Die Gründung der „Priesterbruderschaft Pius X.“ durch den Fribourger Bischof Marcel Lefebvre im Jahre 1970 bestimmt bis zum heutigen Tag immer die nachkonziliare Diskussion der katholischen Kirche, obwohl päpstlicherseits die Exkommunikation der vier von Lefebvre geweihten Bischöfe aufgehoben wurde, mittlerweile die von Priestern der Bruderschaft gespendeten Sakramente, auch Beichte und Ehe, als gültig anerkannt sind, Priesterweihen der Bruderschaft toleriert werden, Papst Franziskus sich grundsätzlich wohlwollend für die rechtliche Integration der Bruderschaft geäußert hat. Dass dies vor Ort dennoch nicht widerspruchslos hingenommen wird, zeigt ein grundsätzlicher Disput zu Beginn dieses Jahres: Ein Kölner Weihbischof hat, so in einer überregionalen katholischen Wochenzeitung berichtet, betont, „man dürfe bei der Piusbruderschaft die hl. Messe nicht besuchen, weil die Gemeinschaft schismatisch sei“. Heftige Kritik in der publizierten Öffentlichkeit war die Folge, denn Tatsache ist, dass der von der Bruderschaft reklamierte und vollzogene vorkonziliare „außerordentliche Ritus“ in nicht wenigen Gemeinden des genannten Bistums von katholischen Priestern bei bestimmtem Anlässen gefeiert wird. Es liegt auf der Hand, dass die Bruderschaft möglicherweise vor solchen „Umarmung“ warnen möchte, und dazu dürfte auch diese Neuerscheinung des Patrimonium-Verlags letztlich beitragen. Ingo Langner, Germanist, Theaterwissenschaftler, Publizist, Regisseur, Filmemacher, geht in diesem Buch zusammen mit Pater Franz Schmidberger, einem der der ersten Mitglieder der Piusbruderschaft, lange Jahre ihr Generaloberer, ausführlich in Form eines Interviews auf die von der Bruderschaft abgelehnten konziliaren Ergebnisse ein, insbesondere die Erklärungen über Religionsfreiheit, das Ökumene-Dekret, die tolerant-relativierende Sicht anderer Religionen ein. Dabei verzichten sie nicht auf polemik-affine werbende Diktion – etwa mit Kapitelüberschriften wie „Wider DEN ZEITGEIST, DER RAUCH SATANS“, sodann durch Reklamation einer Rettungsfunktion der Bruderschaft (S. 13, Erinnerung an ein früheres Zitat Schmidbergers): „Rom muss die verheerenden Zeitbomben des Zweiten Vatikanischen Konzils entschärfen und vollkommen beseitigen“, nicht zuletzt durch eine gewisse Heroisierung des Bruderschaft-Gründers: „Betrachtet man Porträtfotografien des Mannes, der die Priesterbruderschaft … begründete, dann spürt man: an diesem Gesicht haben die Frömmigkeit und die Liebe gebaut …“ (Einleitung S. 8 f.). Dennoch: Das Buch Buch baut keinen „Popanz“ auf, es ist auch keine „Generalabrechnung der Levebvre-Anhänger mit den 2. Vatikanum Bestimmungen“, wie Pressezitate vermeinen. Es ist ein wichtiges Buch, es dient der Erinnerung an einschneidende Ergebnisse des 2. Vatikanum, die in dem oben beschriebenen wohlwollenden Zugang zu ihnen möglicherweise zu verblassen drohen, und erleichtert grundsätzlich-kritische Überlegungen zu ihren Konsequenzen.