Man glaubt es kaum, aber es kommt alles vor in diesem Buch: tätlicher Angriff von Hinterrücks, zerrüttete Familie, die im Drama wieder zueinander findet, Missbrauch, Mord, Suizid, Suizidversuch, Brandstiftung, Bedrohung, Erpressung, Unfall mit Todesfolge, Depression, Abtreibung, unerfüllte Liebe, außereheliche Affäre, Vertrauensbrüche über Vertrauensbrüche, Traumata, Schicksalsschläge, drohende Insolvenz, Entführung, Betrugsversuch, Internat (ja, sogar das!).Mir persönlich war das alles ein bisschen zuviel des Guten bzw in diesem Fall des Schlechten. Die Geschichte ist total überladen mit dramatischen Vorfällen und menschlichen Dramen und fast ausnahmslos alle Personen, die eine tragende Rolle spielen, haben Schicksalsschläge und schwere Prüfungen im Leben erlebt oder erleben sie im Laufe der Geschichte. Was dann ausführlich und mehrfach wiederholt ausgebreitet wird, auch wenn es für die Geschichte an sich unnötig ist. So wird das Ganze sehr lang und immer wieder sehr, sehr dramatisch. Puuh. Ein Drittel davon hätte meiner Meinung nach auch gereicht und die Geschichte wäre trotzdem spannend geblieben.Neben den ganzen menschlichen Dramen gibt es auch kleinere "Happy ends" im Sinne von am Ende doch Loyalität, Vertrauen wieder hergestellt, wahre Freundschaft und Zusammenhalten etc. Das fand ich dann wiederum auch unglaubwürdig bzw schon ein bisschen arg schwülstig. So nach dem Motto Menschen machen (im Buch teilweise sehr schwerwiegende) Fehler, sind am Ende aber doch herzensgut und bügeln das damit auch wieder aus. Aha.Was mich total genervt hat, war die teilweise völlig blödsinnige Vorgehensweise der Protagonistin Frida, die übrigens Polizistin ist, auch wenn man es kaum glauben mag. Okay, als Teenagerin hat sie der Polizei aus Angst etwas verschwiegen. Kann man noch nachvollziehen. Aber auch nachdem die Katze etliche Jahre später aus dem Sack ist und sie es dem Kommissar endlich erzählt hat, geht es so weiter - sie bekommt eine neue Information, verschweigt sie erstmal und macht im Alleingang weiter, um sich ihm dann später doch "anzuvertrauen". Ja, so einen Eindruck macht es, mit professioneller Polizeiarbeit hat das nichts zu tun. Und dann das gleiche nochmal. Und nochmal. Die Informationen und Details unterscheiden sich, die Handlungen von Frida kaum. Lernt nichts dazu, verhält sich wieder so- und der soll man abnehmen, dass sie eine der besten ihres Jahrganges auf der Polizeiakademie ist und zur Kripo will? Nee. Klar ist es in Krimis immer spannender, wenn die Ermittler auf eigene Faust und ohne Verstärkung losziehen anstatt nach Vorschrift vorzugehen, aber hier war auch das ein bisschen viel.Naja, aber spannend fand ich die Geschichte anfangs doch und ich wollte auch wissen, wie es ausgeht, daher quetschen ich mir doch zwei Sterne raus.