★★★★★
Hans Dieter Kailuweit
20.06.2023
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Ben Dylan Aaronovitch und sein sympathischer Hauptakteur Peter Grant sind ein Lesespaß erster Güte für alle, die auch einmal einen Ulk im Krimi vertragen und London für den Nabel der zivilisierten Welt halten (was nun einmal eine unumstößliche Tatsache ist). Es wird kaum gelingen die Bücher dieser Reihe aus der Hand zu legen, bevor nicht der finale Plot geschehen und der letzte Buchstaben gelesen ist.
Mit großer Spannung (bereits im Februar vorbestellt ;-)) habe ich das 4. Band von Ben Aaronovitch über den Polizei-Zauberlehrling Peter Grant und seine Kollegin Lesley May erwartet. Ben Aaronovitch versteht es einmal mehr, den Leser mittels Witz und einer sehr bildlichen Sprache zu fesseln.Peter, Lesley und „die Nachtigall“ stoßen bei ihrer Jag nach dem Gesichtslosen auf den Skygarden Tower, in dem bereits allerlei magische und nicht-magische Wesen ihr Unwesen getrieben haben. Die Story liest sich gut und flüssig, doch kommen altbekannte Charaktere, wie z.B. Beverley etwas kurz, auch wenn neue Bekanntschaften, wie die einer Baumnymphe, geschlossen werden. Insgesamt fehlt es Band 4 – bis auf den Schluss, der mich wahrlich überrascht hat (!!) – etwas an einem überzeugenden, fesselnden Spannungsbogen. Es ist vielmehr ein „vor-sich-hin-ermitteln“ untermalt mit den herrlich witzigen/zynischen Gedankengängen von Peter:z.B. „Der Aufzug war frei von Graffiti und Urin, was erfreulich ist, aber die Kabine war winzig – ein Ausdruck des festen Glaubens des Architekten, dass das Proletariat unbelastet bourgeoisem Zierrat wie beispielsweise massiven Möbeln sein fröhliches Dasein führte.“ (Kindle Edition; Seite 217)oder„Die (sagen wir mal) Kirschbäume begrenzten eine Seite von etwas, was unverkennbar ein Spielplatz gewesen war, bis die Stadt alle Spielgeräte entfernt hatte – wahrscheinlich um zu verhindern, dass hier Kinder spielten.“ (Kindle Edition; Seite233)oder„Der Kaffee kam. Der Espresso war tatsächlich exzellent und hatte die unverzügliche Wirkung, in etwa wie ein aromatischer elektrischer Zaun.“ (Kindle Edition, Seite 279)Für diese Sätze muss man Ben Aaronovitch einfach mögen. Sie sorgen für den größten Spaß am Buch. Ich hoffe sehr, dass Band 5 jedoch wieder etwas spannender vom Gesamtaufbau ist, was das – für mich dann doch sehr überraschende Ende – andeuten lässt …Ein weiteres Lesevergnügen, das viel zu schnell vorbei war ;-)
Für Zauberlehrling und Police Constable Peter Grant beginnt sein vierter Fall vielversprechend mit einem mysteriösen Verkehrsunfall, hinter dem mehr zu stecken scheint, als es den Anschein hat.In letzter Konsequenz ist er erneut seinem Widersacher, dem Gesichtslosen, auf der Spur, der die bisherigen Bände wie ein roter Faden durchzieht. Weitere Todesfälle geben Grant, seiner Partnerin Lesley und seinem Mentor Nightingale Rätsel auf und führen das Team zu einem Hochhaus, das als sozialer Brennpunkt im südlichen London gilt, das für seinen Gegner eine ganz besondere Bedeutung zu haben scheint.Der Fall beginnt mit einem schweren Verkehrsunfall, der mit britischem Humor sehr eingehend geschildert wird und dem Leser Rätsel aufgibt. Im weiteren Verlauf gerät dieser Handlungsstrang jedoch auf ein Nebengleis und der Autor verliert sich in viel Londoner Geographie. So manche Streckenabschnitte lesen sich eher wie ein Reise- bzw . Städteführer und lassen den Roman phasenweise etwas lang erscheinen.Auch der Frühlingshofstaat, den "Vater und Mutter Themse" abhalten, wirkte auf mich etwas zäh, bevor der Roman am Ende plötzlich wieder gut anzieht.Alles in allem kein schlechter Roman, aber er zieht nicht so ganz wie seine Vorgänger. Ich hoffe, dass sich das mit den kommenden Bänden wieder ändert.