★★★★★
Husch E. Hinkebein
01.06.2024
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Spannend, originell, authentisch, vorurteilsfrei, literarisch und kritisch gegen Ost wie West! Das beste, was ich über die Wendezeit gelesen habe! Und auch unabhängig vom Thema einer der beste Romane der letzten 20 Jahre! -Grohs Stil mag anfangs durch scheinbar springende Gedanken in kurzen Sätzen etwas anstrengend wirken, belohnt dann aber mit einer Zeitreise, die den Leser vollkommen gefangen nimmt: Durch die Augen und Gedanken von Ludger Braun erlebt man noch einmal den Herbst 1989 bis zum Fall der Mauer - bereichert allerdings um zahllos neue Eindrücke und Details, an die man sich teilweise erinnert, vielfach aber neu und verblüffend sind.Ludger, der Protagonist des Romans, ist Ende zwanzig und steht am Beginn eines Berufslebens, zu dem ihm ebenso jede Motivation zu fehlen scheint wie zu irgendetwas anderem im Leben.Nach dem unerwarteten Tod seines jüngeren Bruders durch einen Schlaganfall, wird Ludger von den WG-Mitgliedern seines Bruders gedrängt, dessen Rolle bei einer Fluchthilfeheirat einzunehmen. Da Ludger seinem Bruder sehr ähnlich sieht, soll er anstelle des Verstorbenen die junge Ostberliner Dissidentin Rachel heiraten, um ihr später die Ausreise zu ermöglichen. Ludger weiß gerade nichts besseres mit sich anzufangen und fährt also nach Ostberlin.So gerät er in Kontakt mit einer umtriebigen Dissidentenszene, von der er freundlich aufgenommen wird. In seiner Hamburger Heimat macht die Contergan-geschädigte Franzi aus der WG seines Bruders ihm weiter Druck - und da bei den Grenzübertritten keine Probleme auftreten, lässt Ludger sich schließlich auf das Spiel ein.Wie sich die äußere Handlung weiter entwickelt, sei hier nicht verraten. Spannend, komisch und tragisch zugleich ist es auf jeden Fall, was sich hier weiter zwischen Ost und West entwickelt. Vor allem aber ist es so genau und stimmig beobachtet und aufgeschrieben, dass vermutlich jeder West- und jeder Ostdeutsche viel über das damalige Leben und die zahllosen Details des Alltags lernen kann.Der Autor, der aus Kiel stammt und heute in Ostdeutschland lebt, schreibt hier so völlig frei von Klischees über die Begegnung von Menschen, dass es einfach nur faszinierend ist, jede seiner Figuren kennen zu lernen. Keine ist plakativ, jede wirkt so authentisch, als sei sie Groh damals in Fleisch und Blut über den Weg gelaufen.Das ist einfach toll zu lesen und macht das Buch zu etwas ganz Besonderem! Wer etwas über die Wendezeit erfahren will oder nach einem Ansatz sucht, wie sich Ost und West heute besser verstehen könnten oder einfach nur eine spannende und lustige Geschichte über diese junge Vergangenheit sucht oder wer einfach mal wieder erleben will, wie eine ganz eigene Sprache eine neue Wirklichkeit zaubert, wenn man sich auf sie einlässt, der ist hier genau richtig.Eine dicke Empfehlung - und natürlich 5 Sterne! Was für ein tolles Buch für jeden literarisch interessierten Leser!
Colòn ist ein besonderes Buch. Der Stil des Autors mag anfangs gewöhnungsbedürftig sein - bergen jedoch eine selten so gelesene Authentizität und Direktheit. Hier wird aufgeräumt mit jeglichem Ostralgie-Kitsch und Klischees des Mainstreams - wie eine Art Nachhilfestunde für jene, die vergessen haben oder nie wussten, was in den letzten Tagen des untergehenden Landes die Menschen bewegt hat. Noch deutlicher als diese politischen Aspekte zeigt der Roman jedoch die Mentalität der "Ossis", die sich von der westdeutschen "Anything goes"-Gesellschaft nicht schärfer abrenzen könnte und deswegen wohl leider unter dem Rader der großen Medien blieb. Unbedingt lesen!
Das Buch „Colon“ hat mir super gefallen! Der Schreibstil von Jan Groh ist einzigartig und sehr humorvoll. Das Thema ist sehr spannend und man kann einiges lernen. Es hat meine voreingenommene Sicht auf manche Thematiken verändert. Schade, dass dieses Buch nicht direkt über Amazon zu kaufen ist.