Auch dieser Augenzeugenbericht über den Genozid an den Armeniern verdient, daß er nicht in Vergessenheit gerät. Die Schilderungen der verhältnismäßig wenigen Überlebenden gleichen sich in nahezu allen Punkten. Es sind genug davon vorhanden, um ein genaues Bild des Geschehens zu bekommen. Die historische Forschung außerhalb der Türkei hat den Genozid in allen wesentlichen Aspekten rekonstruiert. Doch gerade subjektive, persönliche Berichte von Betroffenen ergänzen die nüchterne Bilanz einer siebenstelligen Zahl an Ermordeten.Der Genozid an den Armeniern wurde von der türkischen Führung im Osmanischen Reich geplant und durchgeführt. Sehr viele Türken beteiligten sich aus eigenem Antrieb an Mord, Vergewaltigung, Folter und Raub. Wenige Einzelne zeigten gelegentlich Mitleid. Sich offen dagegen zu stellen, war selbst für Türken ein unkalkulierbares Risiko. Die Masse, durch Propaganda aufgehetzt, stand grundsätzlich hinter dem Plan der Ausschaltung der christlichen, armenischen Präsenz im Osmanischen Reich.Entgegen der Ansicht der Verfasserin („wurdet ihr Opfer einer von Deutschland erdachten Vernichtungspolitik“, S. 37) kann das damalige Deutsche Reich nicht als Verursacher oder gar Hauptverantwortlicher bezeichnet werden. Kein Historiker würde heutzutage derartiges behaupten. Erst recht kann man nicht von einer „deutschen Vernichtungspolitik“ sprechen. Die Autorin stand 1919 anscheinend noch unter der im Stile der angeblich „abgehackten Kinderhände in Belgien“ und unzähliger weiterer Erfindungen stehenden alliierten Kriegspropaganda, die skrupellos beim Erfinden von Unwahrheiten war.Auch wenn man berücksichtigt, daß die Armenier gegen die Mittelmächte eingestellt waren, ja sogar die zaristische Armee unterstützten und bereit waren, über einen Guerillakrieg hinaus aktiv sich am Krieg zu beteiligen, ändert dies nichts am Tatbestand. Die separatistischen, militärischen und terroristischen Aktivitäten der Armenier darf man jedoch nicht ignorieren.Die planenden Täter verfolgten einerseits islamisch-religiöse, andererseits aber ebenso chauvinistische Motive. Sie fanden massenweise willige Vollstrecker. Die Lust am Morden und Foltern, Raubgier und grausamste sexuelle Lustbefriedigung auf verschiedenste Art und Weise durch die Handlanger und Trittbrettfahrer sind gut dokumentiert.Der Völkermord der Türkei an den Armeniern unter Mitwirkung von Türken, Kurden, Tscherkessen, Arabern usw. ist unbestreitbar. Die Rolle Deutschlands, das über das Geschehen unterrichtet war, ist kritisch zu sehen, da es nichts dagegen unternahm. In einem Weltkrieg mit einem Kampf auf Tod oder Leben hat Deutschland zugesehen, wie das Osmanische Reich eine aus dessen Sicht vorhandene Gefahr in seinem Inneren rigoros beseitigt hat. Welche Möglichkeiten Deutschland tatsächlich hier gehabt hätte, muß allerdings Spekulation bleiben. Angesichts des Vernichtungswillens der Türken waren sie auf jeden Fall äußerst beschränkt. Man entschied sich auf deutscher Seite für den Primat der Sicherung des Bündnisses und der militärischen Notwendigkeiten.Was bleibt, ist eine Mahnung an die Nachwelt, die historische Wahrheit über diesen Genozid wachzuhalten und nie wieder einen Genozid zuzulassen.