Murdo Maxwell war nicht nur Rechtsanwalt und Umweltaktivist, sondern auch ein einflussreicher Berater der schottischen Regierung. Vor zehn Jahren wurde er in seinem Landhaus in Appin erschlagen. Sein junger Liebhaber James Stewart wurde mit seinem Blut an den Händen bewusstlos am Tatort aufgefunden. James wurde für schuldig am Mord von Maxwell befunden und sitzt seitdem im Gefängnis. Doch nun liegen neue Beweise vor. Ist James womöglich unschuldig? Journalistin Rebecca Connolly, die für die Highland News Agency tätig ist, geht dieser Story zusammen mit ihrem Fotografen Chaz Wymark nach.Das Unrecht von Inverness ist nach den Toten von Thunder Bay und dem Grab in den Highlands bereits der dritte Band der Rebecca-Connolly-Reihe. Auch wenn ich die beiden vorigen Krimis nicht kannte, so habe ich doch gut in diesen hineingefunden. Denn Douglas Skelton lässt aus den Vorgänger-Krimis relevante Hintergrundinformationen nebenher mit einfließen. So wird etwa zu Beginn die Zeit, in der Rebecca noch beim Highland Chronicle beschäftigt gewesen ist, kurz angerissen und auch ihr in diese Zeit fallendes Aufeinandertreffen mit Finbar Dalgliesh, dem Anführer der Geist der Gälen Gruppierung, erwähnt. Zudem habe ich von Rebeccas Beziehung zu Mo Burke erfahren, die die kriminellen Geschäfte ihres Mannes übernommen hat, solange dieser im Gefängnis ist. Da wegen Rebecca einer von Mos Söhnen einsitzt und der andere tot ist, hat sie noch eine offene Rechnung mit ihr.An diesem Krimi hat mir die interessante Perspektive der Protagonistin gefallen. Indem der Autor keinen Polizisten oder Detektiv in den Mittelpunkt stellt, sondern eine Journalistin, ergibt sich ein ungewöhnlicher Hergang für die Ermittlung. Denn Rebecca ist eine Reporterin, die ihrer Story nachgeht. In Kombination mit dem ruhigen Erzähltempo erzeugt der Autor eine besondere Atmosphäre, die im weiteren Verlauf an emotionaler Intensität gewinnt (ohne zu spoilern: die Szene mit dem Kuscheltier).Dass die Figuren ambivalenter angelegt sind, was insbesondere die Nebenfiguren betrifft und sogar die Antagonisten mit einschließt, mochte ich. Hauptfigur Rebecca besitzt einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, hat aber auch mit den dunklen Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Der durch und durch unsympathische Finbar Dalgliesh pflegt gänzlich unerwartete Freundschaften. Das ehemalige Model Afua Stewart, das die Mutter des womöglich zu Unrecht wegen Mordes verurteilten James ist, unterkühlt zu nennen, wäre eine Untertreibung. Afua sieht jedoch in der durch die Sexuaität und Hautfarbe ihres Sohnes bedingten Vorverurteilung der Presse die Ursache für seine Gefängnisstrafe. Afuas abweisende Haltung gegenüber allen, die ihr nun nach zehn langen Jahren doch helfen wollen, wird jedoch nachvollziehbar durch das, was sie zuvor durchgemacht hat.An Komplexität gewinnt dieser Krimi durch dessen abwechslungsreiche Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven, die neben der Sicht von Rebecca etwa auch die Sicht von Detective Chief Inspector Val Roach, der ermittelnden Polizistin, des Kriminellen Malky Reid sowie eines namenlosen Gefängnisinsassen umfassen, sowie durch dessen zweite Zeitebene. Diese ist im Jahr 1755 angesiedelt, als James Stewart zu Unrecht als Mörder und Verräter hingerichtet wurde. Die Grausamkeit hatte damit aber noch nicht ihr Ende, da seine Überreste so lange zur Schau gestellt wurden, bis nur noch die Knochen seines Skeletts im Wind klapperten. Und der soziale Aktivist Tom Muir, der von Afua über den Fall ihres Sohnes unterrichtet wurde, setzt sich für diesen ein, indem er die Namensgleichheit der beiden James Stewarts nutzt, um auf den Fall in der Gegenwart aufmerksam zu machen.Dieser Krimi, in dessen Verlauf ich einiges über die schottischen Highlands gelernt habe, von denen mir zuvor nur Loch Ness bekannt gewesen ist, endet mit einem Knaller. Denn das Finale ist temporeich, von Nahkämpfen und Schießereien geprägt und mündet in für mich recht unerwartete Tote. Der Effekt dieses Finales wäre aber noch intensiver ausgefallen, wenn ich einen entscheidenden Teil der Auflösung nicht früh vermutet hätte. Dem kurz vor Schluss erfolgenden Twist, den der Autor aus der cleveren Konstruktion seines Krimis zieht, ist dann aber leider auch geschuldet, dass ich zumindest über einen wesentlichen Beteiligten und dessen Motivation eher wenig erfahren habe. Da mich seine Sicht auf die gegenwärtigen wie vergangenen Ereignisse sehr interessiert hätte, hoffe ich, zumindest im nächsten Band der Rebecca-Connolly-Reihe mehr von ihm zu hören. So wie in diesem Krimi zumindest am Rande auch Mo Burke und Finbar Dalgliesh aufgetreten sind.
meiner Meinung nach. Protagonistin nicht wie ansonsten üblich ein/e "Kommissar/Kommissarin, sondern eine junge, engagierte Journalistin, nämlich Rebecca Connolly. Bei ihren Chefs nicht sehr beliebt, da sie ihre eigene Art hat Recherchen voranzutreiben und von chefmäßigen Vorgaben gar nichts hält. Doch mit Zielstrebigkeit, Einsatzfreunde und guten Instinkten kommt sie dennoch den best gehüteten Geheimnissen auf die Spur . Auch die Zusammenarbeit mit der toughen Kriminalkommissarin Val gelingt letztlich irgendwie und der Mörder kann mehr oder weniger zur Rechenschaft gezogen werden.Fazit: Gut lesbare Kriminalgeschichte mit schottischem Hintergrund und sympatischer Protagonistin
Das tun sie im Originaltitel dieses Buches. Bei der Übersetzung ins Deutsche wählte der Verlag dagegen einen eher sachlichen Titel. Vielleicht hatte man dabei einen ähnlichen Eindruck wie ich: Die Verbindung zur schottischen Geschichte in diesem Buch dient eher der Folklore und erscheint ein wenig weit hergeholt.1755 hing in den schottischen Highlands ein Knochengerippe am Galgen, bewacht von englischen Soldaten und der Abschreckung dienend. Der Mensch, zu dem diese Knochen gehörten, hieß James Stewart. Die Engländer ließen ihn einfach am Galgen hängen bis nur noch Knochen übrig waren. Am unschuldigen Stewart exekutierten die kultivierten Engländer einst ein Exempel. Und in der schottischen Gegenwart sitzt ein Namensvetter wegen eines angeblichen Mordes im Knast. Zehn Jahre schon. Warum sich Douglas Skelton auf den erhängten Stewart beruft, um einen Kriminalroman zu verfassen, der mit der schottischen Geschichte nichts zu tun hat, bleibt sein Geheimnis. Oder anders gesagt: Dieser Versuch, bedeutsam oder mystisch zu sein, wirkt eher albern.Der gegenwärtige Stewart sitzt ein, weil er angeblich seinen Liebhaber mit einem Schürhaken erschlagen haben soll. Die Beweise schienen eindeutig, doch Stewart beteuerte stets seine Unschuld. Und nun plötzlich taucht ein totkranker Kleinkrimineller auf und beteuert bei einem Anwalt, dass er es war, der mit dem Schürhaken zuschlug. Inzwischen verstorben, nützt seine eidesstattliche Aussage für eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht viel. Es braucht mehr. Und es braucht Rebecca Connolly, die unerschütterliche Journalistin eines Lokalblattes.Beworben wird dieser Krimi mit Aussagen realer Journalisten, die ihn für fesselnd hielten und schwarzen Humor in ihm entdeckten. Ob diese Vertreter einer zwielichtigen Zunft es mit der Wahrheit so genau nehmen wie Connolly, sei einmal dahingestellt. Schwarzer Humor ist mir in diesem Buch nicht aufgefallen. Und fesselnd ist der Roman auch nicht, wenngleich das sicher eine subjektive Wahrnehmung ist. Wenn andere Journalisten befinden, das Buch sei gute Literatur, mögen sie recht haben. Aber gute Literatur und ein Kriminalfall passen nicht oft zusammen, meist raubt das Gute an der Literatur selbiger die Spannung. Das ist auch hier nicht anders.Der Leser weiß von Anfang an, dass Stewart Unrecht geschehen ist, schließlich steht das schon im Titel. Wer also war dann der Täter? Darum kreist nun die gesamte reichlich komplexe Handlung. Connolly besucht im Zusammenhang mit ihren "Ermittlungen" verschiedene Leute und schreibt provokative Artikel in ihrem Lokalblatt, was wiederum andere nervös macht. Ihre Interviewpartner sind alle sehr gesprächig, was langsam die Gruppe möglicher Täter einkreist. Aus der Klasse der lokalen Eliten kommen abwehrende Signale und Reaktionen. Und natürlich spielen auch die schottischen Populisten bei Skelton wieder eine Rolle, schließlich durchziehen sie traditionell seine Romane.Am Ende ist man nicht mehr überrascht, auch wenn man es sein sollte. Und ja, auch dieses Buch ist kein typischer Krimi, denn er besitzt ein gewisses literarisches Niveau. Aber ehrlich gesagt macht ihn das nicht unbedingt spannend. Vielmehr ermüdet es ein wenig. Was bleibt, ist ein zwiespältiger Eindruck. Nicht schlecht, aber auch kein Buch, das man lange in Erinnerung behält.