★★★★★
k.A.
04.08.2026
ean-shopping.de
Die Aufmachung des Bandes wirkt robust und die Druckqualität ist gut zu erkennen. Die Bindung hält das Material zusammen, und das Buch lässt sich gut umblättern. Beim Durchlesen fiel mir auf, dass die Textdarstellung gut lesbar ist. Für das Archivieren von Material ist die Erscheinung in Ordnung.
Das neue Buch von Andreas Vonderach ist sehr gut gelungen und hat auch mir bisher unbekannte Fakten und Aspekte aufgezeigt. Der Autor behandelt die Geschichte und den konkreten Verlauf der Besiedlung des deutschen Gebietes östlich der Elbe. Hier, am Elbfluss, hatte etwa zur Zeit Karls des Grossen das geschlossene Siedlungsgebiet der deutschen Stämme geendet. Die Eroberung und Besiedlung der Regionen östlich der Elbe dauerte Jahrhunderte. Dabei wurde die verstreut lebende ostelbischen Vorbevölkerung, hauptsächlich bestehend aus Slawen, aber auch Balten, allmählich eingedeutscht und vermischte sich mit den deutschen Siedlern. Andreas Vonderach gibt über diese neu entstandene Bevölkerung, aus verschiedenen deutschen Altstämmen und Resten der anderssprachigen Vorbevölkerung gemischt, nun anthropologische Beschreibungen ab. Er erfasst nicht nur das deutschsprachige geschlossene Gebiet, sondern auch die deutschen Sprachinseln noch weiter östlich. Mir hat auch gut gefallen, dass der Autor erläutert, wie das Aussehen der Bevölkerungen durchaus Informationen über deren genetische Herkunft und Verwandtschaft vermittelt. Nicht immer konkret über das einzelne Individuum, aber immer über ganze Völker und Stämme, denn jeder Mensch ist ja eingebunden in ein weites Netz von genetisch mit ihm verwandten Mitmenschen, die eben seinen Stamm und/oder sein Volk bilden. Die Genetik zeigt uns heute ebenfalls ganz genau, wie diese Verwandtschaftsverhältnisse strukturiert sind, allerdings sind die Aussagen der Populationsgenetiker meist unanschaulich, so dass für uns Laien die anschaulicheren Darstellungen der morphologischen Anthropologie verständlicher sind. Wichtig ist übrigens, dass die naturwissenschaftlich exakt arbeitenden Genetiker die Ergebnisse der klassischen Anthropologen, denen manche Kreise heute Unwissenschaftlichkeit vorwerfen, wohl durchweg bestätigen.Andreas Vonderach beschreibt aber nicht nur die regional unterschiedliche Typenverteilung der ostdeutschen Bevölkerungen, sondern auch die unterschiedliche Typenverteilung in den sozialen Schichten und Berufsgruppen. Und um das noch zu toppen, legt der Autor auch noch Daten zur unterschiedlichen Begabungsverteilung in den sozialen Schichten vor. Das Ganze auf solider Datenbasis, auf der Grundlage älterer anthropologischer Untersuchungen, ergänzt durch neue eigene Analysen von Andreas Vonderach. Ein Buch, dass so komprimiert geographische Anthropologie und Sozialanthropologie verbindet, ist eine echte Besonderheit. Unbedingt lesenswert!
Diese kleine Monographie gibt einen hervorragenden Einblick in die Arbeit der Anthropologen bevor DNA-Analysen technisch ausgetüftelt und preiswert wurden. Erstaunlich, zu was für aussagekräftigen Befunden die empirischen Forscher durch die bloße Kategorisierung des Äußeren (Phänotyp), der Familiennamen, der Schul- und Berufsqualifikationen und Sprachfamilien kommen. Die germanische Ostmigration (alles rechts der Elbe) war danach eine äußerst vielgestaltige Siedlungsbewegung mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen von fast vollständiger Assimilation germanischer und slawischer Bevölkerung in Mitteldeutschland bis zur streng segregierten Oberschichtpropfung der Baltendeutschen oder dem kompletten Verschwinden indigen-prussischer Kultur in Ostpreußen spätestens mit Ende des 17. Jahrhunderts. Wie stark solche sozialbiologischen Phänomene den Ausgang dieser Ostmigration beeinflussten, ist nicht Gegenstand dieser hochinteressanten Arbeit. Dass es hier atemberaubende Befunde gibt, hat jüngst der Paläogenetiker Prof. Johannes Krause publiziert, danach verschwand z.B. durch die Masseneinwanderung von osteuropäischen Steppenbewohnern vor etwa 3000 Jahren (vorwiegend junge Männer migrierten) innerhalb kürzester Zeit 80% des vorher einheimischen westeuropäischen Genpools. Es fand ein regelrechter Bevölkerungsaustausch statt mit weitreichenden Folgen. Diese Befunde der Archäogenetiker werden zur Kenntnis genommen, vielleicht auch, weil sie auf die Verwendung des im Wissenschaftsenglisch immer noch gebräuchlichen „race“ konsequent verzichten, um sich nicht dem Vorwurf eines "Gen-Rassismus" auszusetzen. Andreas Vonderach bleibt bei „Rasse“ und vielleicht könnte er dem Vorschlag von Prof. Heiner Rindermann in einer zweiten Auflage folgen und „Rasse“ durch „Subspezies“ ersetzen. Denn leider setzen heute viele deutsche Leser „Rasse“ mit „Rassenkunde und Rassismus“ gleich oder negieren die Existenz von "Rassen" grundsätzlich.
Die Vertreibung der Deutschen aus den Gebieten östlich von Oder und Neiße und aus dem Sudetenland war einen totale. Man darf deshalb annehmen, daß große Stichproben im Westen, wenn sie die Flüchtlinge selbst oder ihre Kinder erfassen, repräsentativ für die ursprünglichen Wohnorte sind, wenn man sie erfragt hat.Das macht sich der Verfasser zunutze und legt eine Analyse vor, die Erstaunliches zutage fördert oder bestätigt. Beeindruckend finde ich vor allem die Übereinstimmung zwischen Besiedlungsgeschichte und anthropologischen Merkmalen in Ostpreußen.Die Daten aus der Sowjetzone hätte der Verfasser besser ganz weglassen sollen. Denn von da nach Westen war die Flucht stets ein selektiver Vorgang.