“Der Roman Noir ist ein Learning by Doing. Es ist Leben im Verdeckten, im Schatten und am Rande.Eine Disziplin, geeignet für Autodidakten, für Freigeister, für die sanftmütigen Verrückten der Utopie, für die von der Anarchie Faszinierten, die Feinde der schwarzen Ordnung.“ Diese Worte stammen von dem französischen Schriftsteller Jean Vautrin. Der 1933 in Pagny-sur-Moselle im Departement Meurthe-et-Moselle geboren Vautrin ist vor allem für seine Filme bekannt. Erst ab den 1970er Jahren begann er mit dem Schreiben von Romanen. Davon wurde Bloody Mary 1980 mit dem Prix Mystère de la critique und Un grand pas vers le Bon Dieu 1989 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.Mit der Comicadaption von Vautrins Werk „Der Mann, der sein Leben ermordete“, wird die Definition des Roman Noir auf das vortrefflichste erfüllt. Schräge Typen, Anarchie. Schon der Plot der Geschichte lässt die Verlierer in den Mittelpunkt rücken: Frisch aus dem Knast entlassen macht sich Frey auf den Weg alte Rechnungen zu begleichen. Sein einziges Motiv .... Rache. Unerwartet kreuzt sich sein Weg mit Carape, einem chronisch erfolglosem Privatdetektiv, der gerade bei einer Verzweiflungstat seinem ehemaligem Kollegen Inspektor Kowalski über den Weg läuft. Dieser wiederum befindet sich auf der Fährte eines großen Falles, um endlich in seiner auslaufenden Karriere wieder Oberwasser zu bekommen. Aus unterschiedlichsten Gründen verschlägt es die drei Protagonisten getrennt voneinander auf die Autobahn Richtung Toulouse. Bevor sie ihr Ziel erreichen können, sorgt ein seltsames Ereignis für eine entscheidende Wendung in ihren Schicksalslinien.Die Comicadaption hat immer dann ihre grossartigen Momente, wenn die Geschichte nachts, in der Dämmerung, im Regen, an heruntergekommenen Orten oder in miesen Hotels spielt. Kurz, immer übverall dort, wo es dunkel ist und sich Verlierer treffen. Und der Band ist voll von solchen Szenen. Es ist eine Wonne, mit den gestrandeten Gestalten des Romans in ihr Leben einzutauchen und abzutauchen in eine Welt, die man eigentlich nie betreten will. Nun, in Form dieses Romans ist es gefahrlos möglich. Die vom französischen Zeichner Moynots entworfene Szenerie greift die Stimmung des Prosawerkes kongenial auf. Seine Bilder brennen sich ein beim Betrachter, wecken Assoziationen und lassen den notwendigen Freiraum.Diese Adaption des 2001 erschienen Romans von Jean Vautrin vereint eine ganze Reihe genrebekannter Charaktere: den rachsüchtigen Ex-Knacki, den erfolglosen Privatdetektiv, korrupte Politiker, mysteriöse Frauen, einen Autisten und natürlich ...... jede Menge Leichen.
"Immer dasselbe! Kaum hat man was miteinander getrunken, ist man sich was schuldig. Und sobald man sich was schuldig ist, wird alles scheiße..."Dieses Zitat stammt von Francois Frederic Frey (oder kurz: einfach nur F.F.F). Der Anti-Held der Comic-Adaption des Roman Noirs "Der Mann der sein Leben ermordete" von Jean Vautrin hat seine Schuld abgesessen und rechnet nun mit allen Menschen aus seinem Leben ab. Das obige Zitat gibt sehr gut die resolute und satirische Grundstimmung der Graphic Novel von Emmanuel Moynot wieder. Es wird nicht lange "gefackelt" und der Revolver wird schnell gezückt - eben typisch Roman Noir. Der zynische Ton des Ich-Erzählers führt den Leser durch den Rachefeldzug des Ex-Häftlings, vorbei an Leichen, Hund und Ex-Frauen.Dabei begeistert "Der Mann der sein Leben ermordete" durch eine herrausragende Illustration: Moynot versteht es den Stil seines Vorbildes Jacques Tardi phänomenal weiterzuentwickeln und der harten "Gangart" der Erzählung auch grafisch gerecht zu werden. So hält er sich nicht mit allzu vielen Details auf und scheut auch nicht grobe Schraffuren. Der Stil hält eine ideale Balance zwischen Realismus und Skizzierung, Andeutung und Ausgestaltung. Besonders erwähnenswert sind zudem die weitestgehend flächigen Farben, die der Geschichte eine optimale Stimmung verleihen.Moynot ist ein bitterböser Krimi gelungen, der voll von genretypischen Figuren wie dem abgehalfterten Privatdetektiv und anderen skurrilen Nebenfiguren ist. Nicht nur Genre-Liebhaber werden ihre helle Freude an "Der Mann der sein Leben ermordete" haben, sondern auch Fans von skurrilen und zynischen Geschichten im Allgemeinen. Als Einleitung gibt es ein aufschlussreiches Vorwort des kundigen Comic-Journalisten Volker Hamann, der Moynots Werdegang in Hinblick auf Tardi skizziert.