Zunächst muss ich vorwegnehmen, dass ich diese Rezension schreibe, um das Buch gewissermaßen "in Schutz" zu nehmen.Viele meiner Vorredner kritisieren die Handlung des Buches als zu konstruiert, manche nennen es gar trivial. Diese Bewertungen werden dem Buch aber in keinster Weise gerecht, obgleich ich natürlich nicht bestreiten möchte, dass manche Menschen es so wahrnehmen.Was für einen Anspruch hatte ich an dieses Buch? Zunächst natürlich sollte es spannend sein, und das ist es! Von Beginn an war ich als Leser gefesselt von der Geschichte der beiden Piloten James und Bryan, die 1944 über Deutschland abgeschossen werden, sich in einen Krankentransport-Zug retten und letztlich in einem Sanatorium für psychische Erkrankungen im Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau landen. Sie sind nicht die einzigen Simulanten und so entwickelt sich bald ein perfider Konflikt zwischen den beiden Briten, den anderen Simulanten der Wehrmacht und dem Personal des Sanatoriums. Bryan gelingt schließlich die Flucht, wobei er jedoch James zurücklassen muss. Jahrzehnte später reist Bryan zurück nach Deutschland um den damaligen Geschehnisse nachzuspüren.Natürlich ist es konstruiert, wenn Bryan im Schlosspark in Freiburg plötzlich eine Person trifft, die er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Aber, wer sich in Freiburg auskennt, weiß, dass man dort tatsächlich unvermittelt Leute trifft, die man kennt, denn so groß ist diese wunderschöne Stadt nicht. Die Kritik an diesem Buche nun lediglich an Einzelheiten aufzuziehen finde ich nicht passend.Die historischen Umstände und Beschreibungen, in die Adler-Olsen die Geschichte seiner zwei Protagonisten einbettet, finde ich interessant und lehrreich. Der "psychische Aspekt" dieses Krieges, die schreckliche Ideologie der Nazis, die sich gar in einem Lazarett für psychisch labile Soldaten wiederfindet, aber auch die trotz alle dem zu findene Menschlichkeit runden die gelungene Handlung dieses Buches ab.Zudem benennt Adler-Olsen gesellschaftskritische Zustände der frühen BRD, wo allzuviele Verbrecher und Nazis der Entnazifizierung geschickt entgingen und es bald zu einflussreichen Positionen und gesellschaftlicher Anerkennung brachten.Ich bin der Meinung, dass das Buch 5 Sterne verdient hat, denn es verbindet eine fesselnde Geschichte vielschichtig mit gesellschaftlichen, persönlichen und oft auch zutiefst menschlichen Aspekten. Kritik, die sich darüber beschwert, die Handlung sei konstruiert, wird der Geschichte nicht annähernd gerecht.