★★★★★
k.A.
21.06.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist in einem guten Zustand und die Geschichte ist sehr fesselnd, allerdings sind die Seiten etwas vergilbt.
Sie wollten das Licht Marokkos beseitigen, und müssen dafür zwanzig Jahre Kerkerhaft ohne Licht erdulden. In kompletter Dunkelheit, vergessen von der Welt, Krankheiten und beginnendem Wahnsinn überlassen beginnen die Menschen, sich einen Tagesablauf zu organisieren, um zu überleben. Am Ende werden dennoch die meisten von ihnen vom Tod dahingerafft. - Tahar Ben Jelloun, der führende frankophile Autor des Maghreb, verleiht einem Überlebenden seine Stimme, berichtet ohne jegliches Pathos von den unvorstellbaren Leiden: wie sich die Menschen bei bohrenden Zahnschmerzen die Zähne selbst herausreißen, wie sie bei lebendigem Leib von Würmern und Kakerlaken aufgefressen werden, aber auch von Wonnestunden beim gemeinsamen Geschichtenerzählen oder den Gesang eines Spatzes, der sich in ihr Verließ verirrt hat. Dass sich Ben Jelloun für sein Werk am Ende Doppelmoral vorwerfen lassen mußte, er habe mit den Machthabern paktiert, ist traurige Ironie des Schicksals.
Tahar Ben Jelloun ist es gelungen, ein in mehrfacher Hinsicht spannendes und eindrückliches Werk zu schaffen, das hilft, auf mehreren Ebenen das Unfassbare zu verstehen. Zunächst ist da die ganz handfeste Ebene der Ereignisse in Marokko, das Erleben und Überleben grausamster Unterdrückung, so eindrücklich beschrieben, dass es den Leser gleichsam mit gefangen nimmt. Ein Plädoyer für die Achtung der Menschenrechte. Indem der Leser jedoch hineingenommen wird in das Erleben des Ich-Erzählers, eröffnet das Buch auch noch zwei weitere Ebenen des Verstehens, eine psychische wie auch eine spirituelle Ebene. So kann das Buch zunächst, indem es das tiefe Gefühl der Ohnmacht in Worte fasst und begreifbar macht, sowohl für Menschen, die selbst traumatische Erfahrungen gemacht haben, als auch für diejenigen, die sie als Angehörige oder professionell begleiten, eine große Unterstützung sein. Und schließlich berührt das Buch immer wieder auch die Ebene dessen, was die bloße Existenz übersteigt. Ein in vielfacher Hinsicht besonderes Werk.
In der Folge des gescheiterteten Putsches von Skhirat gegen König Hassan II. im Jahr 1971 wird im marokkanischen Tazmamart ein Gefangenenlager geschaffen. 58 Offiziere werden in teilweise unterirdischen Zellen, welche nicht einmal mannshoch sind, bei mangelhafter Verpflegung und fehlender ärztlicher Versorgung in unmenschlichsten Bedingungen über 20 Jahre lang gefangen gehalten. Tahat Ben Jelloun schildert aus der Perspektive eines Gefangenen das jahrzehntelange Dahinsiechen und Sterben im Verlies von Tazmamart und gibt damit den Opfern dieser grausamen Bestrafung und der himmelschreienden Menschenrechtsverletzungen Sprache und Gesicht.Tahar Ben Jelloun hat ein enorm wichtiges Buch zur marokkanischen Vergangenheitsbewältigung geschaffen, welches den Leser von der ersten Minute an fesselt und bedrückt. Beeindruckend sind die Schilderungen des menschlichen Leidens aber auch der Gegenstrategien mit denen die Inhaftierten auf psychischer Ebene dem Elend zu entkommen versuchen. Taher Ben Jelloun zeigt den Wert des Lebens selbst am dunklesten Ort der Erde und lässt den Leser nicht nur am Leid sondern auch am erlebten kleinen Glück der Häftlinge in Form von Gesprächen oder Vogelgezwitscher teilhaben.