★★★★★
k.A.
02.08.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein absolut faszinierendes und tiefgründiges Werk, das mich zum Nachdenken anregt. Die Auseinandersetzung mit den Themen ist meisterhaft und sehr fesselnd.
Hier wurde ein hübsches Bändchen von Houellebecqs Texten zusammengestellt. Ich habe bis jetzt jeden Zentimeter von seiner Literatur gelesen und werde auch in 4 Wochen seinen neuen Roman "KARTE UND GEBIET" freudig erwarten.Meine Rezension fällt positiv aus. Ich lasse mich auf die Anregungen, Stellungnahmen und Witze des Autoren ein, ohne mich zu verkrampfen bzw. zu erbrechen. Wer diese Artikel verreißt, der hatte vielleicht keine Lust, sich auf etwas Philosophisches für zwischendurch zu begeistern.Houellebecq schreibt über Pädophile & Medien, über Feminismus, Neil Young ("Die elektrische Gitarre führt durch seltsame Landschaften, schreckenerregend und sublim"). Über Sexualität und den Westen. Er hat mehr Weitblick und auch mehr Güte als die Menschen, die ihn nicht verstehen.Im Grunde seines Herzens ist er ein Romantiker. Ein großer Romantiker, ein etwas versteckter und andeutender Romantiker. Es besteht gerade für den Leser die Kunst, dort wo man das Romantische und hollywoodeske vermisst, es durch die schwarz-weiß-Brille zu vermuten.Es gibt sicher eine Reihe von Autoren, die intelligenter und anständiger sind. Aber keiner trifft den Nerv des kleinen Mannes so wie er.Ihm gelingt es, das Elementare (Sex und andere "primitive" Sachen :-) ), mit dem Wissenschaftlichen zu verbinden. Seine Romane und Essays enthalten eine buntere Kombination von gegensätzlichen Bausteinen, als die Bestsellerautoren.Ich denke, er ist ein ungefährlicher Prophet, dazu muss er ein Außenseiter sein. Im Grunde sind alle Contras ein Pro für ihn, untermauern das Propheten-Dasein.Siehe: "Und wahrscheinlich ist es angenehmer, beschimpft zu werden, als ignoriert" (S. 88).Ich denke, er ist selbstbewusster und euphorischer geworden, gegenüber den frühen Episoden vor 2000.Ich hatte erst keinen Bock, dieses Buch zu kaufen, aber jetzt bin ich über meinen Schatten gesprungen, und habe es schnell und gut gelaunt durchgearbeitet und sogar einiges bunt markiert mit meinem Textmarker.Danke Houellbecq!
Michel Houellebecq ist wohl der Inbegriff des Skandalautors des letzten Jahrzehnts. Nur selten kann er ein Buch veröffentlichen ohne danach in Frankreich verklagt zu werden. Er polarisiert stark, wird gehasst und geliebt. Nun hat Dumont eine Übersetzung einiger Essays und Interviews herausgebracht. Der Untertitel "Neue Interventionen" ist dabei etwas verwirrend. Vielmehr sind es Texte, die zwischen 1997 und 2008 entstanden sind. Der kleine Band ist daher eher eine Rekapitulation der Debatten mit und um Houellebecq seit dem er im Blick des öffentlichen Interesses steht.Das 110-seitige Hardcover-Büchlein vereint 13 Texte aller Art: Artikel, Essays, Interviews, Gespräche. Dabei wird so ziemlich jedes Interesse Houellebecqs angesprochen. Natürlich sind auch eine Menge Äußerungen von ihm zu den vielen Debatten, die seine Texte ausgelöst haben, zu finden. Im Anhang finden sich Anmerkungen mit Belegstellen zu diversen Bezügen auf andere Autoren, Zeitungsartikel etc."Ich habe einen Traum - Neue Interventionen" stellt zweifelsohne eine interessante Zusammenstellung Houellebecqscher Texte und Aussagen dar. Wer mehr über den wissenschaftlichen und philosophischen Hintergrund des Autors wissen will, wird sicher viel Interessantes finden. Da der Autor selbst Theorie und Wissenschaft als Basis seiner Romane und Geschichten nutzt, hat er natürlich auch viel in Form von Sachtexten zu sagen.Dabei kommt ein oft verstörendes, aber doch originelles Weltbild an den Tag. Houellebecq ist Positivist, sozialkritisch und dennoch konservativ. Sein Bild der Zukunft ist sowohl utopisch als auch pessimistisch. Es verwundert vor diesem Hintergrund nicht, dass er in den letzten Jahren seinen Weg zu einer Science-Fiction-Literatur gefunden hat, in der die Menschheit schließlich ihr Heil unter anderem im Klonen findet und damit ein Maß an Zufriedenheit erreicht, welches sie weder übertreffen kann noch es versuchen sollte. Einer Realität, der er ein Zuviel an Begierden unterstellt, stellt er eine Utopie mit einem Minimum an Begierden entgegen.Dies ist sicher eine Kontinuität in seinem Werk. Eine weitere ist sein sehr dogmatischer und auch platter Positivismus. Houellebecq glaubt an die empirischen Wissenschaften, stellt ihren Selbstanspruch eine objektive Wahrheit zu produzieren nicht in Frage. Jeglicher Kritik linksgerichteter Intellektueller und Sozialwissenschaftler am Positivismus stellt er als dumm und unberechtigt dar. Hier werden dem Leser erste Breschen ins Lesevergnügen geschlagen. Der Autor begründet insbesondere dann nicht oder wenig, wenn er mit ihm unliebsamen Weltbildern abrechnet, dafür behauptet er um so mehr und bewertet mit harten Worten. Diese Arroganz hat Houellebeqc stets genutzt. Sie steigerte die Polarisierung um seine Person und damit sicher auch seine Verkaufszahlen. Aber ein Leser mit etwas Abstand fragt sich doch, welchen Nutzen hat es, sich mit ihm auseinander zu setzen, wenn er selbst zu häufig reine Polemik mit Argumentieren verwechselt.Jegliches Verständnis für den Autor verliert der Leser schließlich, wenn er sich die Texte vornimmt, in denen auf die häufig harten Angriffe auf Houellebeqc eingegangen wird. Seine berühmte Aussage, der Islam sei die dümmste aller Religionen, ist dafür das beste Beispiel. Er äußert Unverständnis, dass diese Aussage zu intellektueller Massenentrüstung in Frankreich führte und erklärt, er habe nun mal Recht mit diesem Satz. Oft fragt sich der Leser, ob die Zusammenstellung der Texte vielleicht nur lückenhaft ist und Houellebeqc seine oft anscheinend rein provokativen Aussagen an anderer Stelle auch fundierter begründet hat. In diesem Band finden sich zumindest keine befriedigenden Erklärungen, sondern nur Unverständnis und Auslassungen gegen seine Kritiker.Allerdings sollte auch darauf Aufmerksam gemacht werden, dass die Texte in ihrer chronologischen Reihenfolge an Schärfe und Spott abnehmen. Die Texte werden sachlicher, weniger anmaßend, in Houellebeqcs Fall müsste man vielleicht sogar sagen, versöhnlich. Der Band verdeutlicht daher auch die Entwicklung des Autors. Es sollte ihm also nicht ohne Weiteres vorgeworfen werden, jede noch so provokative Aussage von vor einigen Jahren auch heute noch so zu meinen. Auch Skandalautoren werden erwachsen.Der Band zeigt auf, dass Houellebeqc vielleicht intellektuell überbewertet ist. Sein Weltbild mag originell sein, dessen philosophische Basis ist aber recht dünn. Daher sollte der Band weniger als das Werk eines großen Denkers unserer Zeit betrachtet werden, vielmehr als eine Einführung in das Weltbild eines unbestritten guten Romanautors. Wer Houellebeqcs Romane mag, sollte als Hintergrund auch dieses Bändchen interessant finden. Mehr leistet es nicht.