Die Geigerin Rebekka Hartmann gehört zweifellos zu den fesselndsten Musikern ihrer Generation. Da ich das Glück hatte, sie in Döbeln mit dem großen Violinkonzert von Allan Pettersson zu hören, dem wohl schwersten Violinkonzert überhaupt (vor ihr haben es anscheinend nur Widmungsträgerin Ida Haendel und Isabelle van Keulen gespielt), kann ich bestätigen, dass sie technisch und tonlich heute zu den Besten ihres Fachs zählt, und dass sie angesichts dessen eigentlich noch viel bekannter sein müsste. Aber das wird, bei der unbändigen Energie und erlesenen Spielkultur, die sie auf der Bühne überträgt, wohl noch kommen. Umso mehr war ich gespannt, wie diese CD mit seltenen Barockstücken aus Deutschland, Italien und Frankreich sein würde. Nun, dieses technisch teilweise extrem knifflige und heikle Zeug ist grandios gespielt, geigerisch makellos, hochpräzise, mit teils fast ein bisschen zu hoher Anspannung, doch stets mit einer inneren Intensität, die den Hörer nie sich in abwegigen Träumereien verlieren lässt. Stilistisch wirkt das Ganze ein wenig hybrid, als könne sich die Künstlerin nicht so ganz entscheiden, ob sie nun sich in den Fahrwassern der musikwissenschaftlich propagierten "historischen Aufführungspraxis" bewegen oder ihre Flügel wirklich ausbreiten und einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen möchte. Dieser Einwand kann nicht darüber hinweg täuschen, dass sie wie sonst vielleicht nur noch der Brite Andrew Manze eine begnadete Musikerin ist, die sich zwar noch gewisse Fesseln scheinbarer "Korrektheit" anlegen lässt, jedoch auf dem besten Weg ist, alles erblassen zu lassen, was die Barockszene an Geigenspiel zu bieten hat. Auf jeden Fall eine fuminante Platte, auf der mir als Kompositionen ganz besonders die Variationen von Guillemain, die halsbrecherische Etüde von Geminiani und die vor allem in der Fuge zum Verwechseln von Bach befruchtete Sonate von Rust gefallen. Die Geige spricht hier oft noch etwas mehr als sie singt, und wo sie wirklich singt, stellt sich ein gemeinsamer Atem mit dem Hörer und eine bewegende Folgerichtigkeit ein.Birth of the Violin