★★★★★
Nathalie Verena Ulrich, AUT
21.08.2024
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Diese Novelle ist eine schockierend realistische Studie über die Sprachlosigkeit, Kommunikationsunfähigkeit, emotionale Unterentwicklung und das allgemeine Artikulationsdefizit eines Mannes im mittleren Alter namens Luc und wohin das alles führen kann. Erzählt wird weit überwiegend aus der Perspektive der leidtragenden Frau namens Rose, nur sehr selten erleben wir eine gewisse Innensicht von Luc.Rose wird als wehrhafte gestandene, stark im Leben stehende Frau präsentiert, die schon sehr viel miterlebt hat - vor allem in Bezug auf Männer -, wie die meisten von uns. Zufällig trifft sie auf Luc. Dieser wird von Beginn an als klassisch-verschlossener Mann und Patriarch gezeigt, der nicht über seine Gedanken, Gefühle und Probleme sprechen kann, der sich und sein Inneres inkl. seiner Sorgen und Ängste nur vollkommen unzureichend bis gar nicht artikulieren kann. Außerdem ist er traditionell konservativ patriarchal eingestellt, was Familie und Finanzen betrifft. Und das alles zusammen ist ein riesen Problem nicht nur für Rose, sondern für uns alle, denn solche (besitzergreifenden) Männer bilden noch immer die Mehrheit in unserer Gesellschaft. Die alten Rollenbilder der harten Buben, die nicht weinen und ihre Gefühle zeigen dürfen, befinden sich zwar in gewissen Milieus in Auflösung, aber leider bei weitem noch nicht in allen. Noch viel zu oft wird das alte veraltete konservative Bild des "starken" "perfekten" Mannes als Ernährer und Familienoberhaupt tradiert, das gleichfalls nicht nur uns Frauen sondern unsere gesamte Gesellschaft in stillstehender beängstigender Geiselhaft von oftmals gewalttätigen Männern und ihren Seilschaften hält. Wenn dann solche Männer mit existenziellen Problemen und Ängsten konfrontiert werden - dazu zählen auch Potenzprobleme -, die sie nicht verbalisieren können, und über die sie mit niemandem sprechen (können/wollen), führt das in eine existenzialistische möglicherweise letale Katastrophe.Rose und Luc eint auf ihrem Weg ihr Hang zum Teufel Alkohol, dem ohnehin die Zerstörung von allem innewohnt.Nicolas Mathieu zeigt das alles nicht bewusst auf, er macht nicht alle meine erwähnten Punkte zu seinem vordergründigen Thema, aber die meisten davon, denn natürlich hängt alles in unserer Männergesellschaft bzw. Patriarchat zusammen. Mathieu ist ein richtig guter Autor, dessen Buch "Wie später ihre Kinder" ich nachdrücklich empfehlen kann. Hier wie dort kann er sich ausnehmend und sensibel gut in seine Frauenfiguren hineinversetzen. Und hier wie dort zeigt sich, dass er nicht nur Feminist ist, sondern auch richtig gut schreiben kann. "Rose Royal" ist eine feministische Studie bzw. Novelle, die ich rundum empfehle und der ich sehr gern 5 Sterne gebe.
Mit diesem habe ich zwei weitere Bücher bestellt, beim selben Händler, in derselben Bestellung. Die Qualität aller bestellten Bücher war gut, wie beschrieben. Ankunft zwei Tage nach Bestellung, völlig ok. Unfair fand ich, dass dreimal Versandkosten abgerechnet wurden, obwohl alle Bücher in demselben Päckchen versandt wurden.