Eben Alexander: Blick in die Ewigkeit –Die faszinierende Nahtoderfahrung eines NeurochirurgenAus dem Englischen übersetzt von Juliane Molitor9. Aufl. München 2016Rezension vom 03.01.2016Dr. med. Eben Alexander, Neurochirurg und Harvard-Dozent aus Boston USA, hatte bereits 25 Jahre Berufserfahrung und war international renommiert, als er im November 2008 plötzlich und ohne ersichtlichen Grund an einer seltenen, schweren Hirnhautentzündung, bakteriellen Meningitis, erkrankte, die ihn für sieben Tage in ein tiefes Koma stürzte und an den äußersten Rand des Todes brachte.Dabei erlebte er eine faszinierende Reise ins Jenseits, die alle bisher bekannten Nahtoderlebnisse nach Dauer, Ausmaß, Intensität und Herrlichkeit bei weitem übertrifft und ihn als nüchternen Gehirnspezialisten von seiner verfestigten Skepsis gegenüber diesen Ereignissen abkehrt und ihn nun im rasanten Wandel seiner seitherigen Grundeinstellung zur engagierten Erforschung der Nahtodphänomene und außerkörperlichen Existenz führt. Waren die berichteten Nahtoderfahrungen der Betroffenen, auch seiner OP-Patienten, früher für ihn kaum beachtenswert, weil er sie als im Gehirn indizierte Fantasien während des Ringens mit dem Tode ansah, so erscheinen ihm nun seine eigenen fantastischen Erlebnisse in der anderen, gottnahen Welt als höchst realistisch, lassen ihn einen völlig neuen Blick auf das Leben und Sterben werfen, bringen ihn zur Überzeugung, der Tod ist nicht das Ende unseres Daseins, sondern der Übergang in eine wunderbar höhere Sphäre und er müsse mit dieser „himmlischen“ Botschaft den Menschen auf der Erde Hoffnung und Zuversicht spenden.Zwar erweist es sich ihm als schwierig und unvollkommen, sein entfesseltes, von der einengenden Körperlichkeit sowie den naturgesetzlichen Dimensionen auf der Erde und im Universum befreites Erleben in menschlicher Sprache wiederzugeben. Jedoch mit Hilfe seiner Ermunterer, Berater, redaktionellen Helfer, Übersetzerin, nicht zuletzt seiner eigenen sprachlichen Befähigung ist es gelungen, das Außerordentliche, Unermessliche, Unvorstellbare, kaum Beschreibbare, der verbalen Kommunikation Entledigte angemessen in Wörter und Worte zu kleiden und uns Schwerkraft sowie Gehirn verhafteten Erdenbürgern einen erahnbaren Eindruck davon zu vermitteln: vom engelhaften, gottnahen Geschehen, von der ungeheueren Güte und bedingungslosen Liebe, Glückseligkeit, Angst- und Furchtfreiheit in der strahlenden Licht- und durchdringenden Klangatmosphäre des himmlischen Zentrums wahrer spiritueller Existenz. Der beschwingte Flug dorthin mit Engelbegleitung auf einem überdimensionalen Schmetterlingsflügel erfolgte indes, nachdem er den idyllischen transirdischen Übergangsbereich erreicht hatte, während er sich auf seiner Jenseits-Besichtigungstour zuvor aus dem Reich der „Regenwurm-Perspektive“, bereits ohne Zeit- und Körpergefühl, durch die dunkle, schlammige Unterwelt wie in einem gewaltigen Mutterleib kämpfen musste. Er war an diesem groben, etwas gruseligen Ort, der mehr nach biologischem Tod denn Leben roch, kein Mensch, sondern „einfach nur ein einsamer Bewusstseinspunkt in einem zeitlosen rot-braunen Meer“. Diesen uranfänglich anmutenden Zustand des Seins, wie er zu Beginn des Lebens bestanden hat, musste er bei seiner Rückkehr auf die Erde wieder passieren, um in den sperrigen physischen Existenzmodus mit seinen raum-zeitlichen Grenzen, seinem linearen Denken, seiner beschränkten sprachlichen Verständigung zu gelangen.Sein plötzliches, unerklärliches Erwachen aus dem Koma erfolgte nach einer Woche, als seine Arztkollegen, die alles erdenklich Machbare unermüdlich für sein Überleben getan hatten, beschlossen, die Antibiotika abzusetzen, weil sie die ganze Zeit keinerlei Besserung der minimalen Gehirnfunktionen brachten, die kein Bewusstsein mehr ermöglichten. Diese Auferstehung glich einem medizinischen Wunder, dem ein zweites folgte, nämlich die allmähliche vollständige Genesung Alexanders einschließlich seines profunden medizinischen Wissens und ärztlichen Könnens. Indessen handelte es sich um einen doppelten Präzedenzfall, insofern er als der erste und einzige Patient (N von 1) für dieses Krankheits- und medizinisches Behandlungsmuster fungierte sowie andererseits sein Nahtoderlebnis von ganz besonderer Art war. Denn im Gegensatz zu allen anderen Nahtoderfahrungen, die allesamt nicht solange dauerten sowie in gehirnbasierten, auf das irdische Menschsein bezogenen Bewusstseinszuständen stattfanden, fühlte sich Eben Alexander während seines gesamten Jenseitserlebnisses total frei von seiner körperlichen Identität, nämlich als eine gelassene Seele, der „Zugang zu dem wahren kosmischen Wesen …, das wir alle sind“ gewährt wurde. Sein tiefes Koma beruhte darauf, dass sein gesamter Neokortex – die Funktion der Hirnrinde, die unser Bewusstsein und damit Menschsein nach den Erkenntnissen der Neurowissenschaft erzeugt, nachgewiesener Maßen durch den E.-coli-Bakterien-Befall völlig ausgeschaltet war. Nur einige primitive Hirnteile für die haushälterischen Grundfunktionen waren noch in Betrieb – das Stammhirn im Zustand „coma vigile“ (eine Art Warteschleife), sodass ihm die schwere Meningitis eine einmalig intensive Nahtoderfahrung bescherte, welche sein Wesen und sein Leben danach nachhaltig änderte.Eben Alexander war immer noch Arzt und Wissenschaftler und wollte als solcher zur Wahrheit und Heilung beitragen, indem er seine ungewöhnliche Geschichte weitererzählte, insbesondere versuchte, seine Arztkolleginnen und -kollegen von der Realität seiner Erlebnisse und Erkenntnisse zu überzeugen. So überprüfte er seine Nahtoderfahrung anhand seiner dokumentierten Krankheitsgeschichte nach wissenschaftlichen Kriterien und kommt zum Schluss, dass die materielle Welt nicht alles sei, was existiert, sondern dass es unser Bewusstsein unabhängig vom Gehirn gebe und es ein höherdimensionales Universum umspanne, begründet in Gott, dem allmächtigen und allgegenwärtigen Schöpfer, und eingebettet in eine grenzenlose spirituelle Welt. Damit ist er zum aktuellen Botschafter Gottes geworden und widmet sich nicht nur persönlich der Aufklärung weiterer Nahtoderlebnisse (Internet-Kontakt möglich), sondern er hat die gemeinnützige, mit öffentlichen Mitteln unterstützte Wohlfahrtseinrichtung „Eternea“ (s. Webseite) gegründet mit dem Ziel, Forschung, Bildung und anwendungsorientierte Programme im Bereich der spirituell transformativen Erfahrungen, Physik des Bewusstseins, interaktiven Beziehung zwischen Bewusstsein und physikalischer Realität (Materie, Energie) zu fördern, und zwar im Bestreben, der „bestmöglichen Zukunft für die Erde und ihre Bewohner zu dienen“.Als Rationalist und Skeptiker gestehe ich, dass mich Alexanders Nahtoderfahrung, wenn ich sie selbst so erlebt hätte, wohl auch vom „Leben nach dem Tod“ im Sinne eines unsterblichen universalen Bewusstseins restlos überzeugt hätte. Die verbale Übermittlung beeindruckt mich durchaus stark, aber der Präzedenzfall-Charakter lässt einen gewissen Zweifel zu, dass es letztlich doch noch anders sein könnte. Dennoch hoffe und wünsche ich, dass unser Schicksal, unsere Welt und Zukunft so gnadenvoll in einer göttlichen Schöpfung und Fügung geborgen sein möge, wie es Alexander beschreibt. Deshalb ist dem Buch weiterhin eine große Verbreitung und seiner „Eternea“ viel Erfolg zum Wohle der Menschheit zu wünschen. Und ich werde mich bald der spannenden Lektüre des neuen Buches „Die Vermessung der Ewigkeit – 7 fundamentale Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod“ von Eben Alexander (Leseprobe bei Heyne) widmen.
Über Eben Alexanders Nahtoderfahrung ist schon viel geschrieben worden und sie ist sicher ein wichtiger Meilenstein in der Nahtodforschung, auch wegen dem Gehalt der Nahtoderfahrung selbst, eher aber weil Eben Alexander als Hirnchirurg ganz aus dem materialistisch orientierten naturwissenschaftlichen Weltbild entstammt und nun vom Saulus zum Paulus geworden ist.Mit diesem Kommentar betrachte ich sein Buch aus einem besonderen Blickwinkel, dem in den bisherigen Rezensionen kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde.„Nun brauchen wir noch das Pendant zu Eben Alexander". Das war mein erster Gedanke als ich am Ende des Buches angelangt war. Eben Alexander hatte eine Nahtoderfahrung, die ihn sehr weit in die transzendente Realität geführt hat. Seine Erfahrung lässt ihn deutlich die falsche Grenzziehung des heute herrschende naturwissenschaftliche Weltbildes erkennen, schubst aber den Leser mehr oder weniger subtil in das heute herrschende christliche Weltbild hinein ohne deutlich genug dessen eigene Begrenzungen zu erkennen oder zu erwähnen. Das Buch, bei dem der amerikanische Verlag vermutlich diese Färbung eingebracht hat, erzeugt den Eindruck einer evangelikalen Erweckungsliteratur, die nur ein vereinfachendes Entweder-Oder kennt. Es wird zu wenig deutlich, dass auch das christliche, ebenso wie das naturwissenschaftliche Weltbild menschengemachte Grenzziehungen hat, die es ebenfalls zu überschreiten gilt.Jeder NTE-Erfahrene ringt mit Worten und Gleichnisse, die er nur aus der irdischen Sprache und Erfahrungswelt entnehmen kann, um das Unaussprechliche auszudrücken was er unzweifelhaft als Realität erfahren hatte. Zwangsläufig assoziiert ein Leser, der nicht selbst eine ähnliche Transzendenzerfahrung gemacht hat, jedes Wort mit seinen eigenen irdischen Erfahrungen und Vorstellungen. Das birgt besonders bei Worten aus der christlichen Tradition einen Konflikt. Solche Begriffe gründen zwar ursprünglich auf die Transzendenzerfahrungen einiger Weniger, wurden dann aber von Abermillionen Menschen, die keine solche Erfahrung hatten, „griffig" geformt und als Glaubenslehre weitergeben. In der frühen Kirchengeschichte waren die Vorstellungswelten noch sehr viel variationsreicher als heute. Die meisten davon wurden dann im Laufe der Dogmengeschichte als „falsch" definiert und nur eine dieser Deutungen zur Wahrheit erklärt. Verwendet ein Nahtoderfahrener nun einige Begriffe aus dem geltenden christlichen Weltbild, so assoziiert der glaubende Leser sie fast zwangsläufig mit dieser heutigen Glaubenslehre ohne deren transzendierende Bedeutung zu erkennen. Ja, er fühlt sich sogar gänzlich in seinem Glauben bestätigt.Um ihre Erfahrung zu beschreiben, vermeiden die meisten Nahtoderfahrenen Worte, die eng mit einem heutigen christlichen Weltbild verbunden sind. Auch wenn Eben Alexander mit diesen Begriffen durchaus sparsam umgegangen ist, bestimmen sie doch den Eindruck auf den Leser in die christliche Kirche(n) zurückgerufen zu werden. Das Wort „Gott" wird sonst fast nie von Nahtoderfahrenen gebraucht. Eben Alexander tut es dann doch und löst damit diese genannte Assoziationskette aus. Damit macht er es unnötigerweise jenen Suchenden schwer, die auf ihrem geistigen Weg in den christlichen Kirchen keine Antworten mehr auf ihre Fragen gefunden hatten und sich nun auf die Suche außerhalb der christlichen Tradition gemacht hatten.Ich möchte zwei Beispiele anführen.Aus allen Nahtodberichten können wir schließen, dass unser individuelles Bewusstsein den körperlichen Tod überdauern kann. Die Betroffenen fühlen sich auch ohne irdischen Körper absolut vollständig und wie Eben Alexander in der Lage dem Zentrum allen Seins nahe zu sein. Die christliche Tradition hat ausgehend von ihren jüdischen Wurzeln dagegen eine komplizierte Lehre entwickelt, die zum vollkommenen Leben nach dem Tod, der Auferstehung, immer noch einen Leib benötigt. Das leere Grab Christi, als Beweis für die Verwandlung des irdischen Leibes in den Auferstehungsleib, ist auch heute immer noch eine zentrale Grundlage christlichen Glaubens. Mit der Erkenntnis der Naturwissenschaft, dass die Materie unseres Körpers in wenigen Jahren wieder vollständig in den Kreislauf der Natur zurückgegeben ist, ist eine solche Auferstehungsvorstellung nicht mehr haltbar.Ein zweites Beispiel bezieht sich auf die Frage warum die Menschen so krass unterschiedliche Startbedingungen in das Leben haben. Während das eine Kind von beiden Eltern geliebt und gesund auf die Welt kommt, beginnt ein anderes Kind behindert und abgelehnt dieses irdische Leben. Auf die Frage nach diesem krassen Unterschied hat die heutige christliche Lehre keine Antwort, weil sie immer noch die Empfängnis als den Beginn eines individuellen Lebens ansieht. Die christliche Tradition kannte durchaus schon einmal die Vorstellung, dass jeder Mensch mit einer individuellen Vorgeschichte in das irdische Leben tritt. Diese Vorstellung wurde im Konzil von Konstantinopel 553 abgelehnt und ist seither dogmatisch verschlossen. Alle Nahtoderfahrene sind sich darin einig, dass sie aus einer ursprünglichen geistigen Heimat in das irdische Leben gekommen sind und auch nach dem Tod wieder dahin zurückkehren werden. In einigen wenigen Berichten von Nahtoderfahrenen lesen wir auch, dass sie sich bei einer Lebensrückschau in Existenzformen wiedergefunden haben die zudem ein früheres irdisches Leben nahelegen. So ist auch in diesem Punkte die christliche Lehre zu hinterfragen. Die Liste der Beispiele lässt sich noch lange fortsetzen.Nun brauchen wir noch das Pendant zu Eben Alexander. Am Besten wäre ein Dogmatikprofessor mit einer entsprechenden Nahtoderfahrung, der analog zu Eben Alexanders Anhang B heutige Positionen der Schultheologie mit seiner Nahtoderfahrung kritisch vergleicht.Claus SpeerArbeitskreis Origenes[...]eMail: mail@origenes.de