★★★★★
k.A.
30.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch bietet eine interessante und nachdenkliche Betrachtung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, obwohl ich mir etwas mehr Tiefe in einigen Aspekten gewünscht hätte. Es ist eine gute Lektüre für alle, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen wollen.
★★★★★
Fokke Wiehlfs (Alias)
13.04.2024
amazon.de
Es gibt immer einen Haken. Das neue Buch von Jan Brandt ist gespickt von Beispielen dafür. Allerdings sind nicht alle so offensichtlich wie Ratten in Treppenhäusern von verkommenden Mietshäusern, bekiffte und nachtlaute Nachbarn oder gierige Vermieter. Mancher Haken steckt verborgen in Gedankengängen, die zu irrationalem Verhalten führen.Es ist erfrischend und witzig, tragisch und komisch, teils verschroben und verwoben, aber nie langweilig, wie Jan Brandt seine Lehr- und Wanderjahre beschreibt. Aufgeteilt in zwei Bücher, die sich vordergründig um Immobilien zu drehen scheinen, in denen sich aber ganze (Lebens-) Welten drehen. Vergangene wie aktuelle.Im Buchteil „Ein Haus auf dem Land“ ist Jan Brandt (wieder) gegen die Welt unterwegs. Diese Welt hat sich verschworen, ein Symbol für eine untergegangene dörfliche Kultur bzw. vergangenes „Standing“ einer Familie abzureißen: Das wuchtige Haus von Jan Brandt, dem Urgroßvater des Autoren. Hier kann man nur den Hut ziehen, wie Brandt transparent die höchst persönlichen, durchaus sympathischen, aber erkennbar zum Scheitern verurteilten Rettungsversuche beschreibt. Irrungen und Wirrungen. Suchen und Finden. Sackgassen und Holwege. Spinnen und Spinner.Im zweiten Teil des Buchs (abhängig davon, mit welcher Buchseite man zu lesen beginnt) mit dem Titel „Eine Wohnung in der Stadt“, kämpft die Welt in Form des Immobilienmarkts in der Stadt Berlin gegen Jan Brandt. Und er droht, ihr zu unterliegen. Die Schilderungen von verzweifelter Wohnungssuche mit hunderten Interessenten für eine und dieselbe Wohnung sind beklemmend, ironisch, aber nie bitter. Sie zeigen aber zugleich erbarmungslos das Versagen der Politik in der Bundeshauptstadt Berlin wie auch die Gier der Immobilienbesitzer. Brandt muss nicht einmal den moralischen Zeigefinger ausrichten, die plastischen Beschreibungen wirken selbst, mächtig.Im einen Buchteil gibt es eine Art happy end, im anderen zumindest gefühlt nicht. Oder ist es umgekehrt?Das neue Doppelbuch von Jan Brandt sorgt in jedem Fall für ein großes Lesevergnügen. Es ist ein Genuss, einem echten Geschichtenerzähler zu folgen. Vor allem, wenn die Geschichten mitten aus dem (eigenen) Leben gegriffen sind. Deshalb gilt: Es gibt beim Kauf des Buchs keinen Haken. Ehrenwort.
Zugegeben: ich hatte anfangs (im ersten Stadt-Teil) große Schwierigkeiten, an dem Buch dranzubleiben und es nicht abzubrechen. Es kam mir zu jugendlich und nerdig vor, wie eine mit ein paar Google-Recherchen aufpolierte Reportage von einem verklemmten Landei, das sich für etwas besseres hält oder als etwas besseres gelten will, und daher in die Stadt aufbricht und dort dann kläglich auf sich zurückgeworfen wird und ständig zu scheitern droht und an sich selbst zweifelt. Die Episoden der Wohnungssuche sind leider der normale alltägliche Wahnsinn und nicht wirklich lohnend.Mit den zweiten Land-Teil, wendet sich für mich jedoch das Blatt. Hier begann ich Jan Brandt zu verstehen und zu schätzen. Toll, wie er die Enge des Dorflebens und Reflektionsprozesse und Erkenntnisse rund um Herkunft schildert. So wie er die Provinz des Dorfes einfach nicht loswerden kann, sondern als Teil seiner Person anzunehmen lernt, so emanzipiert er sich vom etwas gewollten Künstler-Dasein und wird für mich zu einem "normalen durchschnittlichen" Menschen, der halt mit Schreiben sein Geld verdient. Dieses Sich-Eingestehen des eigenen Mittelmaßes ist die eiegntlich Größe!Die Wohnungsthematik ist dabei das Bindglied, insgesamt eine gelungene Mischung aus gesellschaftlicher Lagebeschreibung und persönlicher autobiographischer Entwicklung und Findung.
Der erste Teil startet schön, man schüttelt den Kopf über den Irrsinn, städtische Wohnungen zu verschachern. Die Zeche zahlen heute die Bürger Berlins. Im verlauf aber dann wir die Ich-Bezogenheit des Autors doch nervig und niemals endend: Egozentrik hoch zehn. Die Engländer nennen das wohl "entitlement thinking": ich, ich, ich.... bin berechtigt alleine im 90qm Stuck- Altbau zu hausen. Aus Stuck wird nicht Stuss, aber es zieht sich.Der zweite Teil ist deutlich besser und man begreift den berechtigten Furor des Autors.