★★★★★
k.A.
17.06.2026
ean-shopping.de
Ich habe das Buch zum Geburtstag verschenkt. Die Art, wie es gebunden ist, wirkt robust und die Papierqualität ist gut. Die Lesbarkeit ist gegeben, und es hat gut anzusehen.
Ein stilistisch hervorragender Roman, mitreißend und spannend, voller verblüffender Wendungen und einem bitterschwarzen Finale.Nichts für Trivialleser. Ein wenig Mitdenken hilft ungemein.
Eigentlich war dieses Buch eine Verlegenheitslektüre. Ich brauchte noch etwas Kurzes, Schnelles fürs Wochenende, bis der neue Murakami bei mir eintrifft. Von Krausser kannte ich bisher nur „Einsamkeit, Sex und Mitleid“ – was allemal ein cooler Titel ist und der in etwa auch wiedergibt, worum es in diesem Roman geht. Als ich meinen ersten Krausser vor ein paar Jahren gelesen habe, gab es noch kein Buchrevier. Deswegen habe ich kaum mehr Erinnerung daran und kann auch nicht im Rezensionsarchiv nachschauen. Egal – ich hatte ihn jedenfalls als passablen Autor abgespeichert, irgendwie in der Pop-Literaten-Ecke – genau das Richtige als Wochenend-Quickie.Doch schon nach den ersten vierzig Seiten wurde mir klar: Das hier ist weit mehr als nur ein schneller Wochenendroman und alles andere als seichte Pop-Literatur. Sprachlich grandios erzählt Krausser die Geschichte von Kati, David und Serge, eine klassische Dreiecksgeschichte, mit allem, was dazu gehört: Sex, Lügen, Gewissensbissen und natürlich Misstrauen und blinder Eifersucht.Am Anfang dachte ich: Das ist gar kein Roman, sondern nur eine Sammlung ganz netter Kurzgeschichten. Aber dieser Eindruck verflüchtigte sich schon bald. Nach und nach fügten sich die Handlungsstränge der einzelnen Geschichten zu einem wunderbar dichten Romanplot zusammen. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Kati und Serge. Er ein psychisch auffälliger Werbetexter, sie eine nette, attraktive, ehrliche, junge Frau, die sich nach Serges Nervenzusammenbruch liebevoll um ihn kümmert. Natürlich hat ein Alpha-Weib wie Kati noch andere Männer. David zum Beispiel, ein selbstbewusster Szene-Fotograf, mit dem sie den Sex hat, den der ewig an sich selbst zweifelnde Serge ihr nicht geben kann. Und Zweifel in unterschiedlichster Ausprägung sind genau das, was alle Protagonisten verbindet und aus den Einzelgeschichten einen grandiosen Roman macht. Serge zweifelt an Kati, Kati zweifelt an sich und ihren Gefühlen, David an seinem bisherigen Überzeugungen.Krausser wechselt alle drei bis zehn Seiten die Erzählperspektive. Schlüpft als Ich-Erzähler in die Haut von David, Serge und Kathi. Auch Davids Mutter, die ich zunächst nicht zuordnen konnte, sorgt mit einer Nebenhandlung für etwas Entspannung und Abwechslung im Dreieckspsychogramm. So ein permanenter Perspektivwechsel kann manchmal ganz schön nerven. Bei Krausser nervt es nicht, sondern gibt der Geschichte sogar den gewissen Drive. Obwohl es insgesamt ein eher ruhiger Roman ist, kommt nach und nach eine gewisse Spannung auf. Die Verwicklungen der Dreiecksbeziehung spitzen sich zum Ende zu, die Erzählperspektiven wechseln immer schneller, alles läuft auf einen tragischen Showdown hinaus. Doch Krausser läuft nicht in die Mainstream-Falle und beendet die Geschichte so ruhig und gelassen, wie sie begonnen hat.Mir hat dieser Roman sehr gefallen. Krausser hat sich damit bei mir in die Liga der richtig guten, beachtenswerten Autoren geschrieben. Eine Position, die er in der literarischen Community wohl schon eine Zeitlang innehat. Ich habe mir gleich den nächsten Krausser besorgt. Melodien – ein epochales Werk, das diesmal schon beim Durchblättern deutlich macht, dass es weit mehr ist als nur ein Wochenend-Quickie.
Teilweise verwirrender Perspektivwechsel, die Handlungsstränge kommen zwar zusammen, aber wenig überzeugend. In der 2. Hälfte des Romanes wird die Handlung durchsichtiger und spannender.