★★★★★
Fuchs Werner T. Dr
10.07.2023
amazon.de
Als der aussergewöhnliche Fotograf Stefan Moser 2018 starb, meinte der Verfasser dieser wunderbaren Hommage: «Stefan Moses war ein Mensch aus einer Welt, die es nicht mehr gibt.» Dieser Bild hinterlässt bei mir den Eindruck, dass es auch die Fotografen nicht mehr gibt, die ihren Beruf so ausüben wie Moses und Frauenbilder so zeichnen können wie er. Ohne ideologische Spuren zu hinterlassen, dokumentiert er Leben und Lebendiges, wobei aufmerksame Beobachter seine Ausbildung zum Kinderfotografen zumindest erahnen.Die treffenden und erhellenden Texte von Christoph Stölzl und die vielen Zitate von Stefan Moses machen es dem Rezensenten schwer, bessere Worte für die Qualität der Bilder zu finden. Festzuhalten ist sicher, dass der Jude Stefan Moses ein deutscher Fotograf war, obwohl er die Schule aufgrund seiner Herkunft verlassen musste und ein Zwangsarbeitslager überlebte. Seit 1950 in München ansässig, begann er die Deutschen systematisch zu fotografieren. Und wie dieser Bildband zeigt, holte er nicht nur bekannte Persönlichkeiten und Frauen vor die Kamera.Der Titel «Die Zeit der Frauen» könnte verstanden werden, als käme diese Ära erst jetzt. Aber das wäre natürlich eine Fehleinschätzung und würde genau dem nicht gerecht, was das Werk von Stefan Moses auszeichnet. Weil er das allgemein Menschliche sieht, bei einem Gegenüber erkennt und mit seiner Kunst überzeitlich einfriert, sind Zeitangaben obsolet. Oder anders gesagt: Moden gehen vorbei, Stil bleibt.Die Reihenfolge der porträtierten Frauen ist weder chronologisch, noch thematisch. Jedenfalls hatte ich keine Ordnung entdeckt, die ich benennen könnte. Mir kommt dieses konzeptionelle «Chaos» entgegen, weil mich Bildlegenden und allzu durchsichtige Raster schon immer gestört haben. Aber vielleicht ist mir einfach entgangen, was Christoph Stölzl mit der bunten Folge beabsichtigte.Mein Fazit: Der Elisabeth Sandmann Verlag, an dem die Suhrkamp Verlagsgruppe seit 2016 eine Mehrheitsbeteiligung hat, bietet ein Programm, das unter dem Motto «Schöne Bücher für kluge Frauen» steht. Aber weil sich dahinter keine einschränkende Ideologie verbirgt, kann es auch Männer begeistern und Männer als Hauptakteure oder Herausgeber akzeptieren. Der beste Beweis für diese Haltung ist diese Hommage an einen grossartigen Fotografen und seine porträtierten Frauen. Ein Kompliment gebührt auch der Gestaltung und der Druckerei.
Tolle Bilder von klugen schönen und witzigen Frauen, die rebellisch waren, widerspenstig, da kann sich die junge Generation eine Scheibe abschneiden. Die kurzen Texte dazu sind herrlich leichtfüßig, ein toller Band, richtig klasse!