Transhumanismus (Streitfragen)
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★★★★★ NEXUS-Magazin 03.05.2024 amazon.de
Die Schlange, die sich auf dem Cover einrollt, steht für das kritische Hinterfragen und das eigene Urteil, aber auch für das Böse und die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies. Letzteres versinnbildlicht nach Meinung vieler kritischer Zeitgenossen auch den Streitgegenstand der vorliegenden Diskussionsschrift: Der Transhumanismus gilt bei seinen Gegnern als neuer Sündenfall und wird etwa vom amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama als „gefährlichste Idee der Welt“ gebrandmarkt.Auf rund 100 Seiten kommen hier ein profilierter Befürworter und ein Gegner des Transhumanismus unzensiert im gleichen Umfang zu Wort. Die zwei ausführlichen und sachlichen Essays beziehen sich allerdings inhaltlich nicht aufeinander, sondern stehen für sich. Dieser faire Diskussionsstil hebt sich wohltuend von der inzwischen gewohnten einseitigen Parteinahme der Massenmedien ab und ermuntert zur eigenen Meinungsbildung.Für den Transhumanismus plädiert der Philosophieprofessor und Chefredakteur des Journal of Posthuman Studies Stefan Lorenz Sorgner, der die Idee als höchste Form der menschlichen Freiheit und Fortschrittlichkeit bezeichnet. In seinem Beitrag vertritt er die These, dass der moderne Mensch aufgrund evolutionärer Genmutationen, seiner kulturellen Entwicklung und vor allem aufgrund seiner zahlreichen Darmbakterien bereits ein Cyborg sei und daher das nächste Upgrade nur folgerichtig. Seinen Ausführungen nach ist die transhumanistische Agenda allgegenwärtig: Ob genverändernde Impfungen, Tier-Mensch-Transplantationen, Transsexualität, künstliche Intelligenz oder die bevorstehende Bewusstwerdung der Technik – die Menschheit stehe vor einer neuen Entwicklungsstufe.Bei der Lektüre seiner Ausführungen besteht die Gefahr, dass man an beklemmende Szenen aus dystopischen SF-Filmen erinnert wird, etwa wenn das Einfrieren von toten Körpern und Gehirnen, das Recht auf Genmanipulation der eigenen Kinder oder die Begrenzung der Weltbevölkerung zum Klimaschutz angepriesen wird. Zwangsläufig stellt sich die Frage, welche enormen Kapitalinteressen hinter der transhumanistischen Agenda stehen – esoterische respektive transzendente Deutungen oder die Mehrdimensionalität der menschlichen Existenz scheint sie von vornherein auszuklammern.Sorgners Konterpart ist der Buchautor und Filmemacher Philipp von Becker, der im Transhumanismus den epochalen Abschied vom freien Individuum sieht. Da es aktuell keinen Beleg für ein eigenes Bewusstsein künstlicher Intelligenz gibt, verbleibt Becker nicht allzu lange im theoretischen Bereich und in seiner Kritik am Silicon-Valley-Kapitalismus, sondern beschreibt anhand des umfassenden Überwachungsregimes im kommunistischen China die gesellschaftlichen Gefahren der künstlichen Intelligenz. Denn der Trans­humanismus erschafft den perfekten Untertanen. In der Vergangenheit sind jedoch bei der Schaffung eines „neuen Menschen“ sowohl der Nationalsozialismus als auch der Bolschewismus krachend gescheitert.Ob der Transhumanismus einst ebenfalls als totalitäre Verirrung erkannt wird oder es zur „Überwindung“ der menschlichen Existenz ohne zivilisatorischen Zusammenbruch kommen wird, dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten abzeichnen.
Bücher EAN 9783864893865

Transhumanismus (Streitfragen)

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Produktbeschreibung

Der Transhumanismus verfolgt das Ziel, die Grenzen der menschlichen Natur zu überschreiten - körperlich wie geistig. Durch den Einsatz verschiedener Technologien sollen die Leistungsfähigkeit erhöht, verlorene Fähigkeiten ersetzt oder gar neue erfunden werden. Aber ist diese Erweiterung des Menschen tatsächlich eine Verbesserung oder nicht viel eher eine Abkehr vom gerade Menschlichen und als solche eine Hinwendung zur Maschine? Während Stefan Lorenz Sorgner davon überzeugt ist, dass in dieser Überschreitung die Chance einer besseren Welt und einer gesteigerten Lebensqualität liegt, warnt Phil
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