Als ich meinen Urlaub antrat, wollte ich im Vorfeld leichte Lektüre mitnehmen, um mich über die Tage amüsieren zu können. Also viel meine Wahl nach erstaunlich häufigen Auftauchen in der "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch"-Rubrik bei Amazon auf oben genannten Roman "The Selection". Es handelt sich dabei um den Auftakt einer von Kiera Cass geschriebenen (geplanten) Quintologie, in der es zugeht, wie in beim "Bachelor" in der RTL Primetime. Nur ohne ehemalige Pornodarstellerinnen und entblößte Brüste.Zur Handlung:Im fiktiven und recht jungen Land Illeá herrscht noch die gute alte Monarchie und unser angehender Prinz Maxon Schreave sucht sich unter allen Teilnehmerinnen seines Landes mit 35 Bundesländern (gut, im Buch heißen sie Provinzen) eine aus, die er später mal heiraten will. Natürlich könnte er - in guter alter Aschenputtel-Manier - einen Ball veranstalten und jedes Fräulein zwischen 16 und 20 Jahren einladen, aber in Zeiten von Radio und TV feiert man ja keine Bälle mehr und deswegen macht man, wie schon bei seinem Vater vorher, aus dem ganzen Act eine Casting-Show. Jup, wie beim Bachelor.Alle Mädchen zwischen 16 und 20 können sich schriftlich bewerben, dann wird aus jeder der Provinzen eine Vertreterin ausgewählt, die dann in den Palast geflogen wird und da darf der Prinz sich dann alle mal ganz genau ansehen und seine Favoritin aussuchen.Jedes Mädchen freut sich natürlich über die Chance, den jungen Prinzen zu heiraten (oder an sein ganzes Geld zu kommen).Jedes Mädchen? Nein! Ein unbeugsames mit dem Namen America Singer - unsere Hauptperson - findet die Idee sich zu bewerben, im Gegensatz zu ihrer fordernden Mutter, auf neudeutsch "gar nicht mal so geil", schließlich hat sie ihren Traummann, Aspen, schon gefunden.Tja und da kommen wir zu meiner Meinung über das Buch:Zunächst mal kann ich jetzt schon vorwegnehmen, dass sich mir direkt zu Beginn ein Gedanke aufdrängte, der sich im Nachhinein zum Teil bestätigte:Wenn "50 Shades of Grey" ursprünglich eine "Twilight" Fanfiction mit zusätzlichem BDSM war, dann ist "The Selection" anfangs eine "Hunger Games" Fanfiction gewesen, nur ohne Hungerspiele.Wer von hier bis an die Ecke denken kann, der riecht schon beim kurzen Klappentext eine nahende Dreiecksbeziehung und wird auch nicht enttäuscht. Natürlich gibt es eine.Und natürlich bewirbt sich unsere widerspenstige Hauptperson Katniss... äh America und natürlich kommt sie beim Publikum durch ihre ungekünselte Art gut an und natürlich findet sie Maxon nach anfänglicher Abscheu dann doch toll, kann gedanklich aber nie ganz mit Gale - ich meine natürlich ASPEN, zefix - abschließen.Parallelen sind aber nicht nur in der Charaktergestaltung zu erknennen, sondern auch im Aufbau des Landes Illeá. Es besteht noch nicht allzu lang und ging aus einem Krieg hervor. Außerdem gibt es darin Rebellen die sich gegen das Königshaus stellen, welches im Capitol lebt.Zwar werden die Menschen hier nicht in 13 verschiedene Distrikte eingeteilt, dafür in 8 verschiedene Kasten. Diese sind von der Organisation stark an das indische Vorbild angelehnt, haben jedoch keine besonderen Namen sondern einfach ihre Nummern, wobei in u.a. Kaste 1 Politiker und Botschafter vertreten sind, in Kaste 5 Künstler, in Kaste 6 niedrige Arbeitskräfte und in Kaste 8 die Verbrecher.Im Gegensatz zu den Collinsschen Distrikten sind in "The Selection" alle Kasten in allen Provinzen vertreten und eine 2 lebt durchaus auch mal direkt neben einer 5, ist aber trotzdem viel reicher und muss nicht hungern, wie zum Beispiel die Familien in Kaste 7.Dieses Kastenprinzip ist leicht zu verstehen, schließlich berichtet America mit einer nahezu auffälligen Penetranz über die Unterschiede zwischen den verschiedenen Schichten. Wesentlich zurückhaltender ist sie bei der äußerlichen Beschreibung ihrer Mitmenschen. Über Aspen wissen wir, dass er schwarzhaarig ist und grüne Augen hat. Maxon hingegen ist blond und hat braune Augen. Von Americas Konkurrentinnen werden nur 2-3 zumindest Oberflächlich beschrieben und hin und wieder geht sie auch auf Kleiderfarben und -schnitte ein. Sehr viel mehr kommt aber im ganzen Buch nicht auf.Ich kann nur mutmaßen, ob das mit Schreibfäule der Autorin oder Americas Art, sich nicht auf Oberflächlichkeiten zu beschränken, zu tun hat. Zweiteres könnte man ihr durchaus abkaufen, schließlich befasst sich America sehr häufig mit Gefühlen, die sie gegenüber anderen hegt und wie sie über gewisse Dinge denkt.Ich war überrascht, wie distanziert und erwachsen sie das zeitweise tut. Am Anfang war ich versucht, sie in die "Mary Sue"-Schublade zu stecken, da ist sie aber spätestens nach der ersten Hälfte wieder herausgeklettert und hat mich angeschrien und sich fürchtlerich aufgeführt.Denn im Gegensatz zu Katniss Everdeen, die mich mit jeder weiteren Zeile nur noch mehr wegen ihres Starrsinns genervt hat, gesteht sich America Singer Fehler ein und die Autorin saugt sich auch keine dummen und konstruierten Plottwists aus den Fingern, warum sie zu Maxon gehen will, um sich zu entschuldigen, und es dann doch nicht tut, weil sie mitansieht, wie er eine Fliege zerquetscht und sie hochgradig empört darüber ist und von dannen schreitet. (Was!? Stephenie Meyer hätte so einen Konflikt sicher eingebaut, wenn ihr makelloser Edward kein Mormone wäre, der nicht tötet!!)Außerdem zeigt America an meinen zwei Lieblingsstellen (die ich am Ende anführe, weil sie echt heftige Spoiler sind) tatsächlich, und darüber freue ich mich sehr und deswegen bin ich auch Stolz auf die Autorin, gesunde Emanzipation. Holy S***! Ich musste betreffende Stellen zweimal lesen, ehe ich nur ein "Wow" hervorbrachte. Das hatte ich nicht kommen sehen.Außerdem werden im ersten der fünf Teile auch Probleme wie Aufstände, Krieg und Rebellion angesprochen. Es werden politische und geschichtliche Fragen aufgeworfen, die America - und damit dem Leser - nicht beantwortet werden. Natürlich ist das Buch kein so geballtes Mysterium wie die Serie "Lost", bringt den Leser jedoch zum Nachdenken und macht neugierig.Alles in Allem war das Buch in meinen Augen leichte Kost mit Witz, Charme, einer tatsächlichen und zeitweise greifbaren Charakterentwicklung und einem - für mich tatsächlich - überraschendem Ende.Ich will die beiden Folgebände, die sich um America drehen, unbedingt asap lesen, habe aber gleichzeitig ein bisschen Angst davor, dass sie sich im Laufe der Geschichte von dem starken jungen Mädchen in eine nervtötende Katniss verwandelt, die sich Partout nicht zwischen Gale und Peeta entscheiden kann und dann doch wieder an meinen Nerven zehrt.Aber ich hoffe das Beste. :)Hiermit sei einen uneingeschränkte Leseempfehlung an all die ausgesprochen, denen sich vom elenden Dreiecksthema (das mich btw auch sehr nevt) noch nicht sofort der Magen umdreht und die mal einen Mädchenroman lesen wollen, in dem die Hauptperson mehr Profil beweist, als ein hirnloses Fangirl. Ich hab das Buch binnen weniger Stunden nahezu verschlungen und bereue keine Minute, die ich damit zugebracht habe!So und wie versprochen kommen wir nun zu meinen Lieblingsstellen, wovon die erste eigentlich ein happiger Spoiler ist und die zweite quasi das Ende des ersten Bandes verrät.Zitat I: Und für die Dauer meines Spiels gab es keine giftige Celeste mehr, keinen Aspen, der hier im Palast lauerte, keine Rebellen, die uns überfallen wollten. Nur einen wunderbaren Ton nach dem nächsten, so eng aneinandergeschmiegt, als fürchten sie, ohne die anderen verloren zu gehen. Und während sie dahinflossen, wurde aus meinem Geschenk für Kriss ein Geschenk für mich selbst.Zitat II: "Also entscheidest du dich jetzt für ihn statt für mich?", fragte Aspen. "Nein, weder für dich noch für ihn. Ich entscheide mich für mich selbst."Da hatte das Buch mich. Ungelogen. Zum ersten Mal gibt es hier am Ende kein "ich muss mich für den Mann, den ich liebe, aufopfern und ihm alles darbieten, was ich habe"-Getue, sondern einfach nur selbstbewusste Gedanken einer selbstbewussten Frau. Sowas brauchen wir öfter in Romanen. Danke Kiera Cass, dass Sie den Anfang gemacht haben!
Die Chance deines Lebens? 35 perfekte Mädchen und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?„Selection“ von Kiera Cass ist ein Buch, das total viel Spaß macht und sehr gut unterhält. Die Idee ist zwar nicht ganz neu, aber dennoch interessant und man fiebert während des Lesens mit der Protagonistin mit, weil man erfahren möchte, wer das Casting gewinnt (was übrigens am Ende dieses Buches noch gar nicht feststeht). Das gilt ja auch für die Castingshows im Fernsehen, bei denen man seinem Favoriten die Daumen drückt, hofft, dass er möglichst lange dabei bleibt und so ist es auch bei dieser Geschichte. Ich hatte „Selection“ innerhalb von nur zwei Tagen gelesen, weil ich es irgendwann nicht mehr weglegen wollte und ich richtig Spaß hatte am Lesen.Leider zeigt der Roman aber deutliche Schwächen was die Charaktere angeht. Die einzige Figur, die ich authentisch und gelungen fand, war die Protagonistin America selbst. Sie wurde von der Autorin liebevoll ausgearbeitet und da sie die Handlung aus der Ich-Perspektive erzählt, erfährt man als Leserin natürlich auch viel über ihre Gedanken- und Gefühlswelt, was sie dann letztlich glaubhaft und real erscheinen ließ. Und bis auf die ein oder andere Stelle, an der sie kindisch und zickig war, war sie mir wirklich sympathisch. Ich fand es super, dass sie ihren eigenen Kopf hatte, klug und selbstbewusst war und viel natürlicher als die anderen Zicken.Überhaupt nicht gelungen fand ich dagegen den männlichen Protagonisten Prinz Maxon. Dieser ist sehr gutmütig, gutherzig, sensibel, humorvoll, lächelt viel und ist total lieb. Also ein Gutmensch durch und durch – und genau das ist das Problem. Er wirkt extrem eindimensional und langweilig, weil ihm einfach die Tiefe und auch negative/dunkle Eigenschaften fehlen. So perfekt kann ein Mann eigentlich gar nicht sein (und manchmal so naiv!), auch wenn er sehr behütet in einem Palast aufgewachsen ist. Natürlich stellen sich dann auch Americas Vorurteile gegen ihn (z.B. Arroganz) als negativ heraus – schließlich ist er ja perfekt. Gäääääähn. Bei Liebesgeschichten (und hier steht die Liebesgeschichte ganz klar im Vordergrund) muss man sich als Leserin auch immer ein bisschen in den männlichen Protagonisten verlieben können, um so richtig in die Geschichte eintauchen zu können, was mir hier leider überhaupt nicht gelingen wollte.Der zweite männliche Protagonist ist Aspen. Dieser ist ein Angehöriger der sechsten Kaste und America gehört vor ihrem Dasein als Auserwählte zur fünften Kaste, steht also über ihm. Deshalb können die beiden nicht heiraten (oder es wäre kompliziert), aber das erklärt meiner Meinung nach Aspens wirklich schäbiges Verhalten America gegenüber nicht. Aspen wurde mir mit der Zeit immer unsympathischer, obwohl ich ihn am Anfang des Buches sehr niedlich fand. Aber gegen Ende mutiert er wirklich ins Gegenteil und auch Americas Verhalten daraufhin konnte ich mir nicht erklären. Aber mehr möchte ich hier gar nicht verraten, das müsst ihr selbst lesen ;).Ich möchte noch kurz auf die Rahmenhandlung eingehen. Die Liebesgeschichte/n steht/en bei „Selection“ ganz klar im Vordergrund, doch hat der Roman einen dystopischen Hintergrund. Der Roman spielt irgendwann in der Zukunft und man erfährt auch im Laufe der Geschichte das ein oder andere Detail zur Vergangenheit bzw. unserer Jetzt-Zeit. Das konnte ich auch noch nachvollziehen, allerdings fand ich den wiederholten Auftritt der Rebellen mehr als fragwürdig. Es ist so, dass die Königfamilie bzw. der Königshof immer wieder von Rebellengruppen angegriffen werden und sie sich daraufhin im Schloss oder –keller verbarrikadieren müssen. Man erfährt zwar ein paar Hintergrunddetails dazu von Maxon, aber mir war nie klar, wer hier wirklich angreift und vor allem WARUM. Die Erklärungen fand ich dazu alle sehr fadenscheinig und unbefriedigend und ich würde mir wünschen, dass man dazu noch mehr in den Folgebänden erfahren wird.Fazit: „Selection“ von Kiera Cass ist ein Buch, das für sehr gute Unterhaltung und Spaß beim Lesen sorgt, wenn man über die ein oder andere Schwäche hinwegsehen kann. Ich wurde sehr gut unterhalten und würde das Buch deshalb auch allen Leserinnen empfehlen, die Dystopien und Liebesgeschichten oder Castingshows lieben.