Nachdem ich den ersten Krimi "Jagd auf den Inselmörder" , die Satire "Ausgeflippt" und den Politthriller "Das Petersplatz-Komplott" des Autoren gelesen hatte, stand für mich fest - die Mona Lisa, (so nenne ich sie liebevoll für mich), die bereits angekündigt war, DIE muss ich haben.Ungeduldig wartete ich auf die Veröffentlichung des neuen Krimis und ich kann euch vorab schon sagen: Ich wurde nicht enttäuscht.Ich werde euch also nun über den (diesmal) Dresden-Krimi "Das Lächeln der Mona Lisa" berichten.Das Lächeln der Mona LisaDer Klappentext verrät schon ein Stück der bevorstehenden spannenden Story:Zitat:"Mitte des Jahres 1994 findet die Haushälterin Roswitha Färber die Leiche des Kunstmalers Helmut Müller-Karsten in dessen Wohnzimmer im Dresdner Künstlerhaus in Loschwitz. Aufgrund des verwüsteten Zustands, in der sich die Wohnung des Malers befindet, stuft der Notarzt ihn als "ungeklärten Todesfall" ein.Damit wird die Dresdner Mordkommission um Leiter Barneby Kern auf den Plan gerufen. Bei ihren umfänglichen Ermittlungen in der Dresdner und der internationalen Kunstszene stoßen sie immer tiefer in einen Strudel von Korruption, illegalen Gemäldehandel, Geldwäsche und politischen Verstrickungen.Zunächst gerät Müller-Karstens Stiefsohn Vester in Verdacht, etwas mit dem Tod des Malers zu tun zu haben. Dabei spielen spezielle Frauenbildnisse eine Rolle, hinter denen nicht nur Vester, sondern auch Galeristen, die Stasi, Kunsthändler und die russische Mafia her sind.Der Krimi führt in die Welt der Mondänen und Lasziven und deckt auf, wie "hohe Tiere" der Stasi Geld beiseite schafften und dabei Verbindungen in die BRD zu nutzen wußten. Der komplexe Fall bleibt lange undurchsichtig, weitere Morde geschehen, aber das Team Kerns bleibt hartnäckig und kann am Ende einen Fall ungeahnten Ausmaßes aufklären.Tenners Roman geht aber über einen mitreißenden Krimi weit hinaus, da ihm authentische Dokumente zugrunde liegen und der Autor seine Figuren mit psychologischem Scharfblick ausdifferenziert."Zitat Ende.Der AutorWas Ihr über den Autor wissen müsst: Er ist selbst ein Sohn eines Kunstmalers, der den Namen Helmut Schmidt-Kirstein trägt. Da lag es fast auf der Hand, einen in dieser Branche stattfindenden Roman zu schreiben. Ob es tatsächlich Parallelen zur eigenen Familie und Personen gibt, vermag ich nicht zu sagen.Eins steht aber fest: Auf Grund des Lebenslaufes und des erlernten Berufes George Tenners, der zwar nun als Schriftsteller fungiert, jedoch ausgewiesener langjähriger Journalist ist, ist von eingehender Recherche und Wissen seinerseits auszugehen, der für einen solchen komplexen Roman mit brisanten Hintergründen fast prädistiniert zu sein scheint.~~~~~~~~Für eine umfangreiche Biografie bieten sich die Seiten auf wikipedia [...] oder auch seine eigene Webseite an. Ich möchte seinen Lebenslauf nicht abschreiben:[...]W eitere interessante Bücher von ihm wurden bereits veröffentlicht:- Der Wüstenwolf, Thriller, Herbig, 1982, (ISBN 3-7766-1188-X)- Der Schrei des Pelikans, Thriller, MV-Verlag, 2006, (ISBN 3-86582-289-4)- Das Petersplatzkomplott, Thriller, MV-Verlag, 2005, (ISBN 3-86582-142-1)- Ausgeflippt, Satiren, MV-Verlag, 2004, (ISBN 3-86582-020-4)- Jagd auf den Inselmörder, Kriminalroman, Schardt-Verlag, 2007, (ISBN 978-389841-329-9)- Das Lächeln der Mona Lisa, Kriminalroman/Dresden, Schardt-Verlag, 2008, (ISBN 978-3-89841-377-0)Die StoryDer Klappentext verrät ja schon, es beginnt mit dem toten Kunstmaler. Zunächst deutet alles darauf hin, dass in seiner Wohnung eingebrochen und der Mann überwältigt wurde. Dies muss allerdings revidiert werden, denn er ist eines natürlichen Todes gestorben. Das Chaos in der Wohnung macht die Polizisten stutzig und nachdem noch zwei andere Personen, die mit Kunsthandel zu tun haben, tot aufgefunden werden, wird die Mordkommission auf den Plan gerufen.Als Verdächtige kommen nun mehrere Leute in Frage, die mit der Kunst-Szene und auch den momentanen Personen etwas zu tun haben könnten. Da wäre zunächst der Stiefsohn Thomas Vester, der im Haus wohnte, dessen Freund oder auch ein naher Nachbar im Kreis der Verdächtigen sowie der Galeriebesitzer Fuoli. Weitere Bekannte gelangen in die nähere Betrachtung der Kommissare, zumal der Fall immer undurchsichtiger wird.Die Ermittlungen gehen in verschiedene Richtungen. Zum einen spielt der Kunsthandel eine Rolle, Personen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit kommen ins Blickfeld, auch die Sizilianische Mafia scheint präsent zu sein. Nur wie passt das alles zusammen?Und welche Bedeutung hat spielt dabei das zu beiden Todesfällen gehörende Werk "Das Lächeln der Mona Lisa", das sowohl als Bild als auch mit seinem Lithografiestein mutwillig zerstört wurde?Zunächst wird Thomas Vester verdächtigt, der ein Hass aus Jugendzeit auf seine Mutter hat, denn diese hat ihn einst vernachlässigt und später Geld und Bilder zum Verkauf zugesteckt. War das ihre Wiedergutmachung? Und warum wollte er dann angeblich alle 25 Exemplare der Mona Lisa, die ein Bildnis seiner Mutter darstellt, unbedingt behalten?Eine Rolle spielen auch der Freund und Freundin von ihm, zumal es einen Streit gab indem auch die homosexuelle Seite von ihm zur Sprache kommt. Ging es möglicherweise um Eifersucht?Oder geht die Aufklärung doch in eine ganz andere Richtung?Im Laufe der zahlreichen Gespräche mit wichtigen Personen, Observierungen von diversen auffälligen PKWs, Offenbarungen hochrangiger Leute, Verhöre der Verdächtigen und der Mitarbeit des LKA hinter vorgehaltener Hand kommt ein ganz anderer Aspekt zutage.Einzelne hochrangige Offiziere, die Kontakte zu italienischen Mafia haben, mit Kunst und Schmuck handelten und damit viel Geld machten sowie andere Beweismittel führen letztendlich zur Aufklärung des Falles und zur Aushebung eines Sumpfes, mit dem Barneby Kern mit seinem Team am Anfang nicht gerechnet hatte.Verschiedene Personen - teilweise aus dem Ausland - haben dabei besondere Aufgaben oder auch persönliche Absichten, denen sie nachgehen, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei machen sie auch vor Ablenkung und Mord nicht halt.Denn es gibt insgesamt nicht nur einen Mörder, der dingfest zu machen ist. Dieser wird außer Landes geschleust. Nicht ohne zu erwähnen, das einem anderem sein Tod ganz gut in den Kram passen würde. Eine weitere Person wird zusammen mit einem Mittäter verhaftet, die Auftraggeber sind nicht in Deutschland angesiedelt.Mehr möchte ich hier nicht verraten, es soll bei meinen Andeutungen bleiben, damit sich der Leser die Story Stück für Stück erarbeiten kann.Für mich ist die Auflösung ziemlich heftig, denn es gibt viele Verstrickungen von Personen mit hochrangigen Ämtern, von denen man es nicht geahnt hätte. Insgesamt aber logisch, wenn man die Geschichte und deren Hintergründe verfolgt.SchreibstilVon Anfang an ist der Text kompakt und fließend gestaltet. Der Autor ist in der Lage, den Leser unmerklich mitzureißen und in die Story zu geleiten, aus der man erst auf der letzten Seite wieder heraus kommt. Dabei benutzt er verschiedene Merkmale: Zum einen die Authentizität der Lokalitäten, Straßen und Gebäude.Ich hatte das Gefühl, in den Autos der Ermittler mitzufahren, denn er lenkt die Aufmerksamkeit auf Details, die zu Dresden gehören. Allein das "Blaue Wunder" müsste jedem ein Begriff sein. Man erfährt somit einen Teil der Stadtgestaltung und kann sich bildlich vorstellen, an welcher Stelle sich die Leute gerade befinden. Das bezieht sich auch auf die Verfolgung der PKWs, wenn sie einen Wagen zum Zwecke der Observierung verfolgen.Weiter gibt der Autor Einblick in die Lithografie. Dabei stellt er dies nicht nur einfach fest, sondern er erklärt die Herstellung und die Besonderheiten solcher Werke, so dass man sich eine solche Arbeitsweise gut vorstellen kann.In Zusammenhang mit der Verstrickung und Involvierung diverser Machenschaften von verschiedenen Personen, die zur Mafia oder auch der StaSi gehören, hat er ebenso authentisch recherchiert und dies geschickt in den Roman verflochten.Man könnte sagen, es ist eine politische Verarbeitung der DDR-Vergangenheit, den er in einen Krimi verpackt hat. Denn es sind Leute und Firmen mit Namen genannt, die einen Wiedererkennungswert abgeben. Einige Wahrheiten von bekannten Personen kommen ans Licht. Nennen werde ich sie an dieser Stelle aber nicht.Die erwähnte Einflechtung echter Fakten in einen Krimi erreicht der Autor durch zwanglose Gespräche, bei denen die Leute mit den Kriminalisten sprechen oder auch in Verhören in Form von Frage-Antwort-Manier. Auch Beweismittel sind im Buch enthalten, die durch Datum und Unterschrift authentisch benutzt werden. Die Geschichte des Thomas Vester oder anderer Personen ist an manchen Stellen in Erzählform gestaltet.~~~~LeseprobeZitat:Der F 348 setzte seine Fahrt fort. Hinter ihm fuhr ein dunkelblauer VW-Golf, der von der Tolkewitzer Straße nach rechts in die Salzburger Straße abbog. Aus der Leubener Straße kommend, nahm ihm ein grauer Ford die Vorfahrt. Giacomenti überholte ihn waghalsig und maulte etwas von Stümper, der sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halte. Am Ufer parkte er seinen Wagen vor einer Eisdiele, deren Besitzer er freundlich begrüßte. Der Ford hatte ein Stück weiter gehalten und auf einen grünen Polo gewartet; nach einer kurzen Unterhaltung der beiden Fahrer setzte der Polo seine Fahrt zur Elbfähre für Personen und Autos fort, die zwischen Kleinzschachwitz und Hosterwitz verkehrte.Zitat Ende.~~~Das Team um Barneby KernDie Kriminalisten der Mordkommission Dresden werden nicht nur als Ermittler dargestellt, sondern auch in ihrer Persönlichkeit. Man erfährt während des Lesens die Familienverhältnisse und Besonderheiten des jeweiligen Menschen.Es handelt es sich dabei also nicht um Arbeitsmaschinen, sondern um Leute, die Zweifel an ihren Theorien und den Verdächtigen haben, man kann mit ihren Gedanken mitgehen, mitdenken, fluchen und sich ebenso an ihren Ermittlungserfolgen freuen.Ebenso gibt der Autor Einblick in die Gefühlswelt der jeweiligen Person, den Teamgeist, der Integration eines neuen Kollegen, die Sorgen für Krankheit, Überdenken der Familienverhältnisse und deren Entschlüsse usw. usf. Auch das macht den Roman authentisch.~~~Somit wird das Buch an keiner Stelle langweilig, im Gegenteil: Ich habe den Eindruck gewonnen, es beinhaltet Wissen und kriminelle Arbeit in kompakter Form. Es gibt keinen Satz zu wenig oder zuviel. Es ist ein politischer Kriminalroman, der es in sich hat und spannend vom Anfang bis zum letzten Wort.Das Buch hat 291 Seiten, die sich lohnen. Wer einmal die "Mona Lisa" gelesen hat, der wird sicher auch Lust auf "Die Jagd auf den Inselmörder" bekommen - oder umgekehrt. Bei mir war es jedenfalls so.Eure DagSonja