Das neue Jahr fängt ja gleich gut an: Ein neuer Jamiri ist erschienen und um es vorweg zu nehmen, „Borderlein“ ist ein Genuss. Es ist klasse, das er bei der Wuppertaler Edition 52 eine neue Heimat gefunden hat, denn endlich erscheinen in regelmäßigen Abständen wieder neue Alben und zwischendurch wird das ältere Material fleißig neu aufgelegt.Es macht einfach Spass, sich mit dem gebürtigen Hattinger in die Sphären zwischenmenschlicher Daseinsformen zu begeben. Dabei ist der Titel des Albums durchaus Programm, denn im Medizinischen wird mit Borderline eine Persönlichkeitsstörung bezeichnet, die sich vor allem in Instabilität bei Stimmungen und im Selbstbildnis kennzeichnet. Schon das Titelbild zeigt, wohin die Reise gehen wird: Ein Porträt, leicht irres Lächeln und dazu diese deplatzierte und verwirrende Lichterkette, die sich um seinen Kopf windet. Und genau davon, immer mit dem Augenzwinkern des feinen Beobachters, berichtet Jamiri in seinem neuen Album – aus seinem verwirrendem, irren Leben, bei dem er sich in allen möglichen Situationen immer wieder deplatziert vorkommt. Der Leser taucht mit dem Protagonisten immer wieder in die Wirren der digitalen Welt ein, die einen schier zur Verzweiflung bringen. Egal, ob Fernsehen, Internet, Schwarmintelligenz oder Videospiele, nichts läuft im Leben so, wie es soll. Da zermartert er sich den Kopf, was er kurz vor Abgabetermin der Redaktion nur schicken soll und schickt einfach sein altes Ego, den Spacejamiri, ins Feld, der dann auf dem Planeten Zork 13 mitten im Schlachtengetümmel steht, nur um festzustellen, dass es kurz vor Redaktionsschluss ist und ihm nichts einfällt.So enthält der neue Band wieder viel Wissenswertes aus dem Jamiri-Kosmos. Wir erfahren, was der Vorteil des Print-Zeitalters war, wie der Künstler zu Mangas steht, welche Diäten er bevorzugt und was es mit Google auf sich hat. Natürlich fehlen auch Beate nicht und der Vergleich zwischen Mathematik und einer wunderschönen Frau. Fazit: Ein rundum gelungener Band, den ich aufgrund der tiefe des Humors noch viele Male in die Hand nehmen werde.
Früher galt mein Interesse an der UNICUM nur der letzten Seite mit dem neuen Jamiri. Denn sein Stil und Humor sind einzigartig. Weder kumpelnder Ruhrpottasi noch akademischer Oberlehrer. Bodenständig, aber gewitzt (und witzig). Im neuen Sammelband illustriert Jamiri mit Zeichenpad und Stiften seinen Alltag zwischen Wahnsinn und Normalität. Besonders die Netzkultur hat es ihm angetan. Beim Warten auf neue Mails klickt er sich zu Tode, durstig verwandelt er sich in Sascha Lobo und greift als Space Jamiri zum Ballermann. Dann irrt er sich beim Googeln des eigenen Namens und wird von Beate ausgelacht. Ein weiteres Thema für den Vertreter des Essener Neo-Fotorealismus ist die Mathematik. Wer schon immer einmal sehen wollte, was der geniale Mathematiker Grigori Perelmann vor seiner Mutter versteckt oder ob der große Algorithmus einen Bart hat, ist beim neuen Werk aus dem Wuppertaler Verlag Edition 52 gut aufgehoben.
Guter Mann, hat auch eine informative und aktive Facebookseite, anregend, inspirierend, unterhaltsam, vor allem für Akademiker! Werde mir den Beate-Band auch gönnen.