Ich habe so viel Fürchterliches über Bobo Siebenschläfer gelesen, dass ich jetzt sonstwas erwartet habe. Was findet man nicht alles im Internet für Schrecklichkeiten! Die Sprache sei unterirdisch. Und der Inhalt erst: Dauernd heult das Kind, die Eltern lassen es allein auf dem Spielplatz zurück, schauen immer böse und genervt, dazu lauter Sexbilder und ein veraltetes Rollenbild in der Familie. Aber hey, die Kinder lieben es, also müsse man da durch.Jetzt habe ich es gekauft und wissen Sie was: All das Schlimme ist entweder übertrieben oder einfach falsch.Zunächst zur Sprache: Das Buch verwendet fast nur Wörter, die mein Kind (19 Monate) selbst kennt, und es ist glücklich darüber und will es immer wieder hören. "Guten Morgen, Bobo! Hast du gut geschlafen?" - Da strahlt er immer und sagt. "Ja!" er will auch immer wieder zur Seite mit dem Satz "Siehst du den Ball? Und den Teddy?" zurückblättern und holt seinen eigenen Ball und legt ihn auf die Seite. Und auf die Zoogeschichte legt er seine Duplotiere. Ganz ehrlich... Bei dem Buch vom Kinderarzt mit Sätzen wie "Leo klopft sachte an die Scheibe" oder "... die Pinguine. Sind sie nicht drollig? Wie sie hüpfen und watscheln!" hat er das noch nie gemacht. Die leichte Sprache scheint etwas in ihm auszulösen, was hochsprachlich formulierte Bücher nicht vermögen. Und ich selbst finde die Sprache auch charmant. Nichts daran ist falsch, sondern einfach nur leicht. Ich finde das Vorlesen angenehm und habe mich dabei noch nie gelangweilt (das ist bei anderen Büchern bisweilen anders).Dann zum Inhalt."Dauernd heult das Kind."Ja, Bobo weint manchmal. Aber fast alle "Bobo weint"-Sätze fallen in der "Bobo ist krank"-Geschichte, und daran erkennt die Mutter erst, dass etwas nicht stimmt. Sie probiert ein paar Dinge aus, die Bobo sonst mag und bei denen er diesmal weinerlich bleibt, und ruft dann den Arzt."Die Eltern lassen es allein auf dem Spielplatz zurück."Auf dem Bild ist die Mutter einen Meter von Bobo entfernt und ihm freundlich zugewendet und sagt (sagt!), dass sie dann wohl allein nach Hause gehen müsse - und da "will" Bobo doch mit. Ein solcher Satz ist zwar nicht ideal, aber gehört wohl auch im perfektesten Elternhaus zur Lebenswelt der Kinder, und genau diese bildet das Buch halt ab."[Die Eltern] schauen immer böse und genervt."Genau deshalb finde ich auch das hier nicht schlimm. Wenn die Eltern "Nein!" rufen, wenn das Kind sich dem Backofen nähert, dann schauen sie aus Sicht der Kinder böse. Ebenso strahlt die Mutter auch nicht vor Freude, wenn sie Kakao aufwischt. Der Vater kneift das Gesicht zusammen, als Bobo beim Rausheben aus dem Kinderstuhl seinen Kopf erwischt. Und ja, der Vater schaut genervt, als Bobo ihm beim Zeitungslesen stört, aber hier (und auch an späterer Stelle noch einmal) legt er die Zeitung weg und spielt geduldig mit dem Kind, auf allen Vieren, auf dem Rücken. Er weckt ihn (mit), macht sein Frühstück, gibt ihm die Flasche, liest ihm vor, baut Türme, mäht mit ihm den Rasen und schläft mit ihm im Kinderzimmer ein."... ein veraltetes Rollenbild in der Familie" kann ich daher nicht erkennen. In diesem Band scheint immer Wochenende zu sein, daher weiß man nicht genau, wer wann wie viel arbeitet und wer mehr bei Bobo bleibt.Und zu den Illustrationen... Den einen ist die Mutter zu bieder und den anderen eine andere Frau zu aufreizend gezeichnet. Als Frau kann man es wohl keinem recht machen mit der Kleidung ;) In einer Rezension hier sind ja die ach so schrecklichen Bilder zu sehen. Da ist ein Bär, der rutscht, zu sehen, und ein grinsendes Gesicht in einer Zahnpastawerbung. Dass Bobo sein Zäpfchen in den Po bekommt, ist für ein Kind in keiner Weise anzüglich - und für einen erwachsenen Menschen sollte das auch keine sexualisierte Handlung sein, insofern verstehe ich das Problem nicht. Kinder interessieren sich nunmal für kackende Hunde, ihren Windelinhalt und natürlich auch dafür, wo das Zäpfchen reinkommt. Dass hier ein Pünktchen im dichten Siebenschläferfell dieses Körperteil andeutet, ist kindgerecht, meine ich.Und die großen drei Buchstaben am Kiosk... Wenn ein Kind alt genug ist, zu lesen und danach zu fragen, dann wird es das auch im echten Kiosk tun. Regeln Sie das das in Ruhe zu Hause oder denken Sie sich vorab eine Lüge aus ;)Ich bin sehr zufrieden mit dem Buch und freue mich, für 7 Euro so einen Schatz gefunden zu haben.Ach ja, die klitzekleinen Fingerchen können gut in dem Buch blättern und die Seiten sind zwar aus normalem Papier, aber halten bisher viel Kinderliebe aus!Der Elefant ist übrigens auf S. 43 und ist neben der Seite mit Bobos Kinderzimmer seine absolute Lieblingsseite :)