★★★★★
k.A.
07.07.2026
ean-shopping.de
Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die historische und politische Bedeutung Frankens, allerdings ist die Darstellung etwas zu allgemein gehalten. Für tiefere Einblicke wäre mehr Detailwissen wünschenswert.
Anna Schiener hat sich großer Mühe unterzogen und in diesem relativ kleinen Büchlein alles zusammengezogen, was eigentlich wichtig erscheint für Franken. Besonders die historische Seite wird ziemlich ausführlich behandelt, wobei gleich zu Anfang die Topografie zu ihrem Recht kommt, also die Erdgeschichte dieser Landschaft. Die Vorgeschichte (Würmeiszeit!) mit ihrer Siedlungsgeschichte (Lichtenfels, Schwanberg) und ältesten menschlichen Überresten Bayerns (!) wird kurz gestreift und dann geht es flugs aber grundsätzlich fundiert in die Bronzezeit, die Urnenfeldkultur (1200 bis 800 v. Chr.). Der Goldkegel von Ezelsdorf-Buch wird beschrieben, die Keltenzeit und natürlich die Zeit, in der Franken das Land besetzten und verwalteten.Gauburgen entstehen, die Merowinger stellen Stellvertreter ab (Hruodi, Hetan I, Gozbert, Hetan II), die Hausmeier bringen Kilian und seine Gefährten ins Spiel, daraus entsteht das, was wir heute noch in Franken mit "Kiliani" gerne feiern, aber auch eine fast kriminelle Seite der damaligen Angelegenheit kommt zur Sprache. Die in Würzburg amtierenden Hedene (Hetan) waren nämlich treue Merowingeranhänger, schon irgendwie christlich und im Range etwa gleichwertig den Hausmeiern (späteren Karolingern). Da lässt man sich nicht so leicht vorschreiben, was man glauben soll. Aber: die Franken wurden katholisch wie man weiß und im Sinne des späteren Reiches, der großen Reichsidee etwa, wurden auch noch die Sachsen entsprechend bekehrt.Weiter geht es über das Mittelalter bis in die Neuzeit, alles wird aufgeführt, das sich vergebliche Wehren der Franken (Wilhelm Josef Behr) als Bayern zum Zuge kam und Franken übernahm bis hinein in die Gegenwart, in der es immer noch einwenig zu spüren ist, diese freiheitliche Art der Franken.Würzburg im frühen Mittelalter, Bambergs Bedeutung im Hochmittelalter (Heinrich II), die Bedeutung der Reichstädte Nürnberg, Schweinfurt und andere wichtige Städte, die Hohenzollern, Ansbach und Bayreuth als protestantische Regionen, die Ritter, alles wird zum Teil ausführlich behandelt.Franken war und ist ein Spiegelbild alter und gegenwärtiger menschlicher Kultur, die Vielfalt und die Schönheit der fränkischen Gegend wetteifert mit ihrer geschichtlichen Bedeutung. Das alles kommt im Buch genügend zur Sprache. Aber auch die außerordentliche Hinwendung zum Nationalsozialismus hat Spuren hinterlassen (Reichsparteitage) und heute noch steht in Nürnburg ein fast nicht sprengbares Ungetüm wie hingeklotzt. Doch stimmt es wie auch immer: in Franken äugt das Mittelalter in die Postmoderne, sprechen Kulturriesen wie Dürer und Riemenschneider zu uns, brachte größte Banalität in fantastischer Aufmachung (Nürnberger Parteitage) uns ein schreckliches Ende und betört die atemberaubende Schönheit städtischer Ensembles (Bamberg, Würzburg) oder landschaftlicher Wunderwelten unser Herz.Dieses Büchlein hätte eigentlich 5 Sternchen verdient und Anna Schiener hat hiermit ein kleines aber sehr ausfürliches Buch geschrieben, es umfasst alles, was wichtig ist in bezug auf Franken.