Schon vor Jahrzehnten haben Naturgarten-Pioniere (wie z. B. Werner Gamerith in Österreich oder Reinhard Witt in Deutschland) vorgezeigt, wie man sich ein kleines Paradies mit Wildblumen und heimischen Sträuchern & Bäumen schaffen kann, einen Lebensraum für Schmetterlinge, Vögel, viele Arten von Insekten, mit (Schwimm-) Teich nicht nur für den Menschen, sondern insbesondere für Frösche, Molche, Libellen und all die Krabbelviecher, die Kinder zum Entdecken, Forschen und Staunen anregen können.Jetzt endlich merken immer mehr Menschen, dass durch die moderne Landwirtschaft die Wildblumen und Acker-Wildkräuter verschwunden sind, abgesehen mal vom stickstoffliebenden Löwenzahn. Bis zu sechsmalige Mahd der Wiesen, Glyphosat & Kunstdünger en masse für die Monokulturen unserer (Mais-) Äcker haben allerorten eine GRÜNE WÜSTE bzw. eine AGRAR-WÜSTE entstehen lassen.Viele Menschen überlegen daher, ihren Garten doch in ein Wildblumen-Paradies zu verwandeln, in ein "Ersatz-Biotop", eine Öko-Insel. Im Verbund mit all den andern Gärten wär das doch eine beachtliche Fläche für Kuckuckslichtnelke, Witwenblume, Storchschnabel, Wilde Möhre, Natternkopf, Hornklee, Dornige Hauhechel, Schlüsselblume, und und und ... . Sie beglücken nicht nur uns Menschen mit ihrem Farbenzauber, ihrem Duft, ihrem Werden und Vergehen, sondern sichern Bienen, Wildbienen, Schmetterlingen & Co mit Pollen und Nektar das Überleben. Könnte das rasante Verschwinden der Schmetterlinge, Vögel, Wildbienen, ... nicht aufgehalten werden?Sigrid Tinz nähert sich dem Thema Naturgarten auf eine neue, erfrischende, herzhaft lockere, in erster Linie aber bemerkenswert logische Art. "Selbst ist die Pflanze" zeigt, wie wir den Wildblumen eine Chance geben können, sich unseren Garten selber zu erobern, unterstützt von unserer helfenden und lenkenden Hand.WIE DIE AUTORIN ERKLÄRT, AUF WELCHE ART UND WEISE SICH PFLANZEN VERBREITEN, HAB ICH SO FESSELND, ORIGINELL, FACHKUNDIG UND UNTERHALTSAM NOCH NICHT GELESEN.Unwillkürlich erinnere ich mich an den unsäglich faden und beschwerlichen "Naturgeschichte"-Unterricht meiner Schulzeit. WENN ICH NUR DIESE AUTORIN ALS LEHRERIN GEHABT HÄTTE! Mein Leben, meine Berufswahl, wäre anders verlaufen! Sie bringt ihr Wissen so unbeschwert, begeisternd, witzig, charmant, AUF PÄDAGOGISCH ALLERGESCHICKTESTE ART unter die Leute, dass man nur staunen kann. Sie macht sogar Lust auf die lateinischen Fachausdrücke, erklärt sie so herrlich einfach und verständlich, RESPEKT!Bei Sigrid Tinz geben sich umfassendes naturwissenschaftliches Wissen, faszinierendes pädagogisches Geschick, Schreibtalent, Helfenwollen und Verantwortungsgefühl für unsere Natur ein Stelldichein. Ihr Buch ist so "süffig" geschrieben, man liest so begeistert, eilt beglückt von Seite zu Seite.Wie sie ihr UMFASSENDES WISSEN herunterbricht für den Laien, es ihm schmackhaft macht, ist LITERATUR-PREIS-VERDÄCHTIG.Selbst das PALA-typische Recyclingpapier, auf dem die (manchmal nicht so gelungenen) Fotos halt nicht so gut kommen, kann meiner Begeisterung und Bewunderung keinen Abbruch tun. Stutzig macht mich aber schon die Toleranz gegenüber den ärgsten Neophyten. Was Drüsiges Springkraut, Kanadische Goldrute und Japanischer Staudenknöterich anrichten, ist ja nicht von schlechten Eltern! Gerade den zuletzt genannten auszurotten (zugegeben, der kommt nicht vor im Buch) ist ein extrem schwieriges, eigentlich hoffnungsloses Unterfangen. Und er verdrängt einfach alles, was an Heimischem vorher dort geblüht hat. Trotzdem: unter all den vielen Gartenbüchern ist mir dieses das liebste und wertvollste. Jedem Naturfreund, der mit seinem Garten sich selber, seinen Kindern, den Vögeln, Schmetterlingen, Bienen, Hummeln und Libellen eine neue, unverhoffte Chance geben will, ist mit diesem Buch auf die schönste Art gedient.