen, sondern soll eher das Ende aufhalten, etwa der Trip nach Eindhoven und Armins Begegnung mit Ralph McQuincey, einem Karatefilmdarsteller aus den Achtzigern. Die hohe Dichte der ersten Seiten verflüssigt sich in Richtung Schluss immer mehr, wechselt beinahe ins Gasförmige. Und das fühlt sich leider an, als wolle die Autorin der Frage nach dem Warum auf diese Weise ausweichen.Bleibt eine toll erzählte, unkonventionelle Geschichte, die ab der Mitte zwar etwas versandet, aber unterm Strich immer noch prachtvoll unterhält, weil so viel Energie vom Anfang übrig ist.