★★★★★
k.A.
31.07.2026
ean-shopping.de
Dieses Buch ist ein absolut faszinierendes und tiefgründiges Werk, das mich packt und zum Nachdenken anregt. Die Darstellung der Geschichte ist meisterhaft und die Edition von Suhrkamp ist hervorragend.
★★★★★
k.A.
31.07.2026
ean-shopping.de
Das Buch ist ein interessanter Einblick in die komplexe psychologie und die Entscheidungsfindung, wenngleich die Darstellung für manche Leser etwas dicht ist.
Max Frisch beweist im Öderland,dass er zu den wenigen Schriftstellerndeutscher Sprache des letzten Jahrhundertsgehörte, deren außerordentliche Klugheitein wesentliche Bestandteil ihrer Literaturwar.
Der Staatsanwalt hat alle Illusionen verloren; er arbeitet zuviel, ohne zu wissen wofür. Er steht vor einer Wand aus Aktenordnern und kann sich nicht erklären, welchen Nutzen sein Tun erfüllt. Und gegen alle Moral fühlt er sich fasziniert von seinem aktuellen Fall, einem braven Bankangestellten, der nach 14 Jahren an der Kasse ohne Motiv den Hauswart der Bank mit der Axt erschlagen hat. Irgendwie ist dieser Mörder zu bewundern, denn auch wenn er nicht sagen kann, was ihn dazu getrieben hat, hat er doch allen anderen Tagelöhnern der herrschenden Verhältnisse eines voraus: Er hat etwas getan. Und wie sich das Feuer im Kamin entzündet, dämmert auch dem Staatsanwalt: Es muss etwas getan werden...In seinem Stück "Graf Öderland" greift Max Frisch ein permanentes Problem der Intellektuellen in jeglichen Staatssystemen auf: Als Träger des Systems sind sie sich doch der Mangelhaftigkeit der herrschenden Verhältnisse bewusst. Die herrschenden Produktionsverhältnisse schaffen beständig Entfremdung, Ungerechtigkeit und Klassentrennung. Die Intellektuellen treiben die Spaltung der Gesellschaft voran, in dem sie sich zum Instrument der herrschenden Verhältnisse machen, behalten aber dabei noch ein Gefühl für das Verwerfliche ihres Handelns. Aus dem Reflex heraus, die bestehenden Verhältnisse nicht als unveränderlich anzuerkennen, aus der gegebenen Welt doch noch die Beste aller Welten zu machen, stürzen sie sich in blinden Aktionismus. Wenn dieser Aktionismus die Massen ergreift, wird er zu einer zerstörerischen Bewegung, die sich ungezügelt Bahn bricht.Das Stück, dessen Endfassung Frisch Anfang der 1960er Jahre vorlegte, ist von atemberaubender Aktualität. Immer wieder hat das gesellschaftliche Leben der BRD in den letzten 50 Jahren Beweise dafür gebracht: Das "Macht kaputt, was euch kaputt macht" der Hausbesetzer, das Aussteiger-Verhalten der 68er, der anarchistische Terror der RAF, die frühe ökologische grüne Bewegung bis hin zur konzeptionslosen parlamentarischen Freibeuterei der Piraten-Partei. Frischs Moritat ist dabei vergleichsweise leicht zu entschlüsseln und damit ein Lehrstück im Brecht`schen Sinne. Der überaus geglückte Kunstgriff mit der erdachten Sage vom Graf Öderland erinnert an Helden wie Robin Hood oder Karl Stülpner. Wenn der Staatsanwalt in der Wahrnehmung der breiten Masse zum Grafen Öderland wird, dann weil alle märchenhaften Vorstellungen von Befreiung und Gerechtigkeit auf diese Figur eines Kinderreimes projiziert werden.In dem Moment, in dem sich der Staatsanwalt wieder in sein altes Leben zurückwünscht, wird ihm als Folge seines Aufbegehrens die Macht im Staate angetragen, wird er beim Wort genommen. Allein die Axt in der Hand genügt nun nicht mehr.