Die Biographie über den Kriegsminister, Generalfeldmarschall und Ministerpräsidenten Albrecht von Roon, verfasst von Guntram-Schulze-Wegener, ist aus vielerlei Gesichtspunkten als sehr gelungen zu betrachten.An erster Stelle ist hier zu nennen, dass die vielen letztlich unbekannte, historisch für die Entstehungsgeschichte des deutschen Kaiserreichs jedoch sehr wichtige Person des Albrecht von Roon, mit diesem Werk erstmals seit längerer Zeit vorgestellt wird. Von Roon ist in der Zeit der Einigungskriege bis hinein ins Kaiserreich als Kriegsminister einer der Architekten des preußischen Aufstiegs zur Großmacht in Europa und damit eine Schlüsselpersönlichkeit. Seine große Leistung war die Durchführung der von König Wilhelm 1. beauftragten Heeresreform, die dazu führte, dass im Krieg von 1866 ein schlagkräftiges Heer innerhalb kürzester Zeit ins Felde geführt werden konnte. Durch den Sieg 1866, der auf Basis einer überlegen Strategie und den positiven Auswirkungen eben der durch von Roon durchgeführten Heeresreform zu Stande kam, wurde auch der Dauerstreit über die Finanzierung des Militärs, der zwischen dem Preußischen Parlament und der königlichen Regierung über viele Jahre andauerte, beendet.Albrecht von Roon erlebte als königstreuer und konservativer Diener seines Herrn König Wilhelm 1., dem späteren 1. Deutschen Kaiser, die Zeit des demokratischen Erwachens über die Kriege gegen Dänemark und Österreich bis hin zum Krieg gegen Frankreich 1870-1871 und hat diese Zeit entscheidend mitgeprägt.Das Buch beschreibt jedoch nicht nur sein Wirken und Handeln, sondern jeweils auch den politischen Kontext des Geschehens sowohl im In- als auch im Ausland. Spannend sind hier auch Kurzbiographien von Weggefährten bzw. wichtigen weiteren Personen, wie beispielsweise Graf Moltke (Generalstabchef). Moltke wird hier als derjenige Militär beschrieben, der als erster wie kein anderer die Nutzung neuer Techniken für den Krieg erkannt und diese konsequent in seinem Handeln und Denken umgesetzt bzw. integriert hat.Dazu ist es dem Autoren gelungen, aus Originalschreiben von bzw. an Albrecht von Roon zu zitieren und dem Leser so die Möglichkeit zu geben sich in das Denken des Herrn von Roon sowie in das seiner Zeitgenossen einzufühlen.Ein wichtiges Werk für geschichtsinteressierte Leser, die sich für den Aufstieg Preußens und die Gründung des Kaiserreichs interessieren. Auf über 300 Seiten hat der Leser die Gelegenheit in einen spannenden deutschen Zeitabschnitt einzutauchen.
Dennoch hat der Historiker Guntram Schulze-Wegener mit seinem neuesten Buch "Albrecht von Roon. Kriegsminister, Generalfeldmarschall, Ministerpräsident." ein grundsolides und informatives Werk vorgelegt.Schulze-Wegner zeichnet in diesem zweihundertfünfzig Seiten das Leben des preußischen Generals Albrecht von Roon, Kriegsministers unter Kaiser Wilhelm I. von 1859 - 1871, nach. Der Autor will Roons Bedeutung für die Entwicklung in Preußen im 19. Jahrhundert, insbesondere im Kontext der Reichseinigungskriege vzwischen 1864 und 1871, aufzeigen, wo Roon nach Ansicht seines Biographen zu Unrecht zu sehr im Schatten seiner Weggefährten Bismark und Moltke steht. Letzte sind nicht nur viel bekannter, sondern haben bisher auch mehr Aufmerksamkeit seitens der Historiker und somit auch der Biographen genossen. Einzig über die sogennannte Roonsche Heeresreform, mit der der Name des Kriegsministers untrennbar verknüpft ist, hat bisher ide Aufmerksamkeit der Historiker auf sich gezogen, daneben ist diese meist nur noch wirklich stark an der preußischen Geschichte interessierten Lesern bekannt. Schulze-Wegners will mit seiner Biographie nicht nur eine Forschungslücke schließen sondern auch der Person Roons die seiner Ansicht nach verdiente Aufmerksamkeit schenken.Schulze-Wegners gut recherchiertes und auf einer breiten Quellenbasis fußendes Buch ist in die zwei Kapitel Aufstieg und Macht unterteilt.In Aufstieg zeichnet der Autor den Lebensweg Roons bis zum preußischen Kriegsministerium nach und gibt anhand von umfangreichen Quellenzitaten einen Einblick in das Denken dieses durch und durch preußischen Berufsoffiziers. Roon gelang es aus den bescheidenen Verhältnisses eines "verarmten" Landadeligen, der sich nur mühsam seine schulische Ausbildung an einer Militärakademie leisten konnte,zum Generalleutnant und Erzieher der preußischen Erbprinzen aufzusteigen und somit sich des Vertrauenes und der höchsten Wertschätzung des Monarchen zu erfreuen. Schulze-Wegner macht deutlich, dass Roons gesamtes berufliches Schaffen durch seine konservative Vorstellung des Offizier seins und seiner unerschütterlichen Treue zum König geprägt war. Aufgrund dieses Treueverhältnisses übernahm Roon dann auch auf Wunsch des preußischen Königs Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhelm I., dann das Amt des preußischen Kriegsministers, obwohl Roon die Rolle als Politiker nicht behagte. Die Auseinandersetzungen mit den Abgeordneten im Landtag, wo immer wieder um das Budget für die Armee gestritten wurde, waren Roon zutiefst verhasst, er sah sich eher in der Rolle des königlichen Offiziers, der die Armee als feste Säule des preußischen Königtums weiter aufrecht erhalten wollte.Schulze-Wegner vermag, trotz der von ihm als hervorragend bezeichneten Quellenlage die sich unter anderem auf umfangreichen persönliche Aufzeichnungen Roons stützen kann, nur ein sehr unscharfes Bild von der Person des Generalfeldmarschall Roon zu zeichnen und dies ist das kleine Manko dieser Biographie, das Fehl zur ausgezeichneten Lebensdarstellung. Weder erfährt der Leser wie Roon sich als Vater und Ehemann darstellte, noch gewinnt seine Persönlichkeit in den verschiedenen militärischen Führungspositionen oder als preußischer Kriegsminister wirklich fassbare Konturen. Auf sein Verhältnis zu Bismark wird zwar eingegangen, allerdings hätte ich mir auch hier ein wenig mehr Tiefe gewünscht. In den politischen und militärischen Entscheidungsprozessen seiner Zeit ist es dem Autor dagegen gelungen, Ronns Rolle umfangreich darzulegen. Ab und an gelingt es Schulze-Wegener der Gestalt Konturen aus den Quellen zu verleihen, aber zumeist ist dies nur ein kurzes Aufblitzen, dann gleitet er aber wieder ab in langatmigen Beschreibungen der Umstände und anderen Personen aus dem Umfeld Roons ab. Sehr schade, bisweilen wirkt dieses Buch mehr wie eine Darstellung der politisch-militärischen Geschichte Preußens im 19. Jahrhundert als eine Biographie Roons. Ausführliche, sich über Seiten erstreckende umfangreiche Schilderungen der Schlachten von Königgrätz, Sedan oder an den Düppeler Schanzen oder eine mehrseitige zusammenfassende Darstellung des Lebens von Moltke sind zwar sehr gelungen, berühren das Leben und Wirken Roons aber nicht unmittelbar, so dass es mir ein wenig so vor kam, als fehle dem Buch der rote Faden. Zudem erschwert Schulze-Wegeners getragener, ein wenig schwer wirkender Schreibstil die Lektüre, der Autor vermag es nicht den Leser zu fesselt, wie es dies geübten Biographen gelingt. Es hat ein wenig etwas von einer Fleißarbeit, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen.Insgesamt gesehen kann ich dieses Buch nur denjenigen Lesern empfehlen, die eine Biographie Albrecht von Roons suchen, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt oder sehr an der preußischen Geschichte interessiert sind. Lohnenswert und informativ ist dieses Buch trotz der aufgezeigten Defizite allemal, auch wenn ich mir persönlich etwas mehr erhofft hatte.