★★★★★
siegfried ellmauer
20.06.2023
amazon.de
Mit Wehmut wird man zu Erinnerung an die nach dem 2. Weltkrieg in der kommunistischen Ära der Tschechoslowakischen Republik bis in die 1950er Jahre zerstörten fast 300 Dörfer im Grenzland zu Österreich und Bayern durch den Bildband gemahnt. Dieses Bau- und Kulturerbe der heimatvertriebenen, deutschsprachigen Bewohner des Böhmerwaldes ist durch die Unvernunft der herrschenden politischen Systeme des 20. Jahrhunderts vielerorts unwiederbringlich ausgelöscht worden. Der deutsch-schweizerische Historiker, Publizist und Schriftsteller Golo Mann betrachtete die „Ereignisse und Entscheidungen in Böhmen zwischen 1939 und 1947 rückblickend als eine einzige Unglücksmasse, als eine Kette böser Aktionen und böser Reaktionen. Für die aus der Heimat vertriebenen Böhmerwäldler ist das Stifterdenkmal am Plöckensteiner See zum Symbol ihrer verlorenen Heimat geworden.
Der Autor beschäftigt sich in der Einleitung mit der Frage, ob Slawen oder Germanen die ersten waren, die den kargen Böhmerwald erstmals besiedelten. Doch diese akademische Frage spielt keine Rolle für die Bewertung der traurigen Geschehnisse des 20. Jahrhunderts. Selbstverständlich war die Vertreibung der Deuschböhmen Unrecht, doch Fink negiert den Umstand, das die Mehrheit dieser Leute mit Hitler sympathisierten und der Zwischenkriegs-Tschechoslowakei keine Chance gaben.Die Zerstörung vieler Dörfer geschah nicht als "Rache" der Tschechen, sondern weil der Grenzstreifen am Eisernen Vorhang geräumt werden musste. Das war eine Vorgabe der Sowjets.Das Werk ist eine Bild-Dokumentation des geschehenen, doch eine halbwegs objektive Aufarbeitung der Geschichte unterbleibt. Als Nachfahre von Böhmerwäldlern liest man dieses Buch mit Irritation und bekommt fast Depressionen ob dieser ganzen tristen Ruinen-Bilder. Dem Buch fehlt etwas!
Die Suche nach den deutschen Bezeichnungen der Orte fällt sehr schwer. Als Nachgeborener sehe ich bei Besuchen im Sudetenland nur die heutigen tschechischen Namen. Das Buch enthält im Ortsregister jedoch ausschließlich die früheren deutschen Namen. Um den früheren deutschen Namen zu finden, muß ich mich eines anderen Reiseführers bedienen, dessen Register die Bezeichnungen in beiden Sprachen enthält. Die gezeigten zerstörten Häuser wären nur noch für die jetzt wohl nicht mehr lebende Generation von Interesse. Hilfreicher wäre es, wenn es Ortspläne und dazu Lagepläne gäbe, um zu sehen, wo diese Häuser früher standen. Dann könnte man manches nachvollziehen. Auch wenn es Landkarten gäbe, in denen die erloschenen Orte aufgezeichnet sind. Es gibt abe eine Internetseite mit vielen Bildern aus vor 1945 mit den unzerstörten Dörfern ([...]Jürgen