Das Erbe: Roman

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4.5/5 (2 Bewertungen)
★★★★★ kommunikatives.lesen 04.07.2023 amazon.de
Bis auf die Frühwerke liegen von Vita Sackville-West, die vielen vor allem als Virginia Woolfs Inspiration für die Hauptfigur ihres Romans „Orlando“ bekannt ist, die meisten ihrer Romane in deutscher Übersetzung vor. Von den früheren Arbeiten fehlen noch einige. Mit „Das Erbe“, von Irmela Erckenbrecht aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, wird eine weitere Lücke gefüllt. Zum ersten Mal erschien dieser Kurzroman, knapp 130 Seiten, 1922 und fand eine von der Autorin einleitend und kritisch kommentierte Wiederauflage 1949:„Trotz [der Gefahr der Selbsttäuschung] kam ich [auf die Anfrage zur Neuveröffentlichung] zu dem Schluss, dass ‚Die Erbschaft des Peregrinus Chase‘ eine Stimmung widerspiegelt, die ich damals empfand und mit wachsender Melancholie seitdem immer wieder empfunden habe.“Die klare Distanzierung bezieht sich auf den sehr rührseligen Ton von „Das Erbe“, das von der Schwierigkeit des jungen Angestellten Peregrinus Chase handelt, das Erbe seiner verstorbenen Tante Phillida, das Anwesen, das Haus und die Ländereien namens Blackboys, anzutreten, das sogar noch mit Schulden belastet ist. Was ihm aber zuerst nichts bedeutet, wächst ihm nach und nach ans Herz:„Jede kaum merkbare Veränderung des Lichts hatte er [am Anwesen] beobachtet: ob es am Morgen kühl und klar über die Dächer strich oder am Abend gesättigt und golden auf die rubinroten Backsteine, den bläulich-grünen Wassergraben und die Brüste der Pfauen sank. Das ätherische Morgenlicht war ein Geheimnis, das er in den unzugänglichen Tiefen seiner Seele fast vor sich selbst verbarg.“Thema von „Das Erbe“ entwickelt sich zwischen den beiden Polen: das Haus verkaufen oder nicht. Peregrinus besitzt nicht viel. Der Verkauf würde ihn besser stellen, zumal sich ein Mr. Nutley von ‚Nutely, Farebrother und Co., Grundstücksmakler und Anwälte‘ aus Eigeninteresse darum bemüht, einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. Gegen den Verkauf spricht das gute Gefühl, das Peregrinus überkommt, sobald er sich durch die Zimmer, den Park, auf den Ländereien bewegt, und die Bediensteten, wie auch Farebrother eher darauf hoffen, dass er die Tradition der Chase-Familie fortsetzt und sei’s nur der lieben Pfauen willen, die auf dem Anwesen herumstolzieren:„»Es gibt wenige im Dorf, die sich vorstellen können, dass Blackboys nicht mehr der Familie Chase gehören soll«, sagte die Frau. »Und die armen Pfauen – lieber Gott!«»Die Pfauen?«»Die Leute sagen, die Pfauen werden sterben, wenn Blackboys nicht mehr den Chases gehört«, sagt er Mann. »Trotzdem, sie richten im Park viel Schaden an.«“Tradition und Neuerung, Sentimentalität und Profit, Langsamkeit und Hektik, Ländlichkeit und das Städtische spielt Sackville-West in „Das Erbe“ gegeneinander aus und malt freundliche Bilder einer verträumt tiefenglischen Idylle, in der Vögel zwitschern, Blumen blühen, Pfauen stolz ihr Rad schlagen und zur festen Zeit der Tee serviert wird. 27 Jahre später wird ihr bei der Sentimentalität selbst etwas mulmig zumute, aber gibt das Buch dennoch zur Veröffentlichung frei. „Das Erbe“ vereint eine ironisch-distanzierte Form der Utopie mit einem sachlich-interessierten Blick auf zwischenmenschliche Interessen. Peregrinus muss seinen ganzen Mut zusammennehmen, um nicht kleinbeizugeben.„Arm? Ja, aber er konnte arbeiten, er würde es schaffen. Seine Armut würde nicht bitter sein, sondern süß. Er streckte die Hände aus und legte sie voller Leidenschaft auf die Steine – Steine, so warm wie die rosige Farbe, die sie seit dem Morgen mit dem Sonnenlicht aufgesogen hatten.“Vita Sackville-Wests „Das Erbe“ liest sich leicht und flüssig und eindrücklich. Es steckt viel Hermann Hesse aus „Roßhalde“ in diesen Zeilen, und auch eine geläuterte Form von Joris Karl Huysmans „Gegen den Strich“. Wem freundlich, warme, gediegene Sprachfügungen liegen, wer gerne langsame, besinnliche Literaturen mag, wird ein paar vergnügliche Stunden mit „Das Erbe“ haben.
Spiele-Klassiker EAN 9783895617089

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Produktbeschreibung

Alles an Mr Chase ist ein wenig mittelmäßig: angefangen mit seinem Aussehen, sein Versicherungsjob, das Dorf, in dem er lebt und erst recht seine Wohnung.Und dann passiert ihm etwas, das man nur aus hochge- spannten Wunschträumen kennt: Eine alte Lady, von deren Verwandtschaft er bisher kaum etwas wusste, verstirbt, und er erbt Ländereien, verpachtete und vermietete Häuser, Grundstücke in verschiedenen Grafschaften, einen großen Garten mit über fünfzig Pfauen und ein Tudor-Haus ohne Elektrizität, fließend Wasser und Heizung. Der Testamentsvollstrecker empfiehlt ihm, alles so schnell wie möglic
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