★★★★★
Dr. Frank Stefan Becker
10.04.2024
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Kurz und klar:• Deckt ganz Festlandspanien ohne die Inseln ab• Schöne Aufmachung, Faltkarte im Anhang (1:1 100 000)• Die alphabetische Reihung der Sehenswürdigkeiten erschwert die ReiseplanungEines vorab: Mit diesem schön illustrierten Buch gewinnt man einen guten Eindruck über eines der größten und vielfältigsten Reiseländer Europas (Im Nordwesten wie Irland, im Südosten wie Nordafrika). Meiner Erfahrung aus 9 Spanienreisen zufolge fehlt keine wichtige Sehenswürdigkeit, und alle relevanten Themen werden behandelt. Manche Beschreibungen müssen naturgemäß knapp ausfallen, regen dann aber zur eigenständigen Vertiefung an. Bei größeren Städten gibt es kleine Stadtpläne des Zentrums; dazu eine (eher selektive und hochpreisige) Auswahl an Hotels und Restaurants, ergänzt durch die Adresse (samt Internet) des Tourismusbüros. Besonders wichtige Bauwerke (z.B. Escorial, Alhambra, Kathedrale von Sevilla) sind in informativen Aufrisszeichnungen dargestellt.Regionalkarten enthält das Buch nicht, dafür aber eine beigefügte Faltkarte im Maßstab 1: 1 100 000 (1 cm = 11 km). Sie ist nützlich zur groben Orientierung und Routenplanung, enthält leider aber keine Markierungen der im Text erwähnten Sehenswürdigkeiten, was besonders bei abgelegenen Orten wie Burgen oder Klöstern hilfreich wäre. Als Korrektur: Die landschaftlich schöne und gute Direktverbindung von Cuenca nach Albarracin, die den Felsenpark Ciudad Encantada passiert, ist nicht eingezeichnet.Zu Beginn werden zwar einige mögliche Reiserouten vorgestellt, ansonsten sind die Sehenswürdigkeiten aber alphabetisch geordnet, was ich als nicht optimal für eine Reisevorbereitung empfinde (auch wenn in einer zugeordneten Mini-Spanienkarte die Lage jeweils mit einem Punkt markiert ist). Unter dem Stichwort „Costa“ sind dann wieder alle Küsten beschrieben; hier geht man geographisch vor, auch bei den in der Umgebung größerer Städte zu findenden sonstigen Zielen weicht man von der alphabetischen Reihung ab, so dass man diese „Sekundärziele“ dann meist nicht separat im Register findet (Bsp. die sehenswerte römische Kuppelvilla von Centcelles bei Tarragona), sondern bereits wissen müsste, wo sie liegen.Auch die Wertung mit „nur“ maximal zwei Sternen ist zu grob und gelegentlich unverständlich: Wieso z.B. die Stadt mit den meisten, überaus eindrucksvollen römischen Bauten (Merida) nur einen Stern, Cuenca mit seinen gerade mal 3 (zu Tode fotografierten) „Hängenden Häusern“ jedoch zwei Sterne verdienen soll, erschließt sich mir nicht.Ab S. 545 enthält das Buch gut geschriebene Übersichtsartikel zu Themen wie das Land und seine Menschen (Geographie, Kultur, Natur, Geschichte, Sitten, Wirtschaft, Politik, Kulinarik, Veranstaltungen)Als Kritik zur Verbesserung inhaltlicher Natur hätte ich anzumerken:• S. 60: Sonnenlicht ist bereits Energie; es wird nicht in Energie umgewandelt, sondern in Wärme (und diese dann wieder in Elektrizität).• S. 89 Zu Úbeda: Dort sollte der eindrucksvolle Palacio de Guadi(a!)na nicht nur in der Karte eingezeichnet sein, sondern auch im Text erwähnt werden• S. 172 Cordoba: In der Mezquita/Kathedrale ist der Mihrab ausnahmsweise nicht nach Mekka ausgerichtet, sondern nach Süden – Gründe unbekannt.• S. 180: Medina Azahara bei Córdoba wurde 1010 nicht von den Almoraviden zerstört, sondern von (ebenfalls aus Nordafrika stammenden) Berbersöldnern.• S. 256: bei Granada fehlt ein Hinweis auf den reich geschmückten Betraum mit Mihrab in der Madraza, den man sonst leicht übersieht.• S. 298: In Léon findet sich im Museum ein einzigartiger römischer Grabstein (um 200 n.Chr.), der bereits ein Gebäude mit Hufeisenbögen zeigt – kunstgeschichtlich erwähnenswert!• S. 470: In Sevilla ist seit einigen Jahren auch der sehr sehenswerte Mudejarstilpalast Palacio de las Dueñas geöffnet (ähnlich wie Casa de Pilatos).• S. 495: In Toledo trat 589 der westgotische König Reccared zum katholischen, nicht zum christlichen Glauben über (Christ war er als Arianer auch schon vorher!).• S. 586: Bei der Auflistung der Städte mit römischer Kunst fehlt Tarragona!Tja, und dass in der 18. Auflage noch immer so viele Druckfehler enthalten sind, ist doch wirklich unnötig (eine Auflistung erspare ich mir hier).Von solchen Kleinigkeiten abgesehen ist der Baedeker Spanien ein wirklich empfehlenswertes Buch buen viaje!