Ich habe jetzt alle drei Reisebücher der Autorin Constanze John mit Interesse und Vergnügen gelesen. Und ich habe drei Länder so kennen gelernt, als sei ich selbst jeweils 40 Tage auf Reisen gewesen.40 Tage Aserbaidschan wurde vor dem erneuten Ausbrechen des Konflktes zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach geschrieben, und ich habe inmitten dieses Krieges begonnen zu lesen. Wohl deshalb hatte deshalb anfangs Mühe, der Lockerheit Constanze Johns zu folgen. Immer wieder schossen mir Episoden aus dem ersten Band der Triologie durch den Kopf. Die Freundlichkeit der Armenier, mit der auch sie damals die Atorin in ihrem Vorhaben, ein Buch über Armenien zu schreiben, unterstützten. Armenien, dieses fast urchristliche Land mit seinen uralten Kirchen und Klöstern, mit seinem Trauma des Geozids durch die Türken. Freundliche Menschen hatte ich damals kenne gelernt,die in teils bitterer Armut lebten und sicher noch leben. Und nun befinden sich die Armenier mit den Aserbaidschanern im Krieg? Mit Aserbaidschan, das vornehmlich muslimisch geprägt ist?Erst am 14. Tag erfährt man, dass der Streit eine lange Geschichte hat und auch mit dem Zerfall der Sowjetunion zu tun hat. Bergkarabach wurde so aufgeteilt, dass Spannungen vorprogrammiert waren. An mehreren Stellen im Buch wird in Gesprächen deutlich, dass die Aserbaidschaner noch immer den Verlust einer ganzen Generation junger Männer betrauern, die ihr Leben im Kampf um die Eigenständigkeit Aserbaidschans und Bergkarabachs verloren haben, auch auf armenischer Seite existiert dieser Schmerz.Eben diese Trauer ist im Buch zu spüren, aber Frau John schreibt kein politisches Buch, sonder sie bringt uns die Einzigartigkeit dieses Landes Aserbaidschan näher. Wieder taucht Frau John in Legenden ein und lässt den Leser an ihrem Erstaunen zum Beispiel über den Mädchenturm teilhaben , der mit seinen sieben Etagen so aufgebaut ist wie die Chackren des Menschen. Wir sehen Suffis , die in anderen Ländern Derwisch genannt werden, bei ihrem schwindeleregendem Tanz zu, trinken mit Frau John jede Menge Tee, erfahren, dass Thor Heyerdal in Aserbaidschan war, ebenso Odin. Und überhaupt seien die Aser möglicherweise mit den Aserbaidschanern identisch, erfährt man aus dem Munde der Einheimischen. Wir sind im Teppichmuseum mit von der Partie nd schauen Weberinnen über die Schulter. Wir erfahren, dass man mit Taxifahrern um den Fahrpreis feilschen muss, dass sie aber auch alles geben, sollte der Bus nach Baku schon abgefahren sein. Dann legen sie eben einen Zahn zu, überholen den Bus und stellen sich mit dem Taxi quer, damit das Geschehen in Baku seine Fortsetzung finden kann. Ohne die Taxifahrer geht nichts! Mit einem von ihnen geht aber sogar, einen Tatra zu verfolgen, damit man ein Foto machen kann als Erinnerung an die eigene Kindheit. Wir hören in vielen Kapiteln Musik, erfahren von Filmen, die in Aserbaidschan gedreht wurden. "Vom Lokführer, der die Liebe suchte" ist einer dieser Filme. Ich werde ihn mir endlich anschauen, denn Shanghai, das als Filmkulisse diente und nicht in China liegt, wie eine Aserbaidschanerin glauben machen wollte, gibt es nicht mehr. Aber der Film hat diesen einzigartigen Ort konserviert.Was erfahren wir noch wie nebenbei? Dass die Lieblingsspeise von Frau John "Drei Schwestern" ist und sie am liebsten in kleinen Pensionen Quartier nimmt, aber nur, wenn es dort nicht spukt.Ich will hier nicht alles verraten. Aber Constanze John schreibt so genau und einfühlsam, dass der Leser sich in die Kultur und die Menschen Aserbaidschans hineinversetzen kann. Er erfähr, wie selbstverständlich der Ramadan begangen wird, denn Constanze John führt ihre Gespräche zum Teil während der letzten Tage des Fastenmonats, besuchte muslimische Klöster zu dieser Zeit, meditiert an heiligen Stätten der Aserbaidschaner und bekommt an all diesen Orten Kraft und Eingebung. Eins wird dabei besonders deutlich : Nie wird die Würde der Orte oder der Gesprächspartner verletzt. Alles im Buch geschieht mit großer Achtung und ist in sorgsamer Sprache aufgeschrieben.Am 40. Tag wird Frau John durch alle ihre Freundinnen und Freunde, die sie und wir auf der Reise kennenlernen durften, verabschiedet. Und dieser Moment ist ein Moment des Zaubers, der Magie und der Erkenntnis, dass die Welt voller Reichtum an Kultur, Witz und Liebe ist. Wenn dann am Ende Ashurei, deren Wirken das ganze Buch durchzieht, am Bahnhof erscheint um Frau John zu verabschieden, ist man traurig, dass die 40 Tage um sind.
Mit Constanze Johns „40 Tage Aserbaidschan“ ging es mir wie mit den beiden Vorgängern über Armenien und Georgien: Ich habe Lust es bei nächster Gelegenheit, am liebsten bei einer Reise in die Länder am Kaukasus, noch einmal zu lesen.„Natürlich hätte ich meinen Besuch in Gändschä vorher durchplanen können, die Historie der Stadt im Vorfeld studieren, mir eine Liste der Sehenswürdigkeiten zusammenstellen und mir letzten Endes einfach einen Taxifahrer nehmen, um diese Liste dann abzufahren. Natürlich hätte ich das alles tun können. Aber ich schätze Geschichten nun mal viel mehr als das Geplante.“Bei ihrer Reise durch Aserbaidschan folgt die Autorin scheinbar dem Zufall, lernt Menschen kennen, die sie ihrerseits mit Freundinnen und Familienmitgliedern bekanntmachen, mit Künstlern, Lehrerinnen und Schamanen und dann doch immer wieder Taxifahrern. So hört sie Geschichten – Lebensgeschichten, Leidensgeschichten, Märchen und Legenden. So taucht sie ein in Kultur und Geschichte der Orte und Gegenden, die sie bereist.Letzten Endes ist es dann, so scheint mir, mehr als Zufall, der sie leitet. Es ist der besondere Geist dieses Landes. Damit gelingt diesem Reisebuch, was wenige Reisebücher schaffen: eine Ahnung davon zu vermitteln, wie fremd und zugleich wie nah mir die Menschen in einem fernen Teil der Welt doch sind.
Ich hatte schon das Buch der Autorin "40 Tage Georgien" gelesen. Das Buch hier über Aserbaidschan ist genauso aufgebaut, was mich doch enttäuschte. Die Zahl 40 mag zwar in manchen Kulturen oder Religionen eine Bedeutung haben, aber deswegen muss man doch nicht jedes Buch als 40-Tages-Reise aufziehen, auch wenn die Zahl 40 für die Autorin eine persönliche oder betonenswerte Bedeutung haben mag.Das Buch hier unterscheidet sich zu den anderen Reiseabenteuern, da es ein Reisetagebuch ist. Die Kapitel sind kurz, gegliedert nach den Tagen. Es wird nicht umfassend über das Land berichtet, es dreht sich um die Erlebnisse der Autorin in den 40 Tagen ihrer Reise. Somit werden immer nur kleine Ausschnitte oder persönliche Begebenheiten angeboten.Sie besucht Sehenswürdigkeiten und trifft Menschen, die mit diesen Orten und Plätzen in Verbindung stehen. Manche Leute sind gastfreundlich, andere abweisend. Die Geschichten der Menschen sind unaufgeregt und unspektakulär, eben ganz gewöhnliche Dinge aus dem Alltag.Ein paar Bilder sind in dem Buch enthalten, ein bisschen Natur, ein paar Menschen, ein paar Plätze. Das Foto vom Schlammvulkan hat mir gut gefallen.Bei mir ist der Funken nicht recht übergesprungen. Alles wird aus einer gewissen Distanz und Sachlichkeit heraus erzählt. Mir fehlt das Herzblut und die Leidenschaft. Viel Unwichtiges findet Platz in dem Buch, sicherlich für die Autorin wichtig, aber für den Leser eher nicht. Hätte man es nicht erwähnt, hätte nichts gefehlt.3 bis 4 Sterne.