★★★★★
k.A.
07.07.2026
ean-shopping.de
Ein sehr inspirierendes Buch über den Mut und die Herausforderungen des Weges, ist auch nicht immer perfekt in der Darstellung.
Reshma Saujani war seit frühester Kindheit gewohnt aufzufallen – ihre indischstämmigen Eltern wanderten aus Uganda in die USA ein und im Viertel waren sie die einzige Familie mit südostostasiatischen Wurzeln. Als Saujani mit 30 für einen Sitz im US-Kongress kandidiert und vernichtend gegen die politikerfahrene Gegenkandidatin verliert, wird das Scheitern zu einer entscheidenden Wende in ihrem Leben. Sie erkennt, dass sie sich, wie viele Frauen es tun, bisher nur Ziele gesetzt hat, die sie sicher bewältigen konnte und im Scheitern an einer Aufgabe völlig unerfahren war. Frauen bewerben sich erst für eine Aufgabe, wenn sie über 100% der geforderten Qualifikationen verfügen, Männer bereits bei 60% der Kompetenzen. Eltern und Lehrer konditionieren offenbar in bester Absicht Mädchen darauf, Enttäuschungen zu vermeiden, während Jungen ermuntert werden, sich mit anderen zu messen, Risiken einzugehen und sich nach einer Niederlage buchstäblich den Staub abzuklopfen, um die nächste Aufgabe in Angriff zu nehmen. Wer nicht lernt, nach einem Scheitern wieder aufzustehen, wird nie seine Träume verwirklichen können und nie ein Unternehmen gründen, so die Autorin. Der Perfektionismus von Bewerberinnen verhindere eine höhere Anzahl von Frauen in Führungspositionen und sei auch Grund dafür, dass Frauen weniger erfolgreich aus Gehaltsverhandlungen hervorgehen, folgert Saujani.Mit ihren Erkenntnissen rennt sie in den Sozialen Medien offene Türen ein. Reshma Saujani reagiert auf ihre Einsicht aus den og. Fakten, indem sie sich in „Girls Who Code“ für den IT-Unterricht für Mädchen engagiert, um Schülerinnen besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Mädchen sollen die Barbie-Welt überwinden, die postuliert, Frauen könnten ohne fremde Hilfe nichts erfinden oder konstruieren. Langfristig geht es ihr jedoch darum, eingefahren Denkmuster bei Eltern und Erziehern zu verändern. Warum fühlten Frauen sich bisher verpflichtet, andere glücklich zu machen? Warum bringt Liebenswürdigkeit sie im Berufsleben keinen Schritt weiter? Und warum nimmt bereits bei 8-jährigen Mädchen der Entdeckerdrang spürbar ab, während eine innere Kritikerin sie davon abhält, sich mit anderen zu messen? Warum treten in Klassenlektüren selten weibliche Helden auf? Was in Familien, Schulklassen und Kindercliquen in diesem Alter mit dem Selbstbild von Mädchen geschieht – und das in unterschiedlichsten Kulturen – finde ich hoch interessant.Saujani macht ihren Leserinnen bewusst, wie sie - auch unbewusst – am Prozess der Entmutigung von Mädchen beteiligt sind. Es geht ihr darum den Unterschied zwischen einem statischen Selbstbild (ich kann es nicht und werde es nie wieder tun) und einem dynamischen Selbstbild (ich werde mich anstrengen und es wieder versuchen) zu verdeutlichen. Mut sei ein Muskel, der ständig trainiert werden muss, damit er nicht schrumpft. Wichtig ist ihr – gerade im Windschatten der MeToo-Bewegung - die Rolle Sozialer Medien, die mit designten Online-Persönlichkeiten in den weiblichen Perfektionismus zurückfallen, den Frauen wie Saujani längst abgeschafft haben wollten.In ihren konkreten Strategien zur Veränderung von Denkmustern geht es darum, dass erst das Tun das Denken verändern kann, um Killer-Phrasen-Ketten, um Neinsagen-Können, das Fordern, den Perfektionismus von Müttern, das Akzeptieren von Ängsten als Teil unserer Persönlichkeit und den Umgang mit Feed-Back.Rückblickend war Reshma Saujanis Scheitern bei der Kongresswahl nur ein Kapitel ihres Lebens, nicht das ganze Buch. Sie hat ihren Blick auf die Niederlage verändert und will auch ihren Leserinnen diese Fähigkeit vermitteln. Ihr ermutigendes Buch ist - trotz biografischer Anteile - systematisch aufgebaut. Diese Systematik würde ich gern auch im Layout des Buches wiederfinden. Ein fortschrittlicher, ermutigender Inhalt darf gern auch optisch ansprechend sein.
★★★★★
Fuchs Werner T. Dr
13.04.2024
amazon.de
Mädchen in blauen und Jungs in rosafarbenen Umgebungen aufwachsen zu lassen, kann ja nicht die Lösung aller Ungerechtigkeiten sein. Aber diesen Eindruck erhalte ich manchmal, wenn ich den Output von Gleichberechtigungsstellen zur Kenntnis nehme. Die indisch-amerikanische Autorin dieses Buches hat einen pragmatischeren Ansatz, um zu verhindern, dass noch mehr Frauen ihr Interesse an Berufen im IT-Sektor verlieren und Führungspositionen ausschlagen. Sie möchte Mädchen die Angst vor dem Scheitern und den Wunsch nach Perfektionismus nehmen. Denn offenbar sind Männer bereits zufrieden, wenn sie 60 Prozent der verlangten Kompetenzen erfüllen.Natürlich ist Reshma Saujani nicht die erste Autorin, die eine Lanze für das Scheitern bricht. Aber sie predigt nicht Wasser und trinkt Wein. Denn als sie sich 2010 für den US-Kongress bewarb, trat das ein, was die meisten aus ihrem Umfeld prognostizierten: Reshma Saujani scheiterte im Alter von dreiunddreißig Jahren so deutlich, dass sie viel Gespött ertragen musste. Wer nur 19 Prozent der Stimmen erhält, muss sich auf dem politischen Parkett nicht mehr zeigen.Während sie noch ihre Wunden leckte, beobachtete sie immer häufiger ein Verhaltensmuster, das Frauen davon abhält, das zu tun, worin sie gut sind. „Mädchen werden von klein auf dazu erzogen, keine Risiken einzugehen. Wir sollen zur Freude unserer Eltern und Lehrer nach Bestnoten streben. Am Klettergerüst sollen wir uns nicht zu hoch hinaufwagen, weil wir sonst fallen und uns wehtun können. Wir sollen still sitzen und artig sein, hübsch aussehen, liebenswürdig und beliebt sein. Jungen dagegen bekommen etwas ganz anderes beigebracht.“ Kurz: Jungen erzieht man dazu, mutig zu sein, und Mädchen dazu, perfekt zu sein.Ohne diese These persönlich überprüfen zu können, glaube ich schon, dass die Autorin tendenziell recht hat, dass frühe Konditionierungen zu einem karrierefeindlichen Perfektionismus führen. Und selbst wenn dem nicht so wäre, lohnt sich für Mädchen und Frauen die Lektüre dieses Buches. Denn im 3. Teil zeigt die Gründerin und CEO von „Girls Who Code“ mögliche Wege zu mehr Mut auf. Die sind zwar selten überraschend, aber immerhin so beschrieben und eingebettet, dass keine Langeweile aufkommt.Mein Fazit: Ein übertriebener Hang zum Perfektionismus kann einer der Gründe sein, warum Frauen in Führungspositionen seltener anzutreffen sind als Männer, weniger verdienen und weniger Mut haben. Die indisch-amerikanische Reshma Saujani will ihren Leserinnen bewusst machen, dass frühe Konditionierungen oft stärker wirken als biologische Benachteiligungen. Und indem sie auf hinderliche Denkmuster aufmerksam macht, bereitet sie den Boden vor, auf dem eine neue Saat aufgehen kann. Nicht von heute auf morgen, aber sichtbar und nicht mehr rückgängig zu machen.
Eine andere Sichtweise darauf, wie es immernoch dazu kommt, dass Frauen wirtschaftlich und gesellschaftlich benachteiligt sind. Sie schreibt zwar v.a. von den USA, aber weit von den Verhältnissen sind wir in Deutschland auch nicht. Ich hatte einige AHA Momente beim Lesen in denen ich bei mir als Person, die sich auch durch einen hohen Anspruch krank gemacht hat, Mechanismen erkannt habe, die dazu geführt haben, dass ich mich überfordert bzw. mit meiner Leistung unzufrieden bin. Ein gutes Buch, was mich in meiner Entwicklung unterstützt. Empfehlenswert!