★★★★★
Christian Meyn-Schwarze
15.09.2023
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Von den 16 Liedern gefallen mir 15 sehr gut, ein Text hat mich allerdings sehr verärgert. In dem Lied „Gartenteich“ geht es um ein gemeinsames Familienprojekt, einen Gartenteich anzulegen. Vom Ansatz finde ich das eine wunderbare Idee, allerdings gibt es bald zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. Der Vater hebt ein großes Loch im Garten aus und bedeckt es mit einer Folie. Die Kinder werfen ihm Steine zu, leider landet ein Stein auf seinem Zeh. Später hält die Folie das Wasser nicht, weil der Papa den Schraubenzieher darunter vergessen hat und die Folie reißt. Beim Rettungsversuch bleibt der Papa am Zaun hängen und – bleich vor Schmerzen brüllt er. Währenddessen füllt die Mutter eine alte Zinkwanne und die Kinder freuen sich über den schwimmenden Fisch im Mini-Teich.Besungen wird also ein „Pleiten-Pech-und-Pannen-Papa“ und zum Ende des Liedes singen die Kinder eine Lobhudelei auf die Mama.Mich schmerzt solche Darstellung eines Papas, der zwar bemüht aber als etwas dusselig und wehleidig besungen wird.Seit einigen Jahrzehnten wandelt sich das Rollenverständnis von Vätern, die früher als „Ernährer“ der Familie galten, während sich die Mutter um die Kindererziehung und den Haushalt kümmerte. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Rollenverteilung der Eltern gewandelt, immer mehr Väter erkennen ihre Verantwortung für alle Bereiche und teilen sich die Aufgaben als Eltern.Doch diese neue Rolle eines Vaters fällt vielen noch schwer, sie suchen die Balance zwischen Erwerbstätigkeit und Aufgaben in der Familie. Viele Väter erlebe ich als „unsicher“ auf der Suche nach ihrem eigenen Verständnis von Vaterschaft.Ich selber lebe dieses neue Modell seit 30 Jahren und versuche in meiner pädagogischen Arbeit in Büchereien und Kindertagesstätten, die „neuen“ Väter in ihrer Begleitung von Kindern zu bestätigen. Solch ein Lied über einen „Pleiten“-Papa und die Lobhudelei der Mama leistet da keinen Beitrag zur Ermutigung der aktiven Väter.