Ich schlug mich - wie vermutlich alle Eltern - immer irgendwo zwischen autoritären Einflüssen und sanften Überredungskünsten durch. Mein Sohn ist mittlerweile 3 1/2, voll in der Trotzphase und ich denke alle Eltern mit aktiven kleinen Jungs, wissen wovon ich dabei rede ;-)Dieses Buch half mir zum einen meine gekünstelte Mami-Stimme abzuschalten und einfach ganz normal mit meinem Kind zu sprechen, zu sagen warum ich wirklich möchte, dass er an der Hand geht in bestimmten Situationen (Ich will dass du an der Hand gehst, weil ich Angst habe, dass dich ein Auto übersieht und du verletzt wirst STATT: Wenn MAN die Straße überquert geht MAN an der Hand...)Als ich das erste Mal einfach das zu ihm sagte was ich wirklich dachte, nicht mit hoher Säuselstimme, sondern als würde ich zu einem Erwachsenen sprechen, der mich versteht und wirklich dabei authentisch war, sah er mich ganz groß an, dann kam er her umarmte mich und streichelte mir die Wange.... Ich war völlig platt. Ich glaube er war richtig froh und er akzeptierte meine Antwort ohne weiteren Kommentar. Er hatte mich und meine Gefühle verstanden.Ich lernte auch zu sagen: Ich will, Ich will nicht, weil.... Punkt. STATT drum herum zu reden, könntest, würdest du bitte, weil die Mami hat dich doch so lieb... etc. Ohne lange auszuführen und super höflich dabei zu sein. Und: es funktioniert. Nicht immer, aber besser als alles andere!Das heißt nicht (und das sagt auch Jesper Juul in seinem Buch), dass es ab jetzt keine Konflikte mehr gibt. Im Gegenteil. Die gehören zur Familie zu. Aber es sollte eben auch nicht darum gehen kleine Soldaten zu erziehen die nur immer alles tun was wir wollen. Bei uns hat das Buch zu mehr Gelassenheit geführt und viele Kämpfen haben sich erledigt. Ich bin hier und da großzügiger und konsequent wo es notwendig ist. Manchmal bin ich irrational, weil ich das als Mensch aus Fleisch und Blut (kein Elternautomat mehr) sein darf! Ich sage wie ich mich fühle, ich setze meine eigenen Grenzen statt dem Kind Grenzen zu setzen die ihn sich nur noch mehr hilfloser fühlen lassen als er doch mit 3 eh schon ist... Und wenn ich ärgerlich bin, darf ich das in einem angemessenen Rahmen auch zeigen. Denn auch das gehört in eine Familie aus Fleisch und Blut. Mein Sohn darf es aber auch! Er darf eine Weile traurig sein, wenn er einen Wunsch abgeschlagen kriegt, ohne dass ich mich deshalb als schlechte Mutter fühle und ich verlange nicht von ihm dass er ständig glücklich ist. Auch schlechte Laune und bocken gehört dazu. Schließlich ist er keine Marionette und kein Hund! Sondern ein eigener kleiner Mensch, mit Wünschen, einem Willen und Bedürfnissen. Das Wort "folgen" kommt mir mittlerweile veraltete vor und ich habe es aus meinem Wortschatz gestrichen.Manche Sachen ändern sich nicht. Z. B. dass wir uns morgens bis zur Erschöpfung über jedes Kleidungsstück kappeln, weil meine Vorstellung von warmer Kleidung mit seinen Wünschen nach Farbzusammenstellungen nicht immer zusammengeht - obwohl ich ihn schon so viel entscheiden lasse wie möglich.... Aber auch hier half mir Jesper Juul. Einfach mal 5 Min. ins Land gehen lassen und schauen ob das Kind dann freiwillig kooperiert oder ob es hilft, dass heute mal der Papa beim Anziehen dabei ist statt Mama.Alles in allem: Danke, lieber Jesper Juul! :-)