»Sie werden keine Kinder bekommen.« Dieser Satz stellt Kathis Leben auf den Kopf. Sie ist Mitte dreißig, promoviert über Grimms Märchen und lebt mit ihrem Freund in einer kleinen Wohnung in Berlin. Keine Kinder zu haben, war nie eine Option. Als ihre beste Freundin Effi schwanger wird, ausgerechnet ihre Effi, ihre zuverlässigste Verbündete, stellt Kathi sich der Wahrheit – und einen Adoptionsantrag.Die Autorin:Lea Streisand, geboren 1979 in Berlin, studierte Neuere deutsche Literatur und Skandinavistik. Sie schreibt Kolumnen für die taz und hat eine wöchentliche Hörkolumne auf Radio Eins. Ihre Romane erscheinen bei Ullstein: "Im Sommer wieder Fahrrad" im Herbst 2016, es folgten „Hufeland, Ecke Bötzow“ (2019) und „Hätt‘ ich ein Kind“ (2022). Außerdem sind Streisands Radiokolumnen im Ullstein Taschenbuch lieferbar: "War schön jewesen. Geschichten aus der großen Stadt."Meine Meinung:Was passiert mit einer Frau, bei so einer Diagnose? Ich selbst habe einen unfreiwillig, unerfüllten Kinderwunsch und habe künstliche Befruchtung erfolglos versucht. Daher hat das Buch mich Thematisch sehr angesprochen. Besonders die Emotionen, die Gedanken und die Hoffnungslosigkeit.Unsere Protagonistin sieht sich einer ausweglosen Situation gegenüber, doch ihr Wunsch nach einem Kind ist zu groß als das man einfach aufgibt. Das konnte ich so nachvollziehen und ich finde die Autorin hat die Gedankengänge und emotionalen Ausbrüche sehr gut gespiegelt. Das Buch war für mich sehr emotional und dennoch hat die Autorin Witz und Humor mit einfließen lassen, so das die Geschichte auch eine positive Botschaft hat. Wir bekommen in diesem Buch auch viele geschichtliche Fakten geboten, die Rolle der Frau und Mutter in der Vergangenheit. Sehr interessante Ansätze, die mich oft zum nachdenken gebracht haben. Die Frage ob man eine Mutter nur biologisch werden kann oder rein durch die Liebe zu einem Kind, wird hier von mehreren Aspekten beleuchtet. Auch Bücher werden erwähnt, die ich mir nun auch alle noch genauer anschauen möchte.Der Weg einer Adoption ist steinig und langwierig. Auch diese Gespräche habe ich selbst schon geführt und konnte die Formalitäten und teils sehr persönlichen Fragen sehr gut nachempfinden. Es wird in diesem Buch natürlich nur ein kleiner Teil dessen gezeigt, was in der Realotität wirklich auf ein Paar zukommt. Aber die Autorin hat einen guten Weg gewählt es verständlich dazulegen und dem Leser zu verdeutlichen, wie emotional und teilweise auch selbst zweifelhaft dieser Prozess ist. Was macht eine Familie aus? Was ist nötig um Mutter sein zu können? Diese Frage beschäftigt Frauen, die keine Kinder bekommen können. Auch mich. Und das Buch hat mir ganz viel Mut gemacht. Es ist die Liebe zu einem Kind, die Fürsorge, das bedingungslose Aufopfern und nicht die biologische Schwangerschaft.Das Buch ist sehr lesenswert. Sehr informativ. Aufbauend und einfühlsam. Am Ende ist die Erkenntnis das sich der Weg lohnt, den man bereit ist zu gehen, für Familie.
Leser:innen fragen sich ja oft, wieviel vom Autor bzw. der Autorin in der Geschichte steckt, und das besonders bei in Ich-Form verfassten Romanen. Hier ist es aber eine zu persönliche Frage, als dass man sie der Autorin stellen könnte. Jedoch hatte ich beim Lesen dieses Buchs stets das Gefühl, hier erzählt jemand seine eigene Geschichte.Das mag an der gelungenen Umsetzung liegen oder eben vielleicht doch daran, dass es selbst erlebt ist. Lea Streisand, von deren im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Hufeland, Ecke Bötzow“ ich absolut begeistert war, beschreibt hier den dornigen Weg einer jungen Frau von der Erkenntnis, dass sie keine eigenen Kinder wird haben können bis zum Ausgang ihres Antrags auf Adoption.In einem niemals lamentierenden, oft vielmehr sehr humorvollen, sich selbst auf die Schippe nehmenden Ton folgen wir Kathi und ihrem Mann durch diese sich lange hinziehenden Monate. Parallel dazu erleidet Kathis beste Freundin eine Fehlgeburt, wird wieder schwanger und so können beide Frauen auf ganz unterschiedliche Weise die Erwartung der Mutterschaft erleben.Dass dabei das eine oder andere Klischee bedient wird, wenn Kathi und David beim Jugendamt ihren Adoptionsantrag einreichen und die dortige Sachbearbeiterin als ein rechtes Abziehbild einer Beamtin dargestellt wird, stört bei der Lektüre nicht, da es sehr amüsant und keineswegs urteilend geschieht. Dass der Weg durch die vielen Fragen, Untersuchungen und insbesondere die den Betroffenen unendlich lang vorkommende Wartezeit steinig und belastend ist, das kann sich jeder vorstellen. All jene, die diesen Prozess selbst durchlaufen haben, mögen sich in diesen Schilderungen, im Leid und dem Umgang damit, wiederfinden.Ab und zu allerdings schweift mir der Roman zu sehr von der Haupthandlung ab, gibt es Szenen, die den Plot nicht voranbringen. Vor allem wenn es lange und recht sinnlose Gespräche zwischen den Freundinnen und ihrer Clique gibt, wird es etwas zäh. Vermutlich einfach deswegen, weil man gerne den Fortgang der Geschichte kennen möchte. Und natürlich wird es gegen Ende sehr spannend, temporeich und auch sehr berührend.Eine interessante und zu Herzen gehende Geschichte, leichtfüßig und ohne Pathos erzählt.Lea Streisand – Hätt‘ ich ein KindUllstein, März 2022Gebundene Ausgabe, 220 Seiten, 19,99 €