Wie immer ein gut geschriebenes Buch. Ich musste beim Lesen feststellen, dass ich die Figur Ruppert wohl eigentlich nie richtig mochte, dennoch hat mich die Handlung am Lesen gehalten. Für Ruppert-Fans wahrscheinlich sehr gut, für mich persönlich bleibt es bei gut. Antipathie sollte sich aber nicht auf die Sterne auswirken,deshlab volle Sterne.
Wir mögen diese Bücher von KPW, wir sind Fans, aber nicht unkritisch. Bei diesem 2. Rupert-Buch möchten wir 2 Dinge lobend hervorheben:a) bei den meisten Hauptfiguren gelingt es dem Autor gut, der Person psychische Tiefe zu geben, will sagen, es sind keine Abziehbildchen, sondern Charaktere mit Ecken und Kanten, sogar bei dem ekelhaften Sadisten wird mit psychopathologischen Motivationen gearbeitet. Und das Experiment, die "Flasche" Rupert, der in seiner Dienststelle nur geduldet wird, in eine Position zu hieven, wo Größenwahnsinn möglich wäre, und ihn dann dabei zu beobachten, wie er diesen Spagat hinbekommt, das hat was!b) überall agiert der Autor im Hintergrund mit leichter Hand und hält uns und unserer Gesellschaft auch in Coronazeiten den Spiegel vor. Das klingt oft heiter und beschwingt, hat aber immer einen ernstenAnklang und bringt uns zum Innehalten und Nachdenken. Es ist toll, wie kritisch der Autor unsere Zeitund uns alle sieht - da steckt viel Intelligenz dahinter, die aber nie belehrend rüberkommt - das finden wir ganz großes Kino und gerne lesen wir solche Stellen mehr als einmal. Schon dafür lohnt sich der Kauf dieser Werke.Goethe soll sich mal entschuldigt haben, ein Text sei zu lang geworden, weil er keine Zeit gehabt habe.Nun, das ist auch unsere kleine Kritik: einige Szenen und Dialoge sind etwas langatmig und verbrauchenauf der Stelle tretend zu viel von unserer Zeit. Es kommt nicht voran und die Textstellen enthalten zu viel Vorhersehbares. Straffung ist die ARBEIT guter Autoren !!! Darum höre ich jetzt auch auf!!!