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Graf von Falkenstein
05.07.2023
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Als im Jahr 2007 die Finanzkrise die Welt erschütterte, wurden schnell Schuldige gesucht. Diese glaubte man in Banken, Ratingagenturen und Hedgefonds gefunden zu haben, doch unterblieb die eigentliche Ursachenforschung.Der Autor stellt im vorliegenden Buch die Moderne Finanztheorie, nach welcher die vermeintlich Schuldigen agieren, auf den Prüfstand.Nachdem die Systemfrage ausblieb und das Finanzsystem keine Bereinigung erfuhr, sondern durch Zuführung von Liquidität seitens der Notenbanken,stabilisiert wurde, treten die Fehleinschätzungen auf welchen die Moderne Finanztheorie (MFT) basiert vermehrt zutage.Ein negativer Zins, wie er mittlerweile gängige Praxis ist, stellt eine Pervertierung des Finanzsystems dar. Der Zins ist eine Prämie für Konsumverzicht. Der Sparer schränkt seinen Konsum ein, bzw. verschiebt diesen in die Zukunft. Dies wird als geringe Zeitpräferenz bezeichnet.Notwendigerweise, muß die Entlohnung hierfur, (der Zins), positiv sein. Eine negative Zeitpräferenz, hieße, etwas später haben wollen, als früher und damit eine Verschwendung von Resourcen. Dies würde der Logik wirtschaftlichen Handelns widersprechen.Um den Wert eines Wertpapiers berechnen zu können, muß der verwendete Zins positiv sein. So läßt sich derzeit eine Bewertung nicht durchführen, es ist vielmehr ein Spekulieren auf steigende Preise.Die Notenbanken haben ein Interesse an geringen, oder Negativen Zinsen, wirken sie doch der Geldhortung entgegen und fördern so den Konsum, was nach der Keynesianischen Lehre als vorteilhaft zu werten ist. Zum Anderen, senkt es den Wert des Geldes und führt so, über eine Inflationierung, zur Entwertung der Schuld.So wird die Vermögenskonzentratio durch Kredite gefördert, indem Schuldenzinsen steuerlich abesetzbar sind. Keine Vorteile entstehen jedoch bei einer Finanzierung durch Eigenkapital. Dividenden müssen noch versteuert werden und der Empfänger muß darauf noch Kapitalertragsteuer entrichten. So wird in unserer Geldordnung der Geldwert ausgehöhlt, indem Eigentum von Gläubigern zu Schuldnern umverteilt wird.Geldhortung (Sparen) wird bestraft, es entsteht ein Zwang zum Geldverleih.Der von den Notenbaken gemanagte Marktzins, welche sich anmaßen, die Bedürfnisse des Marktes in allen seinen feinsten Nuancen besser zu kennen als seine natürliche Entwicklung an den Märkten, führt über Zyklen von Boom und Bust, regelmäßig zu Bereinigungen der Fehlallokationen, durch Insolvenzen. Greift die Politik, durch Zinssenkungen in den Zyklus ein, wird ein schwächerer Wachstumspfad beschritten, welcher größeren Schwankungen unterliegt. Selbiges war auch nach der Finanzkrise zu beobachten.Auf der Grundlage der Effizienz der Märkte (Efficient Market Hypothesis), in Verbindung mit dem Capital Asset Pricing Model, kann eine Anlageform nach entsprechender Risikoaffinität bestimmt werden. Diese tendiert bei geringem Risiko (Volatilität) und geringer Risikoprämie eher auf der Anleiheseite und bei höherer Risikotoleranz und damit einhergehender höherer Rendite, in die Aktienanlage. So kann über eine Kombination der Investmentvehikel, auf der Grundlage der "Mean Variance Optimization", das individuell gewünschte Rendite/Risiko Verhältnis ermittelt und umgesetzt werden.Die "Efficient Market Hypothesis" geht davon aus, dass in den Preisen der Gegenwart, alle verfügbaren Informationen enthalten sind und dass aus vergangenen Preisen, keine Prognose für die zukünftige Entwicklung erstellt werden kann. Die Vertreter dieser Hypothese gehen davon aus, dass sich eine Person, gleich einem "Homo Oeconomicus" verhält und blenden damit die sog. "Behavioral Finance", also die Bösenpsychologie, wodurch, laut Andre` Kostolany, 90% der Kursbewegungen entstehen, aus.Auf der Grundlage von Angst und Gier, läßt sich eine Trendanalyse, nach Charles Dow, kombiniert mit einer technischen Ananlyse, erstellen, welche auf den Handlungsschemata der Vergangenheit, eine Prognose der Zukunft ermöglicht.Würde sich das Handeln der Finanzsubjekte, allein auf der Hypothese effizienter Märkte stützen, wären irrationale Übertreibungen, deren Bereingiung mit schmerzhaften Einbrüchen einhergeht, nicht möglich. So widerlegt die Realität der Märkte, die Theorie und reduziert sie auf das Niveau der Hypothese, deren Namen sie auch trägt.Es ist sogar zu beobachten, dass die Anwendung der Modernen Fianztheorie (MFT), die Finanzkrisen der jüngeren Zeit erst ermöglicht haben.Stellt man die "MFT", die auf der Österreichischen Schule der Nationalökonomie basierenden Betrachungsweise (Austrian Finance), gegenüber, korrigiert diese, die offensichtliche Schwachpunkte der "MFT".Allem Voran, steht hier ein abweichendes Geldkonzept. Anstatt aus dem Nichts geschaffenes Passivgeld, steht hier, eine auf einen Wert gegründetes Aktivgeld. Allein dies würde der Möglichkeit unbegrenzter Verschuldung vorbeugen. So stellt die Schuld in der "MFT", die Grundlage der Anlage dar, während in der "Austrian Finance", Schuld vollständiger Haftung durch Eigentum unterliegt. Eigentum dagegen, die Grundlage unternehmerischen Handelns darstellt.So erscheint die "Austrian Finance" als die soliderer Finanzstruktur, stellt sie doch das Subjekt in den Mittelpunkt, durch dessen Einschätzung erst der Wert von materiellen, sowie immateriellen Dingen entsteht. Dem gegenüber steht die "MFT", mit der Annahme der objektiven Einschätzung aller Akteure, unter Anwendung sämtlicher verfügbaren Informationen als Handlungsgrundlage, was sich, wie bereits erwähnt, als nicht haltbar erweist.Der praktischen Umsetzung, des Investierens gemäß der "Austrian Finance", widmet der Autor leider nur ein kurzes Kapitel, anhand eines konkreten, wie ich finde, wenig repäsentativen Beisspiels (Kapitalvermögen und Altersstruktur bilden weniger als 5% der deutschen Bevölkerung ab), welches sich lediglich auf die Anlage in Aktien beschränkt.Da die Österreichische Schule Warengeld und Eigentum als fundamentale Grundlagen allen Investierens betrachtet, wäre meiner Meinung nach die Bewertung von anderen Anlagevehikel wie Edelmetalle, Immobilien, Dividendenaktien, sowie deren Diversifikation in einem Portfolio von Interesse gewesen, auch hinblicklich und als Reaktion auf das fragile Finanzumfeld.Diesbezüglich hätte, abweichend von der Beispielrechnung, die Anwendung einer Dividendenstrategie, bei gleichen Vorgaben ( € 47.782.- jährlicher Konsum; 4% Dividendenrendite), den Kapitalstock nach 20 Jahren nicht aufgebraucht, sondern es wären noch € 225.394.- übrig, womit beispielsweise ein früherer Renteneintritt finanzierbar wäre.Insgesamt ein sehr lehrreiches, akademisches Werk, bei welchem sich allerdings Anregungen, für die praktische Umsetzung des zuvor Betrachteten, in eine Kunst Geld anzulegen, auf einen etwas geringen Umfang beschränkt.
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Dr. Hans Schniewind, Singapur
05.07.2023
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In seinem Buch „Die neue Kunst Geld anzulegen“ argumentiert Thomas Mayer überzeugend, dass die einschlägigen finanztheoretischen Modelle die Realität nur ungenügend erklären. Thomas Mayer weist zu Recht darauf hin, dass Wertpapierkurse keineswegs leicht bestimmbaren Verteilungen folgen und somit „ungewiss“ sind. Der Versuch, Preisschwankungen zu berechnen, kann zu enormen Schäden führen. Diese Einsicht wird inzwischen von vielen Ökonomen geteilt (auch von Ökonomen außerhalb der Österreichischen Schule). Dennoch ist es wohltuend, dass Thomas Mayer die Sachlage noch einmal zusammenfasst und die Stichhaltigkeit des Österreichischen Gedankengerüsts hervorhebt.Überzeugend ist Thomas Mayer auch, wenn er betont, dass Geld volkswirtschaftliches Geschehen nachhaltig stark beeinflusst. Es führt in die Irre, von diesem Einfluss zu abstrahieren. Eine stark expansive Geldpolitik wie zurzeit schafft falsche Anreize und erhöht die Gefahr einer fehlgeleiteten Kapitalakkumulation. Die Österreichische Schule erklärt einleuchtend, dass Anpassungskrisen und sklerotische Wirtschaftsverhältnisse die Folge sein können.Der Titel des Buches ist „Die neue Kunst Geld anzulegen“.Es bleibt die große Frage, was die Österreichischen Einsichten für das einzelne Individuum bedeuten. Wie soll der handelnde Mensch sein Geld am besten anlegen?Vielleicht könnte man Österreichische Muster-Voraussagen befolgen. Im Mittelpunkt könnte etwa die Österreichische Einsicht stehen, dass die aktuelle Geldflut letztlich zu allgemeinen Preissteigerungen führen wird - einschließlich Kurssteigerungen für Aktien. Entsprechend müsste man den Aktienanteil seines Vermögens hochschrauben und die Bargeldhaltung vermindern.Aber wie geht man mit der ebenfalls Österreichischen Muster-Voraussage um, dass eine steigende Geldmenge eine richtige Kapitalverteilung behindern und zu Fehlinvestitionen führen wird? Welche Wirtschaftssektoren werden davon besonders negativ betroffen sein? Welche Aktien sollte man folglich meiden? Hier eine Lösung zu finden ist schwer! Thomas Mayer gibt, wenn ich es richtig überblicke, noch keine Antwort.Meines Erachtens liegt der erste Schritt zur guten Vermögensanlage in der Befolgung einfacher Regeln wie die Minimierung von Transaktionskosten und der Vermeidung von ständigem Umsatteln. Der zweite Schritt ist viel schwerer. Er liegt in einem Sich-Hineingraben in komplizierte Zusammenhänge. Frei nach dem (nicht Österreichischen) Wirtschaftswissenschaftler Paul Samuelson ist ein Schlagen des Marktes jenen Anlegern vorbehalten, die Investitionsmöglichkeiten eng genug untersuchen können, um aus besonderen Bedingungen Nutzen zu ziehen. Diese Einsicht, von der ich nicht weiß, ob sie Thomas Mayer teilt, widerspricht nicht der Österreichischen Schule. Die Einsicht ist aber auch nicht auf die Österreichischen Schule beschränkt.„Die neue Kunst Geld anzulegen“ ist ein lesenswertes Buch. Ich gratuliere Thomas Mayer. Erweiterte Auflagen dieses Werkes sollten folgen.